Nach Kritik am Nationalstürmer

Löw stützt Gomez: "Ich weiß, was Mario kann!"

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Jogi Löw und Mario Gomez bei der Auswechslung.

Dortmund - Nach der Niederlage gegen Argentinien ist vor allem Mario Gomez Zielscheibe der Kritiker. Doch Bundestrainer Jogi Löw stellt sich bewusst vor seinen lange Zeit verletzten Stürmer.

Mario Gomez kam als letzter Mann aus der Kabine, langsam und geduldig. Er wusste, welche Art von Fragen er beantworten musste. Dennoch versuchte er positiv zu bleiben und sachlich zu argumentieren. Bloß kein weiteres Öl in ein Feuer gießen, das einige Zuschauer nach seiner Auswechslung (58.) entfachten, als sie den 29-Jährigen bei seinem Comeback nach langer Leidenszeit bitterböse auspfiffen. Gomez sagte mit gewohnt leiser Stimme: „Ich werde weitermachen wie immer, werde auch wieder treffen. Wie immer bei der Nationalmannschaft. Manchmal gehen sie rein und manchmal nicht, das habe ich schon oft erlebt.“ Es klang, als wolle er sich selber Mut machen. „Ich hätte gern getroffen.“

Joachim Löw war nicht ganz so reserviert. Er hatte seinem Stürmer, der nach dem Rücktritt von Miroslav Klose sein letzter verbliebener Knipser im Kader ist, viele gute Sätze mit auf den Weg gegeben, hatte noch einmal daran erinnert, dass Gomez in der Vergangenheit schon viele wichtige Tore für die Nationalmannschaft erzielt hat. Und dass er die WM nur aufgrund der körperlichen Defizite verpasst hatte. Daher ärgerte es den Bundestrainer, wie Gomez vom Publikum verabschiedet wurde. „Grundsätzlich geht es einfach nicht, dass ein Spieler der deutschen Nationalmannschaft ausgepfiffen wird, nur weil er die eine oder andere Chance liegen gelassen hat“, erklärte Löw und wurde dann konkreter. „Mario hat sieben Monate verletzt gefehlt, hat ein einziges Pflichtspiel bestritten. Ich weiß das als Trainer richtig gut einzuschätzen, dass er nicht in Topform sein kann. Es war wichtig zu sehen, wie er sich bewegt. Es war ein bisschen unglücklich. Ich weiß, was er kann. Er wird auch noch ein bisschen brauchen, um in guter Form zu sein. Es wäre ja verrückt, wenn es nicht so wäre!“

Löw war richtig sauer – wohl auch, weil es nicht das erste Mal war, dass Gomez ausgepfiffen wurde. Am schlimmsten war es bislang zuletzt im August 2013 in Kaiserslautern, was sich noch halbwegs damit begründen ließ, dass dort sein ehemaliger Sturmkonkurrent Klose beheimatet ist. Aber auch in anderen deutschen Stadien ist Gomez schon mit Pfiffen bedacht worden, in Mönchengladbach war es vor ein paar Jahren ebenfalls in einem Testspiel (gegen Australien, 1:2). Es scheint, als müsse Gomez immer ein wenig mehr leisten als andere deutsche Stars. Ein Thomas Müller beispielsweise dürfte auch geliebt werden, wenn er mal drei schlechte Spiele in Folge macht. Bei Gomez ist das anders, war es schon immer anders. Dabei ist es gerade jetzt für ihn und Fußballdeutschland wichtig, dass er ein positives Gefühl bekommt. Schließlich ist er die neue Nummer eins im Sturm, die Hoffnung für die EM 2016. In Düsseldorf konnte er letztlich nur verbal für sich werben und beteuern, seinen bedingungslosen Einsatz für das Team zu geben. „Es ist eine große Ehre für mich, für Deutschland zu spielen“, sagte Gomez. „Die WM hat uns alle noch ein Stück weit mehr zum Fan gemacht von dieser Mannschaft. Ich fühle Stolz und auch Motivation, wieder zurück zu sein.“

Und dann machte er sich noch mal ein wenig Mut. „Man muss sich die Chancen auch erarbeiten, und ich habe viel dafür getan, habe die Chancen ausgespielt und die Situationen gehabt vor dem Tor.“ In Zukunft will er sie auch nutzen, am besten schon am Sonntag gegen Schottland. Es würde allen irgendwie ganz guttun, die diese Mannschaft mögen.

Michael Knippenkötter

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