Interview über den Ausfall des DFB-Kapitäns

Matthäus: "Schweinsteiger ist sportlich zurzeit verzichtbar"

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Lothar Matthäus (r.) denkt, Joachim Löw wird so lange wie möglich an Bastian Schweinsteiger (l.) festhalten.

München - Lothar Matthäus hofft, dass DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger rechtzeitig für die EM wieder fit wird. Sollte er für das Turnier in Frankreich ausfallen, wäre das aber auch keine Katastrophe, sagt der Rekordnationalspieler im tz.de-Interview.

Für Rekordnationalspieler Lothar Matthäus ist der bittere Ausfall von DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger keine Katastrophe. "Es war schon für den FC Bayern im Sommer keine Katastrophe, dass Bastian auf einmal weg war. Mit einer ganz einfachen Erklärung: Es waren andere gute Spieler da. Und so ist es zum jetzigen Zeitpunkt in der Nationalelf auch", meint der 55-Jährige im Interview auf tz.de vor dem spiel der DFB-Elf am Samstagabend gegen England (ab 20.45 Uhr im Live-Ticker!).

Herr Matthäus, ist der Ausfall von Bastian Schweinsteiger für Jogi Löw kompensierbar oder eine Katastrophe?

Lothar Matthäus: Es war schon für den FC Bayern im Sommer keine Katastrophe, dass Bastian auf einmal weg war. Mit einer ganz einfachen Erklärung: Es waren andere gute Spieler da. Und so ist es zum jetzigen Zeitpunkt in der Nationalelf auch. Wenn Bastian fit ist, kann er der Mannschaft mit seiner Persönlichkeit und seiner Erfahrung helfen. Aber sportlich ist er zurzeit verzichtbar. Ich habe ihn auch vor der Verletzung nicht in der ersten Elf gesehen. Jogi Löw hat auf seiner Position Spieler, die aktuell mindestens genau so gut, wenn nicht sogar stärker sind. Und die erneute Verletzung hilft ihm sicher nicht, seine Position zu stärken.

Also würden Sie einen nicht fitten Schweinsteiger nicht mit nach Frankreich nehmen?

Matthäus: Ich hoffe, dass er es zur EM schafft. Die Zeit hat er, das Vertrauen vom Bundestrainer auch. Löw wird ihn nicht fallen lassen. Aber Bastian ist inzwischen einfach in ein Alter gekommen, in dem sich der Körper seine Auszeiten nimmt. Das hat man vor allem nach der Weltmeisterschaft gesehen. Danach war das beim FC Bayern nicht mehr der Bastian, den man kannte. Deshalb war man bei Bayern München im Sommer glaube ich auch ganz froh, dass er den Schritt nach Manchester gemacht hat. So konnten beide Seiten einer schwierigen Situation aus dem Weg gehen. Bastian macht zurzeit ein schwieriges Jahr durch, das hat er sich selbst sicher auch anders vorgestellt.

Droht ihm vielleicht sogar das gleiche Schicksal wie Michael Ballack? Erst verletzt, dann abserviert...

Matthäus: Nein, das denke ich nicht. Es ist wichtig, dass die Spieler, vor allem die meinungsstarken Bayern-Spieler, hinter ihm stehen. Und das tun sie, was man nicht zuletzt an den Aussagen von Thomas Müller erkannt hat. Das Verhältnis unter den Führungsspielern ist gut. Das kann man nicht mit der Situation bei der WM 2010 vergleichen. Da war mit Philipp Lahm einer dabei, der gegenüber Michael Ballack Ansprüche gestellt hat. Das wird jetzt aber kein Müller, kein Neuer und auch kein Boateng machen – der Respekt ist zu groß und Löw steht hinter seinem Kapitän. Das war bei Ballack und Lahm anders, ähnlich wie bei mir in den 90er-Jahren, als Jürgen Klinsmann und Thomas Helmer Einfluss genommen haben.

Wen sehen Sie in der Pflicht, wenn der Kapitän bei der EM tatsächlich nicht dabei sein würde?

Matthäus: In erster Linie die drei Spieler, die ich eben schon genannt habe. Dann müssen sie die Mannschaft führen. Ich gehe auch davon aus, dass sie den neuen Führungskreis bilden, wenn Bastian seine Karriere in der Nationalelf irgendwann mal beendet.

Interview: Sven Westerschulze

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