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Matthäus: Lahm? Das sind alles Schlaumeier!

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Lothar Matthäus findet die Diskussion um Philipp Lahm überflüssig.

München - Überzeugen geht anders - sagt Lothar Matthäus zur Leistung der DFB-Elf. Manch ein Leistungsträger laufe seiner Form hinterher. Die Diskussion um Philipp Lahm sei dagegen überflüssig.

Herr Matthäus, wie fällt Ihr Fazit der Gruppenphase aus, in der mit Spanien, Italien und England die ersten Favoriten gefallen sind?

Matthäus: Ich hatte bereits davor schon prognostiziert, dass es Überraschungen geben würde – so ist es letztlich auch gekommen. Ich war selber bei den Weltmeisterschaften in Mexiko und USA dabei, das ist eine fremde Atmosphäre, die einem nicht vertraut ist. Nicht nur das Klima, das gesamte Drumherum ist nicht so, wie man es von daheim kennt. Da muss man sich anpassen. Den einen gelingt es, den anderen eben nicht.

Bei unserer Mannschaft scheint das ja ganz gut geklappt zu haben.

Matthäus: Der DFB ist immer optimal vorbereitet. Da herrscht einfach dieser Wille, gegen das Neue anzugehen. Das war schon in Mexiko so. Die Spieler werden schon im Vorfeld von der medizinischen und der organisatorischen Abteilung gebrieft – so manch anderer Nation gegenüber ist der DFB definitiv ein Vorbild.

Hat Sie Jogi Löws Truppe bislang überzeugt?

Matthäus: Überzeugen geht anders. Wir haben ja gesehen, was wir für Schwierigkeiten gegen Ghana hatten. Nach dem 2:1 hatten sie zwei dicke Möglichkeiten, mit etwas Pech hätten wir also auch verlieren können, und das Spiel gegen die USA hätte gleich eine ganz andere Bedeutung bekommen. Die Pflichtaufgaben sind erfüllt. Auf dem Papier waren wir die beste Mannschaft und das haben wir im Nachhinein auch gezeigt. In so einem Turnier muss man nicht überzeugen, man muss reinfinden. Den nächsten Schritt muss man nun gegen Algerien machen, wo man ja auch haushoher Favorit ist.

Müssen Jogis Jungs für den Titel nicht noch eine Schippe drauflegen?

Matthäus: Jetzt geht es in die K.o.-Phase, da muss man von Anfang an die Spannung hochhalten. Atmosphärisch scheint es in der Mannschaft gut zu passen, der ein oder andere Leistungsträger läuft seiner Form aber noch hinterher. Ich will niemanden kritisieren, aber da müssen einige noch eine Schippe drauflegen, um das ganz große Ziel zu erreichen.

Vor allem Philipp Lahm ist zuletzt in den Fokus geraten. Ihre Meinung zur Positions-Diskussion?

Matthäus: Ich weiß gar nicht, warum es da Diskussionen gibt. Davon leben die Experten, klar. Aber wir können Lahm nicht für eine großartige Saison auf der Sechs loben, worauf Löw ihn auch dort aufstellt, und dann kommen wieder die Schlaumeier daher und meinen, er sollte doch lieber linker oder rechter Verteidiger spielen. Ich kann das nicht nachvollziehen. Man sollte den Trainer entscheiden lassen, hin- und herschieben bringt nichts.

Trauen Sie der deutschen Mannschaft den Titel zu?

Matthäus: Deutschland hat mit Frankreich, Holland, Argentinien und Brasilien die Chance, Weltmeister zu werden. Chile hat vielleicht noch Außenseiterchancen. Jetzt kommt es auch auf den Charakter an.

Interview: lop

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