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Löw: "Kroos eine Alternative fürs defensive Mittelfeld"

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Joachim Löw und Toni Kroos © sampics

Eppan - Die tz traf den Nationaltrainer nach drei Wochen Vorbereitung zur Zwischenbilanz. Joachim Löw äußert sich zur Verletztenmisere und zu einer möglichen Nachnominierung.

Der Mann ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Als Joachim Löw zum Termin mit der tz auf der sonnigen Terrasse des Mannschaftshotels Weinegg in Eppan erscheint, pfeift er fröhlich ein

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Bundestrainer Joachim Löw gestern im deutschen Trainingslager im Gespräch mit tz-Reporter Tobias Altschäffl © Ottmar Winter

Lied vor sich hin. Strahlend weiße Schuhe, kurze Hose, schwarzes Oberteil – und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. Selbst, als es um ein geplantes Fußballspiel zwischen Journalisten und DFB-Betreuern geht. Natürlich sei er mit dabei, versichert Löw. Die unheimliche Verletztenmisere in seiner Mannschaft macht ihm keine Angst. „Zur Not“, lächelt der Mann, in dessen Händen das Wohl und Wehe der Nationalmannschaft in Südafrika liegt, „kann ich bei der WM auch mit Gips auf der Bank sitzen“. Egal, wie viele Rückschläge er verkraften muss: Löw bringt nichts aus der Ruhe.

WM-Kader: Wer vorläufig dabei ist - und wer nicht

„Wir staunen manchmal selbst, wie ruhig und ausgeglichen er ist“, sagt ein enger DFB-Mitarbeiter am Montag. Doch wie sind die Pläne, nachdem mit Westermann der fünfte Spieler verletzt ausfällt? Die tz traf den Nationaltrainer nach drei Wochen Vorbereitung zur Zwischenbilanz. Die Meldung aus dem Bundeskanzleramt passte da irgendwie ins Bild: Auch aus dem Besuch von Angela Merkel wurde nichts.

Verletzte, Probleme – und selbst die Kanzlerin kann keine mentale Hilfe leisten. Es ist wie verhext! Liegt über dem DFB-Team ein Fluch, Herr Löw? „Nein, ich denke nicht darüber nach, ob wir verflucht sind oder ob wir etwas verbrochen hätten“, sagt Löw mit einem Lächeln auf den Lippen – wird beim Gedanken an die letzten, schweren Monate jedoch schnell ernst: „Aber das Schlimmste, das Allerschlimmste an all den Meldungen war sicher der Tod von Robert Enke. Das ist nicht mehr zu korrigieren, nie mehr zu ändern. Das war für uns alle ein schwer zu verkraftender Schlag. Verletzte Spieler – so traurig und bitter das im Moment ist – sind zu ersetzen.“

In die verbleibenden 24 Spieler hat der 50-Jährige vollstes Vertrauen. Deswegen bleibt Löw dabei: Es rückt kein Spieler nach! „Nein, nachnominiert wird nicht. Wir haben hinten genug Möglichkeiten, genug Varianten: Badstuber, Boateng, Tasci“, erklärt der Bundestrainer der tz. „Alle können diese Aufgaben übernehmen. Unabhängig, wer gestrichen wird, sind wir im Kader ausgewogen besetzt.“ Löw lobt im Gespräch auffallend oft Bayern-Youngster Badstuber, sagt: „Er kann für uns sehr wertvoll werden.“ Der 21-Jährige hat sein Ticket sicher.

Löw steht zu seinem Kader. Er ist froh, wie intensiv die Trainingseinheiten laufen, „wir vertrauen in die Spieler hier, da werden wir uns nicht beirren lassen. Der Kader, der hier ist, ist auch immer enger zusammengerückt.“ Mit diesem Team geht er durch dick und dünn – Devise: Wunder oder Untergang. Löw: „Wir sind schon eine lange Zeit zusammen, aber die Stimmung ist ungebrochen gut – das ist nicht selbstverständlich, das ist außergewöhnlich.“ Natürlich war die Verletzung von Westermann – der fünfte Ausfall – ein schwerer Schlag. „Das war für uns überraschend und negativ“, meint der Bundestrainer. „Ich hätte mir eine andere Situation gewünscht. Wir können das aber nicht mehr ändern jetzt. Wir haben immer wieder Überlegungen: Wer könnte wen ersetzen? Wir sind nicht unvorbereitet, wir haben versucht, jede Position doppelt zu besetzen. Wir Trainer sind dafür da, jetzt andere Lösungen zu präsentieren.“

Löw gibt einen Einblick in das Innenleben des Teams: „Die Mannschaft ist bei diesen Ausfällen kurzfristig enttäuscht. Aber letztendlich muss man sagen: Leute, es geht sofort weiter! Man kann sich nicht lange damit aufhalten.“ Der Kader sei weiter breit genug, „wir sind überall noch doppelt besetzt“, wiederholt Löw – korrigiert aber: „Bis aufs defensive Mittelfeld. Dort hätte Heiko spielen können. Aber es gibt auch Alternativen, wie ­Toni Kroos. Es ist durchaus denkbar, dass man dort einen offensiven Spieler hinstellt, der dann aber auch defensiver denkt, disziplinierter spielt.“

Löw macht zu jeder Zeit einen gefassten, sachlichen Eindruck. Klar, die Frage nach dem Mann, den er aus dem Kader streichen muss, bereitet ihm Magenschmerzen. „Den habe ich noch nicht im Kopf“, sagt Löw am Montagmittag, „das wird heute Abend in aller Ruhe diskutiert“. Die Entscheidung will er nun erst am Mittwoch verkünden. Viel Erfolg will er sich dafür nicht wünschen lassen, „für uns gibt es da ja nichts zu gewinnen“, meint Löw. Dann eben ein gutes Händchen! „Darauf können wir uns einigen“, lacht Löw zum Abschied.

Tobias Altschäffl

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