„Widerlicher geht‘s kaum“

Disqualifiziert sich Matthäus hier als Löw-Nachfolger? Wirre Aussage sorgt für Fan-Wut

Lothar Matthäus wird für seine Katar-Aussagen hart kritisiert.
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Lothar Matthäus wird für seine Katar-Aussagen hart kritisiert.

Lothar Matthäus träumt vom Job des Bundestrainers. Doch der Rekord-Nationalspieler sorgt mit wirren Katar-Aussagen für Fan-Wut im Netz.

München - Lothar Matthäus bietet dem DFB seine Dienste als Bundestrainer an. Mit einer unsensiblen Aussage zur WM 2022 in Katar verspielt der Rekord-Nationalspieler aber schon im Vorfeld viel Kredit bei den Fans.

Seit vergangener Woche und dem angekündigten Rücktritt von Bundestrainer Jogi Löw dreht sich in Fußball-Deutschland alles um den möglichen Nachfolger. TV-Experte Lothar Matthäus lehnte eine Rückkehr ins Trainer-Geschäft zunächst ab, der Gedanke Bundestrainer zu werden gefiel ihm kurze Zeit später aber doch ganz gut.

DFB: Lothar Matthäus kann sich Löw-Nachfolge vorstellen

„Ich bin jemand, der gerne hilft. Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Verantwortlichen geschlossen dahinter stehen, dann würde ich mir Gedanken machen“, sagte Matthäus beim TV-Sender Sky. Der DFB müsse sich aber jetzt „erst selbst einmal finden“. Matthäus stellte klar: „Der DFB muss wissen, was wollen wir und wem trauen wir es zu.“

Zuvor verglich Matthäus seine Situation mit der von Franz Beckenbauer. Der Kaiser „wollte 1984 auch nicht Teamchef werden, sondern hat es im Endeffekt gemacht, auch auf einen gewissen Druck hin“, so Matthäus. „Wenn ich diesen spüre und er positiv ist, würde ich es mir überlegen“, meinte der ehemalige Weltfußballer. Beckenbauer übernahm die Nationalelf ohne jegliche Erfahrung, kam bei der WM 1986 bis ins Finale und gewann vier Jahre später in Italien die Weltmeisterschaft. Beckenbauer höchstselbst und Mehmet Scholl schwärmten zuletzt von einem möglichen Bundestrainer Matthäus.

Matthäus verteidigt Katar-WM - Fans fällen vernichtendes Urteil

Mit unbedachten Äußerungen zur WM 2022 in Katar könnte sich Matthäus nun aber selbst disqualifiziert haben. Der Wüstenstaat steht wegen Menschrechtsverletzungen in der Kritik. Die britische Zeitung Guardian hatte unlängst gemeldet, dass seit der WM-Vergabe im Jahr 2010 in Katar mehr als 6500 Gastarbeiter bei Bauarbeiten gestorben seien. Auch die unwürdigen Arbeitsbedingungen wurden kritisiert. Zuletzt gab es zahlreiche Aufforderungen zum Boykott.

Matthäus hat zu der Thematik allerdings eine recht eigenwillige Meinung. Es werde „immer etwas gesucht, um den WM-Austragungsort schlecht zu machen“, sagte er bei „Sky90“ und verwies dabei auf die WM 2018 in Russland. „Ich glaube trotzdem, dass auch 2022 in Katar eine tolle Weltmeisterschaft stattfinden wird“, so Matthäus. Katar sei „auf einem guten Weg“.

Die Entrüstung in den sozialen Medien war riesig. „Widerlicher geht‘s kaum“, schreibt ein Nutzer auf Twitter. „Ehm. Lothar? Hast du überhaupt die Katar-Problematik verstanden? Ist mit dir alles in Ordnung?“, fragt eine Userin verdutzt. „Der Scham-Moment, wenn Loddar zu Katar zu politisieren beginnt. Aua“, oder „Matthäus redet sich gerade um Kopf und Kragen“ waren weitere Reaktionen. „Loddar hat sich mit seiner Positionierung zu Katar soeben souverän aus der Löw-Nachfolge gestolpert“, ist sich ein Nutzer sicher. Ob sich Matthäus mit seinen Aussagen auch beim DFB diskreditiert hat, falls er überhaupt jemals zur Debatte stand, wird sich zeigen. (ck)

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