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Manni Bender im Interview über die Münchner Vereine: „Brazzo muss liefern“

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Von: Ludwig Krammer

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Der ehemalige Profi Manfred „Manni“ Bender sitzt beim Testspiel zwischen 1860 München und Austria Klagenfurt auf der Tribüne.
Kennt den Münchner Fußball wie kaum ein Zweiter. Manfred „Manni“ Bender war als Spieler für alle drei großen Vereine in der Landeshauptstadt aktiv. © MIS/imago-images

Manfred Bender spielte als Profi für Unterhaching, den FC Bayern und den TSV 1860. Im Interview wirft der Münchner Kenner einen Blick auf die zurückliegende Saison.

München - Haching, Bayern, Sechzig – Manfred „Manni“ Bender hat für alle drei Münchner Profiklubs gespielt. Aktuell hat der 55-Jährige den Podcast „Rückblick mit Weitblick“ am Start, in dem er 14-täglich Sportprominenz von Horst Heldt bis Felix Neureuther begrüßt. In unserem Interview zieht Bender eine Saisonbilanz mit Fokus auf München. Und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Manni Bender im Interview: Geldsegen für Unterhaching - Aufstiegsanwärter in der nächsten Saison

Herr Bender, ein kurzer Überblick zum Einstieg: Welcher Münchner Verein hat seine Saisonziele erreicht?

Manfred Bender: Wenn man’s genau nimmt, gar keiner. Sechzig und Bayern haben ihre Minimalziele erreicht, die Pokal-Qualifikation und die Meisterschaft, bei Haching ist nach dem Abstieg zumindest eine Basis da, von der es wieder aufwärts gehen kann. Aber auch dort werden sie zu Saisonbeginn nach der Verpflichtung von Sandro Wagner als Trainer mit einem Auge nach oben geschielt haben.

Immerhin konnte Hachings Präsident Manni Schwabl die spektakulärste Transferbeteiligung verzeichnen.

Ja, der Adeyemi-Weiterverkauf von Salzburg nach Dortmund hat ordentlich Geld in die Kassen gespült. Mit sieben Millionen Euro lässt sich in der Regionalliga schon was anfangen, auch wenn nur ein Teil davon in die erste Mannschaft fließt. In der neuen Saison wird Haching zwangsläufig zu den Aufstiegsanwärtern gezählt werden. Dass sie das Hauptaugenmerk auf die Nachwuchsarbeit legen, ist der einzig richtige Weg. Da sind ja schon wieder einige Talente auf dem Sprung.

FC Bayern: Ex-Profi Manni Bender: „Brazzo muss jetzt abliefern“

Der FC Bayern gibt transfertechnisch aktuell nicht die allerglücklichste Figur ab. Wie sehen Sie’s?

Der Brazzo hat sicherlich noch einiges an Arbeit vor sich. Er muss jetzt abliefern, an dieser Transferperiode wird er gemessen werden. Schließlich läuft auch sein Vertrag 2023 aus.

Uli Hoeneß versucht ihn aus der Schusslinie zu nehmen.

Das ist ja nichts Neues. Dem Uli wird das ganze Theater einfach zu viel. Und er hat ja auch recht, dass da viel zusammengemischt wird zurzeit. Nüchtern betrachtet muss aber auch er einräumen, dass diese Saison nur mittelmäßig gelaufen ist für Bayern-Ansprüche. In der Meisterschaft haben sie in der Rückrunde einige Male die Tür aufgemacht für Dortmund, im Pokal haben sie sich von Gladbach abschießen lassen, in der Champions League sind sie verdient ausgeschieden – gegen Villarreal, eine Mannschaft, die einen Bruchteil des Bayern-Marktwerts hat.

Manni Bender über die Saison des FC Bayern: Zu große Schwankungen und „hausgemachte Störfeuer“

Sind die langwierigen Verletzungen von Davies und Goretzka eine Erklärung für den Leistungsabfall 2022?

Ein kleiner Faktor war das sicherlich, aber dazu kamen die großen Schwankungen bei Leuten wie Sané oder Gnabry. Und viele Störfeuer waren hausgemacht.

Zum Beispiel?

Die Lewandowski-Geschichte. Es ist halt schwierig, wenn du mit ihm und Haaland zweigleisig fahren willst und am Ende überboten wirst. Das Ergebnis haben sie jetzt: Einen Lewandowski, der weg will, aber nicht darf. Ich bin gespannt, wie das weitergeht. Kommunikativ scheint da doch einiges im Argen zu liegen.

Ist Oliver Kahn als Vorstandschef zu wenig Team­player?

Wenn du 30 Jahre lang als Einzelkämpfer unterwegs bist, dann tust du dich als Teamplayer natürlich nicht leicht. Empathie und Charisma lassen sich schwer lernen. Mir fehlt das sprichwörtliche „Mia san Mia“, das Bayern über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. Auch bei Brazzo hab ich ständig das Gefühl, dass er sich rauswinden will. Souverän wirkt das alles nicht.

Manni Bender im Interview: Das Ziel für den TSV 1860 „kann nur der Aufstieg sein“

Womit wir beim TSV 1860 wären.

Ich war am Samstag gegen Dortmund II im Stadion und beeindruckt von der Atmosphäre. Was da los wäre, wenn sie tatsächlich mal in die 2. Liga aufsteigen sollten… Leider haben sie das Geschenk der Türkgücü-Insolvenz nicht angenommen. In den Spielen gegen die direkte Konkurrenz waren es unterm Strich zu wenig Punkte, um ganz vorne reinzurutschen. Und die schwache Hinrunde ist ihnen natürlich nachgehängt.

Was fehlt den Löwen zum großen Wurf?

Zwei, drei abgezockte Unterschiedsspieler. Leute wie Salger, Neudecker und auch Lex hatten einfach zu große Formschwankungen.

Ziel in der neuen Saison…

Bender: …kann nur der Aufstieg sein. Mit dem Druck müssen sie klarkommen. Wenn Köllner seine Wunschspieler bekommt, dann gibt es keine Ausreden mehr.

Interview: Ludwig Krammer

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