„Fassungslos und total enttäuscht“

Streit um Freispruch eskaliert: Guardiola „wie Donald Trump“ - Hat ManCity die UEFA eingeschüchtert?

Manchester City darf nun doch die nächste Saison Champions League spielen. Ist die UEFA vor dem Druck eingeknickt?
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Manchester City darf nun doch die nächste Saison Champions League spielen. Ist die UEFA vor dem Druck eingeknickt?

Manchester City darf im Europacup spielen - und der Profifußball hat wieder ein Stück Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ein Finanzexperte hat einen schlimmen Verdacht.

  • Die Europapokalsperre für Manchester City wurde vom Sportgerichtshof CAS kassiert.
  • Das Entsetzen über dieses Urteil ist groß - und führt das Financial Fairplay ad absurdum.
  • Mehr zu diesem Thema gibt es in unserer App.

Manchester - Im Rennen um die englische Meisterschaft musste Manchester City heuer dem FC Liverpool den Vortritt lassen, das wichtigste Duell des Jahres hat der Klub von Pep Guardiola aber für sich entschieden. Am Montag war die zweijährige  Europapokalsperre gegen die Engländer vom Internationalen Sportgerichtshof CAS kassiert worden. Der Jubel in Manchester war groß, andernorts rührt sich der Widerstand gegen die Entscheidung – teils mit schweren Vorwürfen. Nun wird Lionel Messi gar mit einem Wechsel zu ManCity in Verbindung gebracht.

Christian Müller ist Finanzexperte, war als solcher lange Jahre in geschäftsführender Position für die DFL tätig. Er hatte wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung des Financial Fairplay (FFP) der UEFA. Müller schimpfte nach dem Quasi-Freispruch von City in der ARD: „Ich bin wirklich fassungslos und total enttäuscht. Es ist eine Katastrophe, das Waterloo für die Sportregelwerke. Eine Strafe von zehn Millionen Euro ist einfach eine Lachnummer, das hätte man sich auch sparen können.“

Manchester City: Freispruch statt Sperre - FFP „tot oder im Koma“

Hintergrund: Laut FFP darf ein Klub, der sich für die Champions oder Europa League qualifiziert hat, in einem Bewertungszeitraum von drei Jahren nur fünf Millionen Euro mehr ausgeben, als er einnimmt. Manchester City wirft seit Übernahme durch Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan im Jahr 2008 mit Kohle allerdings nur so um sich. Die Bilanz ist tiefrot, ausgeglichen wurde sie – das belegen Football-Leaks-Dokumente – durch den Klubbesitzer. Weil das aber nur bis zu einer Summe von 30 Millionen erlaubt ist, sollen die Gelder von Scheich Mansour kurzerhand als Sponsoreneinnahmen aus Abu Dhabi deklariert worden sein. In der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate herrscht die Familie des City-Besitzers.

Die Vergehen konnte die UEFA dem Guardiola-Klub aus der Premier League allerdings nicht ausreichend nachweisen. Am Ende muss City zehn Millionen Euro Strafe zahlen – für fehlende Kooperationsbereitschaft. Eine Farce! Müller hat einen schlimmen Verdacht, wie es dazu kam. Er hat nach eigener Aussage „aus dem Hause der UEFA oder des europäischen Fußballs in Nyon“, gehört, dass ein „unglaublich hoher Druck aufgebaut wurde von Manchester City und dass die Anwälte wirklich bis an die Zähne bewaffnet aggressiv aufgetreten sind“. Es hätten „Einschüchterungsversuche“ stattgefunden. Sportrechts-Experte Antoine Duval erklärte, das Financial Fairplay scheine „tot oder im Koma zu sein“.

Pep Guardiola der Donald Trump von Manchester? „Hört auf, zu tuscheln“

Ex-Bayern-Coach Guardiola sieht sich und den Klub aus dem Etihad Stadium derweil als Opfer. Der Katalane: „Man sollte sich bei uns entschuldigen. Was wir getan haben, war richtig. Wir wurden nicht gesperrt, weil wir die Regeln des Financial Fairplay befolgt haben.“ In Richtung der vielen Kritiker erklärte er: „Hört auf, hinter unserem Rücken zu tuscheln – kommt auf den Platz!“ Und weiter: „Sie haben abseits des Platzes verloren. Jetzt müssen sie uns auf dem Platz besiegen, das ist Sport.“ Finanzexperte Müller kritisierte Guardiola daraufhin hart. Der Ex-DFL-Mann: „Das erinnert mich so ein bisschen an das Verhalten von Donald Trump, der brachiales Unrecht begeht und dann noch Twittermeldungen hinterherschießt, die die Menschen zur Verzweiflung bringen.“ Ungeachtet dessen beginnen in Manchester die Planungen für die nächste Transferoffensive. Im Champions-League-Halbfinale trifft man nun auf Lyon.

ManCity-Eigner: Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan.

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