Ex-Profi über seine vielen Stationen

Lutz Pfannenstiel im tz-Interview: "Singapur? Nie wieder!"

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Lutz Pfannenstiel, Fußball-Globetrotter.

Zwiesel - Lutz Pfannenstiel aus Niederbayern spielte im Iran, in Finnland, in Thailand oder in Sri Lanka. Im tz-Interview spricht er über seine bewegte Karriere.

Ex-Torwart Lutz Pfannenstiel ist ganz offiziell Weltrekordler. Der Niederbayer aus Zwiesel hat als weltweit erster Fußballer in jedem der sechs anerkannten Kontinentalverbände für einen Profiklub gespielt – unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen: Vor 100 000 Fans im Iran etwa, oder in Finnland, wo ein Spiel wegen eines riesigen Moskitoschwarms unterbrochen werden musste, in Stadien mit „kakerlakenverseuchten Umkleidekabinen“ in Thailand und Sri Lanka oder auf einem unfreiwillig gedüngten (die Sanitärrohre waren geborsten) Platz in Armenien. Trotzdem liebt er das Reisen als Scout für die TSG Hoffenheim, als TV-Experte, als Klima-Botschafter und Mitbetreuer von Hilfsprojekten. Die tz sprach mit ihm.

Herr Pfannenstiel, was verbinden Sie als Weltreisender in Sachen Fußball mit dem Begriff Heimat?

Lutz Pfannenstiel (41): Mit Heimat verbinde ich Familie und Freunde. Ich bin durch meine Herkunft niederbayerisch geprägt, deshalb ist das natürlich auch der Mittelpunkt. Aber wenn meine Eltern jetzt morgen irgendwohin auswandern würden, wäre das eben Heimat.

Also ist das personen- und nicht ortsbezogen?

Pfannenstiel: Richtig, aber es gefällt mir auch im Bayerischen Wald, schließlich bin ich da aufgewachsen.

Sie sind bei der TSG Hoffenheim verantwortlich für Internationale Beziehungen und Scouting, sind als TV-Experte im Einsatz – zuletzt für Eurosport beim Africa Cup – und mit Ihrem Projekt Global United FC wollen Sie die Aufmerksamkeit auf den Klimaschutz lenken – wie viele Tage im Jahr sind Sie unterwegs?

Pfannenstiel: In einem WM-Jahr sind es ca. 180 Tage, in einem Jahr wie 2015 ungefähr 120.

Sie leben mit Ihrer Frau Amalia in Frankfurt – Flughafennähe ist bei so vielen Reisen hilfreich.

Pfannenstiel: Für mich ist Frankfurt optimal, weil ich auch in einer Stunde in Hoffenheim bin.

Welche Länder reizen Sie am meisten?

Pfannenstiel: Vom Fußballerischen her Brasilien, Argentinien und Kolumbien, von der Kultur her Japan, Korea und die Länder der ehemaligen Sowjetunion. Am meisten zu Hause fühle ich mich im Ausland in Afrika, gefolgt von Südamerika, und da insbesondere Brasilien. Da steht der Fußball über allem, und wenn ich da mit meinem Charity-Projekt bin, habe ich immer ein gutes Gefühl. In Südafrika habe ich seit meiner aktiven Zeit sehr gute Kontakte zu allen im Fußball wichtigen Personen, u.a. zu den Kaizer Chiefs in Johannesburg.

In Singapur wurden Sie 1999 zu Unrecht wegen angeblichen Wettbetrugs verurteilt und saßen 101 Tage unter menschenunwürdigen Bedingungen im Gefängnis. Später sagten Sie, dahin kämen Sie nie wieder.

Pfannenstiel: Dabei bleibt’s auch: Singapur? Nie wieder!

Was haben denn die WM 2010 für Südafrika und die 2014 für Brasilien bewirkt?

Pfannenstiel: Die Infrastruktur in Südafrika ist natürlich für Afrika einzigartig. Und in Brasilien hat sich tatsächlich die Struktur in den größeren Städten verbessert. Das Problem in der Liga ist allerdings, dass die Klubs zu sehr auf alte Spieler setzen, die in Europa Erfolg hatten. Das führt zu Talentflucht.

Die TSG Hoffenheim gibt ja vielen Talenten eine neue Heimat. Was sind da die Schwerpunkte?

Pfannenstiel: Es wird natürlich viel Wert auf die fußballerische, aber auch die persönliche Ausbildung gelegt. Wenn ich mich um einen Spieler und seinen sozialen Bereich nicht kümmere, dann ist die Gefahr groß, dass er kein Topfußballer wird. Deshalb ist Hoffenheim ein Vorbild. Auch wenn es ein Spieler nicht in die U 23 oder später zu den Profis schafft, so hat er durch Schule und Ausbildung trotzdem eine gute Basis für den Start ins Leben, sei es als Fußballer oder in einem anderen Beruf. Die Werte, die Jugendlichen in der Akademie vermittelt werden, vor allem auch Zielstrebigkeit und Bodenständigkeit, die helfen natürlich auch im Berufsleben.​

Interview: Bernd Brudermanns

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