1. tz
  2. Sport
  3. Fußball

Magath im Interview: "Es hat sich doch gelohnt"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Wo Felix Magath ist, da ist Erfolg. © dpa

Gelsenkirchen - Er ist der Trainer des Jahres 2009: Felix Magath (56). Erst führte er den VfL Wolfsburg überraschend zur Deutschen Meisterschaft, dann hauchte er Schalke 04 neues Leben ein.

Die Königsblauen grüßen in der Winterpause von Rang zwei der Tabelle. Die tz traf den Meistermacher zum exklusiven Weihnachts-Interview.

Wie feiern Sie Weihnachten?

Magath: Mit der Familie in München. Heiligabend wird’s immer recht hektisch. Erst muss ich noch Geschenke besorgen. Dann geht’s in die Christmette, anschließend ist Bescherung. Wir haben extra einen Weihnachtsmann bestellt. Wir kochen diesmal nicht selbst, sondern Bayern-Koch Alfons Schuhbeck wirft eine Gans in den Ofen.

Was liegt denn bei Magaths unter dem Baum?

Magath: Ich weiß es gar nicht so recht. Aber Schalke-Artikel sind auf jeden Fall dabei.

Sind Ihre Kinder schon mit dem Schalke-Virus infiziert?

Magath: Ja, die sind schon ganz blau-weiß eingestellt. Sie haben mehrere Trikots. Raffael das von Manuel Neuer, Leonard das von Farfan und Chiara auch das von Neuer. Ich darf gar nicht so genau hinschauen, sonst muss ich die auch immer aufstellen. Manchmal trauen sich die drei ja sogar, mit Schalke-Schal durch München zu gehen.

Kult-Trainer

Wie verbringen Sie die Winterpause?

Magath: Weihnachten bleiben wir in München, anschließend geht’s nach Österreich zum Skifahren.

Wann hatten Sie zuletzt Kontakt zu Ihrem Vater?

Magath: Vor ein paar Wochen. Zuletzt besucht in Puerto Rico habe ich ihn im Sommer.

Er war immerhin der erste, der Ihnen den Titel mit Wolfsburg vorhergesagt hat.

Magath: So ist er. Immer optimistisch. Er denkt amerikanisch, die sehen alles positiv.

War die Meisterschaft mit Wolfsburg wirklich Ihr schönster Titel?

Magath: Ja, das war ganz was Besonderes. Wer hätte schon gedacht, dass Wolfsburg Meister werden könnte? Hinterher erzählen das zwar immer alle. Aber damit konnte niemand rechnen. Dieser Titel war ein Traum. Unsere Mannschaft hatte niemand auf dem Zettel. Sie bestand doch aus No-Name-Spielern. Es wurden kaum Stars eingekauft, höchstens Grafite. Aber den kannte doch vorher niemand, Dzeko erst recht nicht.

Haben Sie sich inzwischen noch mal Videos von der Meisterfeier angeschaut?

Magath: Das mache ich grundsätzlich nicht. Ich bin nicht der Typ, der ausgelassen feiert. Ich war ja auch nicht das erste Mal Meister. Titel sind für mich nicht selbstverständlich, aber dafür übe ich schließlich meinen Job aus. Deshalb spüre ich auch keinen besonderen Druck. Ich komme nach Schalke, um Meister zu werden. Das will ich wirklich, das sage ich nicht nur so daher. Ich will es. Den Druck mache ich mir daher selbst. Ich will Meister werden. Wenn ich so etwas erreiche, dann ist es das, wofür ich gearbeitet habe.

Woher kommt diese Einstellung?

Magath: Ich war immer ehrgeizig und habe auch schon immer Erfolg gehabt. Mit dem TV Aschaffenburg wurde ich als Jugendlicher B-Klassen-Meister mit dem Senioren-Team. Dann bin ich zu Viktoria Aschaffenburg gewechselt und wieder Meister geworden. Dann ging’s nach Saarbrücken – dort feierte ich den Aufstieg. Dann zum HSV: drei Mal Meister, zwei Mal Europapokal-Sieger. Ich hatte, wo ich war, Erfolg.

Inwiefern hat Ihre Kindheit Sie geprägt?

Magath: Mein Vater ging, als ich zwei Jahre alt war. Daher musste meine Mutter viel arbeiten, um uns ernähren zu können. Auch ich habe während der Schulzeit Geld verdient, indem ich in der Brauerei den Fahrern geholfen und Fässer getragen habe.

Sind Sie dadurch zum „Quälix“ geworden?

Magath: Ich verlange doch nichts, was ich nicht selber als Spieler geleistet habe. Und ich war nicht so unerfolgreich. Ich weiß, dass meine Art zum Erfolg führt. Wenn die Spieler mir folgen, werden sie Erfolg haben.

Die besten Fußballer der Geschichte

Haben sich schon mal Spieler bei Ihnen bedankt?

Magath: So was macht keiner. Aber Spieler wie Grafite, Dzeko oder Schäfer sind bestimmt dankbar für ihre Entwicklung. Natürlich war die Zeit mit mir arbeitsintensiv, aber es hat sich doch gelohnt.

Schalke ist überraschend Zweiter. Greifen Sie nun nach der Schale?

Magath: Wir wollen so weit wie möglich nach oben. Wir wollen international spielen, weil wir das Geld sehr gut brauchen können. Die Verpflichtung kann ich Spielern wie Moritz, Schmitz, Matip oder Höwedes aber nicht aufbürden. Wir haben nicht die Mannschaft, um einen Europapokal-Platz einzufordern.

Wie sieht Ihr sportlicher Wunsch für 2010 aus?

Magath: 2009 war sicher das erfolgreichste Jahr meiner Trainer-Karriere. Aber es kann im nächsten Jahr gerne noch besser werden. Ansonsten ist das Thema Finanzen auf Schalke wichtig für mich. Die Hauptaufgabe ist es, dass wir den Verein wieder auf eine gesunde Basis stellen. Im Moment können wir nur reagieren. In den letzten Jahren wurde auf Schalke mehr ausgegeben als eingenommen. Das muss erst einmal korrigiert werden. Durch die bessere Platzierung und durch das Weiterkommen im DFB-Pokal haben wir uns schon etwas Luft verschafft. Wir geben Spieler aber nur ab, wenn ein marktgerechter Preis erzielt wird.

Interview: Marcel Schwamborn

Auch interessant

Kommentare