Mainz orientiert sich am FC Barcelona

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Thomas Tuchel.

Mainz - Mit seinem Trainer Thomas Tuchel hat der FSV Mainz 05 das beste Kalenderjahr der Vereinsgeschichte gespielt. 56 Punkte verbuchten der jüngste Bundesliga-Coach und sein Team. “Ich brauche Sicherheit, damit ich das Beste aus mir herausholen kann“, sagt der 37-Jährige.

Erfolgstrainer Thomas Tuchel will Mainz 05 zu einer der ersten Adressen für Nachwuchsarbeit in Deutschland machen. Der mit 37 Jahren jüngste Bundesliga-Trainer scheut sich dabei nicht, Champions-League-Sieger Barcelona als Vorbild für den kleinen Fußball-Bundesligisten zu wählen. “Mit seiner Club- Philosophie und deren konsequenter Umsetzung kann Barcelona ein leuchtendes Vorbild sein“, sagte der 37-Jährige in einem Redaktionsgespräch der Nachrichtenagentur dpa.

Wie bei den Spaniern hat auch für Tuchel die Nachwuchsarbeit höchste Priorität: “50 Prozent des Kaders muss aus dem eigenen Internat kommen. Egal, wer gerade Trainer ist“, betonte er. “Die Identität des Clubs ist wichtiger als die handelnden Personen.“

Punktprämien: Was die 18 Bundesligisten kassieren

Wie sind eigentlich die Punkte-Prämien in der Bundesliga geregelt? Welches Team bekommt wieviel Geld? Die "Sport-Bild" hat die Prämienregelungen der 18 Bundesliga-Vereine veröffentlicht. Sehen Sie selbst, wer wann und wie abkassiert. © 
FC St. Pauli: Die Kiez-Kicker bekommen individuelle Punkt-Einsatz-Prämien. Im Schnitt sollen die Prämien bei 3.000 Euro pro Punkt liegen. © Getty
1. FC Kaiserslautern: Alle Prämien sind individuell in den Spielerverträgen geregelt. Bei Sonderprämien verhandelt der Mannschaftsrat. © Getty
1. FC Nürnberg: Die indivduellen Punkt-Prämien beim Club sollen zwischen 2.000 und 6.000 Euro liegen. Um in den Genuss einer Prämie zu kommen, muss ein Spieler aber mindestens 20 Minuten gespielt haben. © Getty
Hannover 96: Maximal 75 Prozent des Jahressalärs sind fix. Der Rest wird über eine individuelle Punkt-Einsatz-Prämie geregelt. Pro Zähler sind das zwischen 3.500 und 7.500 Euro. © Getty
SC Freiburg: Alle eingesetzten Spieler kassieren bei Punktgewinn und bei Sieg. Sonderprämien sind individuell geregelt. © Getty
1. FC Köln: Auch hier sind individuelle Prämien die Regel. Nur wer bei erfolgreichen Spielen auch eingesetzt wird, der darf auch kassieren. © Getty
Borussia Mönchengladbach: Das Gehalt ist an die Anzahl der Einsätze und die Zahl der erreichten Punkte gekoppelt. Verhältnis: Das Grundgehalt macht 60 Prozent aus, die restlichen 40 Prozent sind variabel. © Getty
1899 Hoffenheim: Für einen Sieg gibt es pro Mann etwa 3.000 Euro. Hinzu kommen individuelle Prämien. © Getty
Eintracht Frankfurt: Vom Einkommen sind nur 50 Prozent fix, der Rest setzt sich aus Prämien zusammen. Die kompletten Prämien gibt es aber nur dann, wenn die Mannschaft in der Saison 45 Punkte erreicht. © Getty
FSV Mainz 05: Die Mainzer kassieren pro Punkt zwischen 3.000 und 6.000 Euro. So kommt es, dass den Klub ein Punktgewinn in der Bundesliga 83.000 Euro kostet, da auch der Trainerstab und die Betreuer berücksichtigt werden. © Getty
VfL Wolfsburg: Beim VfL wurde die individuelle Punkt-Einsatz-Prämie eingeführt, damit die Spieler nicht 100 Prozent des Gehalts garantiert bekommen. Bis zu 9.000 Euro werden pro Punkt bezahlt. © Getty
Hamburger SV: Die Punkt-Prämien sind individuell geklärt. Angeblich sollen Top-Spieler wie Mladen Petric 11.000 Euro pro Punkt kassieren. © Getty
VfB Stuttgart: Der Klub zahlt lediglich Einsatz-Prämien. Punktprämien werden nur dann ausbezahlt, wenn die Mannschaft die Europa-League-Qualifikation erreicht. © Getty
Borussia Dortmund: Es gibt individuelle Punkt-Einsatz-Prämien beim BVB. Für den Fall der Meisterschaft hat der Mannschaftsrat eine Prämie von einer Million Euro ausbezahlt. © Getty
Bayer Leverkusen: Die Spieler haben individuelle Punkt-Prämien in ihren Verträgen. Sonder-Prämien werden erst am Saisonende verhandelt. © Getty
Werder Bremen: Die Bremer sollen an Punkt-Einsatzprämien bis zu 13.500 Euro kassieren. Wenn die Champions League erreicht wurde, gab es zuletzt noch für jeden Zähler 1.300 Euro nachträglich. © Getty
FC Schalke 04: Fast alle Spieler haben eine Meister-Klausel in ihrem Vertrag. Sollten andere Ziele erreicht werden, werden die Spieler anteilig bezahlt. © Getty
FC Bayern München: Der Mannschaftsrat der Bayern soll eine Meisterschaftsprämie verhandeln, die bis zu 250.000 Euro pro Spieler betragen kann. Auf den ersten beiden Plätzen stehend gibt es zudem 5.000 Euro pro Punkt. Darunter nichts mehr, wie Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge dem "Kicker" sagte. "Prämien werden nur dann bezahlt, wenn wir Meister oder Zweiter geworden sind". © Getty

Tuchels ehrgeiziges Ziel: “Wir wollen in Deutschland die Adresse werden für Nachwuchsspieler bis 23 Jahre“, heißt seine klare Ansage. “Mainz hat ein in Deutschland herausragendes Nachwuchszentrum. Das wollen wir für unsere ureigensten Zwecke nutzen.“

Gleichzeitig will der 37-Jährige aber auch, dass sich Mainz 05 als Marke in Deutschland etabliert. “Grundsätzlich haben wir das große Glück, dass wir für eine ganz bestimmte Art Fußball zu spielen wahrgenommen werden.“ Der 05-Trainer fordert von seiner Mannschaft, dass “es für uns nicht uncool wird, immer an die Grenzen zu gehen.“

“Ich glaube, dass ich so lange da sein werde und da sein will, solange ich das Gefühl habe, wir entwickeln uns alle weiter. So lange diese Arbeitszufriedenheit da ist. Ich weiß sehr genau, wie gut es mir auch geht, wie sicher ich mich gerade fühle in diesem Umfeld.“

Im ungewöhnlichen Saisonverlauf mit dem Schwächeln der Favoriten und dem Aufmucken der vermeintlich Kleinen sieht sich Tuchel bestätigt. “Die Kleinen akzeptieren von Haus aus die Rolle nicht mehr. Sie spekulieren, dass der Gegner vielleicht nicht immer an die Topleistung herankommt. Vielleicht herrscht in diesen Vereinen von Grund auf eine höhere Bereitschaft, gemeinsam für eine Philosophie einzustehen, gemeinsam für einen Stil und vielleicht ein Stück demütiger oder disziplinierter am eigenen Stil zu bleiben.“

An Punkten will Tuchel seine Mainzer auch in der Rückrunde nicht messen lassen. “Allein von der wirtschaftlichen Kraft ist es immer möglich, dass Mainz noch mal absteigt“, sagte der Trainer, der seinen Club aber mittelfristig als festen Bestandteil der Bundesliga sieht.

“In der Winterpause werden wir die Vorrunde analysieren und neue Leistungskriterien vorstellen. An diesen werden wir uns weiter messen lassen.“ Seine Art werde sich nicht ändern. Dazu zähle der von ihm kreierte “Matchplan“, wie seine Mannschaft ein Spiel angehen soll. Und zu Tuchels Stil gehört auch sein emotionaler Auftritt an der Seitenlinie - er selbst sieht in seiner auffälligen Gestik keinen Unterschied zu früher. “Das hat eher mit der gestiegenen Aufmerksamkeit zu tun.“

dpa

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