Torhüter

Marc-André ter Stegen darf sich gegen Argentinien beweisen

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Will das Spiel gegen Argentinien genießen: Ein sichtlich entspannter Marc André ter Stegen.

Marc-André ter Stegen darf sich im Testspiel Deutschland gegen Argentinien zeigen. Seinen Anspruch auf einen Stammplatz formuliert er bescheiden.

Es gab Zeiten, da hat Marc-André ter Stegen öffentliche Auftritte nicht so gelassen gemeistert wie am Dienstag die Pressekonferenz vor dem Länderspiel zwischen Deutschland und Argentinien. Ein kurzer Blick auf dem ausgeleuchteten Podium im Dortmunder Fußballmuseum genügte dem gebürtigen Gladbacher, um sich auch hier so gut zu orientieren wie in den größten Fußballstadien. Der Ballfänger wirkte fast so instinktsicher wie an seinem eigentlichen Arbeitsplatz. Mit seiner stoischen Gelassenheit könnte der gebürtige Gladbacher vermutlich auch einen Hort aufgeregter Kinder beruhigen.

Am Tag vor seinem 23. Länderspiel spielte ter Stegen das Gezeter ums deutsche Heiligtum mit Manuel Neuer herunter. „Wir sind im Leistungssport. Jeder möchte spielen.“ Er freue sich auf die Bewährungschance, zumal der Schauplatz eine schöne Erinnerung weckt: Vor drei Wochen hatte der 27-Jährige im Dortmunder Stimmungstempel dem FC Barcelona die Nullnummer gerettet – der abgewehrte Elfmeter gegen Nationalmannschaftskollege Marco Reus war die Krönung einer Weltklasseleistung. Damals wie heute werden Verwandte, Angehörige und Freunde vor Ort sein, erzählte ter Stegen. „Darüber freue ich mich natürlich.“ Aber mehr unter Druck gesetzt fühle er sich nicht.

Marc-André ter Stegen in Barcelona als „Messi mit Handschuhen“ verehrt

Sein Reifeprozess ist beachtlich. Mit 18 Jahren hat er den Abstiegskampf mit seinem Heimatverein Mönchengladbach bestanden, mit 22 ist er nach Barcelona gewechselt, um bald als „Messi mit Handschuhen“ verehrt zu werden. Da hat einer seine Karriere aufs oberste Level gesteuert. Sind seine Ansprüche nicht legitim, zumal sich der geschmeidige Keeper als zuverlässiger Rückhalt beim Confed-Cup-Sieg 2017 erwies? Sein Verhältnis zu Neuer sei „professionell“ versicherte der Herausforderer nun und erläuterte: „Professionalität heißt auch, dass man sich gegenüber dem anderen gut verhält. Wir haben keine großartigen Aussetzer. Wir werden uns unterstützen, egal, in welcher Konstellation.“ Gleichwohl müsse man auch seine Einzelinteressen verstehen: „Jeder hat persönliche Ziele.“

Ihm war eine einzige Halbzeit in einem recht freudlosen Freundschaftsspiel gegen Serbien (1:1) in den zurückliegenden zwölf Monaten ein bisschen wenig. Und seinen Unmut über die Nicht-Nominierung gegen Nordirland drückte der ehrgeizige Blondschopf („harter Schlag für mich“) in der Wahlheimat aus. Woraufhin Neuer verärgert mehr Unterstützung einforderte. Ter Stegen legte einen Tag vor dem Champions-League-Spiel in Dortmund nach („Seine Aussagen sind unpassend“). Neuer war danach so klug, auf weitere Konter zu verzichten.

Alles hätte sich schnell beruhigt, wenn nicht die Bosse vom FC Bayern das ganz große Schwert herausgeholt hätten. Präsident Uli Hoeneß wetterte in einem Rundumschlag gegen Verband und Medien („Ter Stegen hat überhaupt keinen Anspruch. Neuer wird immer der Beste sein“) und drohte in der Erregung gar mit einem Boykott der Münchner Spieler für die Nationalmannschaft. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bemängelte, es werde „nie so richtig Klartext“ gesprochen. Hatten beide vergessen, wie lange Joachim Löw für seine monatelang verletzte Nummer eins die Tür zur WM 2018 offen gehalten hatte?

Marc-André ter Stegen: „Es ist sicher ein Wort zu viel gefallen“

Ter Stegen sagte lapidar, es sei sicher „ein Wort zu viel“ gefallen, ging ansonsten auf diese Verbalinjurien nicht weiter ein. „Ich beschäftige mich nicht mit solchen Aussagen.“ Ter Stegen weiß inzwischen, dass der Bundestrainer zur EM 2020 fest mit dem 33 Jahre alten Kapitän plant, der zur alten Form zurückgefunden hat. Verbales Vorpreschen bringt da wenig. „Keiner weiß, was in einem Dreivierteljahr passiert“, redete sich ter Stegen öffentlich zu, der kein Gespräch mit Neuer geführt hat. „Es gibt keine Diskussion, keinen Streit, keinen Moment, wo wir sagen: Wir müssen unbedingt sprechen.“ Zu gering der Klärungsbedarf?

Argentinien:  Jünger, unbekannter, hungriger - auch besser?

Wenig Interesse an einer Aussprache sieht auch der Bundestrainer. „Ich habe alle Hände voll zu tun. Ich sehe keine Veranlassung, das zu tun“, rief Löw aus, der auch „keine grundsätzliche Problematik“ erkennen mag: Denn: Er beobachte seit Jahren ein „respektvolles Miteinander, einen gesunden Konkurrenzkampf.“ Ungewohnt deutlich sagte der 59-Jährige: „Für mich ist das das allerkleinste Problem. Das ist überhaupt keine Baustelle.“ Es gelte weiter das Versprechen, dass beide Torhüter in dem Zeitraum bis 2020 „ihre Spiele bekommen.“ Von ter Stegen erwartet Löw nur, „dass er einfach das zeigt, was er kann“. Und den Ruhepol gibt. Im Dortmunder Fußballmuseum ist das schon mal gut gelungen.

Von Frank Hellmann

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