Schachmatt, Lionel!

Kommentar zur Messi-Schlammschlacht: Der Superstar hat den Kampf verloren

Die zwei Protagonisten eines unrühmlichen Zwistes. Lionel Messi und Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu
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Die zwei Protagonisten eines unrühmlichen Zwistes. Lionel Messi und Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu

Die Messi-Zukunft ist geklärt, die Stimmung aber alles andere als gut. Einziger Gewinner der Schlammschlacht scheint der Präsident zu sein. Ein Kommentar.

Barcelona - Nun bleibt er also doch! Lionel Messi wird auch nächste Saison für den FC Barcelona spielen. „Ich würde niemals gegen Barca vor Gericht ziehen, weil es der Klub ist, den ich liebe. Der mir alles gegeben hat, seit ich hierher kam. Es ist der Klub meines Lebens“ begründet Messi seinen Sinneswandel im Interview mit Spox und Goal.

Der Klub, den der argentinische Superstar so liebt, pochte im Transfer-Streit auf 700 Millionen Euro Ablöse, während Messi davon ausging, ablösefrei wechseln zu können. Nachdem sich der spanische Verband vor wenigen Tagen auf die Seite von Barca gestellt und die ominöse Klausel für wirksam erklärt hatte, merkte Messi nun wohl, dass es keinen Zweck hat, sich dagegen zu wehren.

Ein Kommentar von Andreas Schmid.

Lionel Messi und der FC Barcelona: Alles in Ordnung bei Blaugrana? Keineswegs

Der beste Spieler der Vereinsgeschichte und womöglich talentierteste, den die Welt je gesehen hat, bleibt also an Bord. Die Geschichte könnte damit erzählt sein und am Ende doch noch ein romantisches Ende gefunden haben, sofern keine weiteren Streikaktionen oder Frustinterviews des Argentiniers hinzukämen. Doch so einfach ist es nicht. Die aktuellen Entwicklungen haben eindrucksvoll offengelegt, dass bei Barca vieles im Argen ist. Wer glaubt, nun sei beim FCB wieder alles in Ordnung, denkt auch, der Tausch eines 23-jährigen Talents (Arthur) gegen einen sportlich nicht besseren 30-Jährigen (Pjanic) sei ein kluger Deal.

FC Barcelona: Klub in der Krise - Bartomeu bricht sein Wort

Es soll nun gar nicht so sehr um die mäßige Saison, unverständliche Transferentscheidungen, mangelnde Einstellung der Stars, taktisches Fehlverhalten oder das Missverständnis Quique Setién gehen. Denn der Fisch stinkt immer vom Kopf her, wie es so schön heißt. Und an der Spitze des so stolzen FC Barcelona steht seit 2014 Josep Maria Bartomeu. Der mächtige, spanische Geschäftsmann agiert im Messi-Streit als Hauptfigur, als stärkster Gegenspieler des Superstars.

Messi hatte „schon sehr lange darüber nachgedacht (zu wechseln, d. Red.). Und der Präsident hat mir immer versichert, dass ich am Ende der Saison entscheiden könne, ob ich gehen oder bleiben will. Am Ende hat er sein Wort nicht gehalten.“ Der 57-Jährige sei ein Lügner.

Harmonie vergangener Tage: Messi und Bartomeu unterschreiben im Jahr 2017 die Vertragsverlängerung des Argentiniers bis 2021.

FC Barcelona: Bartomeu noch tragbar? Machtspiel des Präsidenten

Bartomeu steht bei den Fans heftig in der Kritik - und das nicht nur wegen unverständlichen Personalentscheidungen der Marke Malcom & Co. sowie der vermeintlichen Beteiligung am diffusen Neymar-Deal. Um Ostern gab es den Vorwurf, dass er eine Firma bezahlt habe, die das öffentliche Ansehen von einigen Kritikern diskreditieren und seine Person stärken sollte. Abgesehen hätte er es dabei neben Gerard Piqué oder Pep Guardiola auch auf Messi. Aktuell wird gegen ihn wegen Korruption ermittelt.

Im Transfer-Hick-Hack soll Bartomeu nun seinen Rücktritt angeboten haben, damit Messi bleibt. Nun bleiben Messi und Bartomeu. Felicidades! Statt Bartomeu traten dieses Jahr übrigens sechs Vereinsdirektoren zurück - aus Protest gegen den Präsidenten. Ein klares Indiz dafür, dass der Geschäftsmann für viele im Klub untragbar ist. In Anbetracht dieser Ereignisse scheint der angebotene Rücktritt zudem vielmehr machtpolitisches Kalkül statt ehrliche Reue zu sein.

Lionel Messi: Schachmatt - der Argentinier hat den Kampf verloren

Und Messi? Der hat den Kampf gegen Bartomeu verloren: Der Superstar musste einsehen, dass nicht einmal er über dem Verein steht, der stolz propagiert, „mehr als ein Klub“ zu sein. Statt ohne den unliebsamen Präsidenten etwa unter Trainer-Liebling Pep Guardiola in Manchester zu spielen, gibt der argentinische Superstar murrend klein bei. Mit Romantik hat die Beziehung von Messi zum FCB indes nichts mehr zu tun. Das Tischtuch zwischen ihm und den Blaugrana ist nicht nur zerschnitten, sondern regelrecht zerfetzt. Die spanische Sportzeitung Marca titelte Anfang der Woche: „Messi und Bartomeu spielen ein Schachspiel, das nur einer gewinnen kann.“ Nun ist dieses Spiel vorbei. Schachmatt, Lionel! (Andreas Schmid)

Video: Präsident log, Familie weinte: Messi erklärt Barça-Verbleib

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