Transfers immer komplizierter

Martinez: Wie solche Deals ablaufen

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Matthias Sammer, Javi Martinez und Jupp Heynckes (v.l.)

München - Transfers von Fußballern werden immer komplizierter und komplexer. Das Gezerre um 40-Millionen-Euro-Mann Javier Martinez war dafür ein Paradebeispiel.

Früher reichte ein Handschlag „unter Männern“, heutzutage haben bei Spielertransfers meist Anwälte das letzte Wort. Das undurchsichtige Tauziehen um Javi Martinez und das komplizierte Ringen um Rafael van der Vaart verdeutlichen vor allem eins: Bei Spielerwechseln im Millionengeschäft Profifußball wollen immer mehr Parteien immer mehr verdienen. Und in der Zukunft könnte es noch schlimmer werden.

„Die Tendenz ist, dass wir nicht mehr mit den Eltern und dem Spieler zusammensitzen, sondern mit Beratern und Juristen. Ich habe den Job schon in den 80er Jahren gemacht, da ging noch viel über den kurzen Dienstweg“, sagte Heribert Bruchhagen, langjähriger Bundesligamanager und jetzige Vorstandschef von Eintracht Frankfurt, dem SID.

Doch diese Entwicklung habe nicht nur negative Seiten, betonte Bruchhagen: „Es ist aber schon ganz gut, dass die Entscheidung nicht mehr auf den Schultern eines Einzelnen liegt. Gerade bei den Millionentransfers von heute kann man das einfach nicht mehr bei einem guten Glas Wein besprechen.“

Vor allem klamme Vereine versuchen, mit einer Vielzahl von juristischen Mitteln finanzielle Verluste auszuschließen. Als „wertsteigerndes Ausleihe- und Beteiligungsmodell“ betitelte der Zweitligist 1. FC Köln beispielsweise sein Transferkonstrukt mit Innenverteidiger Geromel.

Für drei Jahre wird der Portugiese an Real Mallorca ausgeliehen, allerdings nicht ohne Klauseln: Jedes Jahr können die Rheinländer Geromel zurückholen oder an jeden interessierten Klub verkaufen. Zudem sollen sie zur Risikominimierung 40 Prozent der zukünftigen Transfereinnahmen an Geromels Berateragentur abgetreten haben. Klauseln, dass bei bestimmten Erfolgen zusätzliche Summen fällig werden, sind dagegen fast schon normal.

Aber auch beim Kauf von Spielern gehen die Vereine mittlerweile andere Wege als früher und finanzieren Neuzugänge mit fremden Geld - natürlich nur gegen eine Gegenleistung. Wie der HSV bei einem möglichen Deal mit „Heilsbringer“ Rafael van der Vaart.

Die notwendigen Transfermillionen könnten dabei vom Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne kommen. Der hatte bereits vor einigen Jahren dem Verein im Tausch mit Anteilen an Transferbeteiligungen Geld geliehen. Sehr zum Unmut der Hamburger Fans, die zuviel Einflussnahme des Investors fürchten.

Doch auch Spieler sind manchmal Leidtragende der Entwicklungen. So soll die Karriere des argentinischen Stürmerstars Carlos Tevez lange Zeit durch Investoren und nicht durch ihn selbst bestimmt worden sein. Diese sollen lange Jahre die wirtschaftlichen Rechte an Tevez besessen haben. Im Schnitt alle zwei Jahre wechselte er seinen Verein - mit Rendite für die „Besitzer“.

Dabei könnte alles in Zukunft sogar noch verworrener werden. Ab der kommenden Saison tritt das von der UEFA eingeführte Financial Fair Play in Kraft, nach dem die Vereine nicht mehr über ihre finanzielle Verhältnisse leben dürfen. Schon jetzt suchen die Vereine Schlupflöcher, um die Zahlung von Millionensummen zu verschleiern.

So berichtete das Handelsblatt von einem fast schon undurchschaubaren Konstrukt des hochverschuldeten spanischen Erstligisten Real Saragossa. Obwohl im Insolvenzverfahren befindlich, verpflichtete der Verein für acht Millionen Euro einen neuen Torwart, zahlte offiziell aber nur 86.000 Euro. Den Rest soll ein auf der Steueroase Jersey angesiedelter Investor bezahlt haben. Angebliche Mitwirkende: Der Vereinspräsident und ein Spielerberater...

sid

Martinez-Transfer: Das sagen Kroos, Lahm & Co.

Martin Bader (Sportvorstand 1. FC Nürnberg): „Das ist doppelt so viel Geld wie der Profi-Etat des 1. FC Nürnberg. Aber Bayern München hat sich das erarbeitet, da kann man nur gratulieren.“ © dpa/sid
Oliver Bierhoff (Teammanager der Nationalmannschaft): „Man hört nur Gutes über ihn. Ich finde es klasse, dass die Bayern mal nicht einen Ausläufer kaufen - was ja häufiger vorkam -, einen 30-Jährigen oder 32-Jährigen, der bei anderen Topvereinen nicht mehr gebraucht wird, sondern einen Spieler, der noch eine große Zukunft vor sich hat.“ © dpa/sid
Paul Breitner (Berater des FC Bayern): „Für mich ist mit Ausnahme von Messi, Xavi und Iniesta kein Spieler 40 Millionen wert. Aber: Er ist ein Spieler, den ich seit drei, vier Jahren sehr intensiv kenne. Und wenn ich hinter Xavi und Iniesta den Besten haben will, und der spielt eben in Bilbao, dann musst du zugreifen.“ © dpa/sid
Vicente del Bosque (spanischer Nationaltrainer): „Bayern wird viel Freude an ihm haben. Er ist ein Super-Spieler und großartiger Mensch. Er ist der geborene Anführer, ein kompletter Spieler. Er hat quasi das komplette Spielfeld im Auge. Da kann man Bayern nur gratulieren.“ © getty/sid
Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer Leverkusen): „Ich habe das Gefühl, dass bei den Bayern die Nerven blank liegen. Sie versuchen, sich die Siegermentalität zurückzukaufen.“ © getty/sid
Oliver Kahn (Ehemaliger Bayern-Kapitän): „Er ist ein sehr variabler Spieler, der mir bislang aber nicht groß aufgefallen ist. Ich habe das Gefühl, dass Bayern sich besonders unter Druck gesetzt fühlt, groß anzugreifen, um die Jahre der zweiten Plätze vergessen zu machen.“ © getty/sid
Martin Kind (Präsident Hannover 96): „Bayern München ist die einzige internationale Marke der Bundesliga, und da müssen sie sich mit dem internationalen Transfermarkt messen. Da scheinen solche Preise normal zu sein.“ © getty/sid
Toni Kroos (Bayern-Profi): „Wenn man 40 Millionen Euro ausgibt, heißt das, dass das ein Top-Spieler sein soll. Und Top-Spieler können wir immer gut gebrauchen.“ © dpa/sid
Philipp Lahm (Bayern-Kapitän): „Er ist ein exzellenter Fußballer. Gute Spieler sind bei uns immer willkommen.“ © getty/sid
Udo Lattek (Früherer Bayern-Trainer): „Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Das ist ein großes Risiko. Man muss abwarten, wie die Mannschaft ihn annimmt, ob sie ihn akzeptiert. Der wird erst getestet, ob er wirklich was kann.“ © dpa/sid
Bernd Schuster (Früherer Trainer von Real Madrid): „Er ist ein Spieler, der bei Bayern ohne Probleme reinpasst und seinen Weg machen kann, aber mit der Last der 40 Millionen Euro muss man zurechtkommen. Diese Summe ist gnadenlos.“ © dpa/sid
Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): „Ich finde es gut, dass ein spanischer Nationalspieler in die Bundesliga kommt, das tut der Liga gut. 40 Millionen ist ein stolzer Preis, es gibt nicht viele Vereine, die sich das leisten können, aber die Bayern haben sich das hart erarbeitet.“ © dpa/sid
Michael Zorc (Manager Borussia Dortmund): „Mir steht es nicht zu, die Personalpolitik von Bayern München zu kommentieren. Es ist natürlich sehr viel Geld. Einen Transfer von 40 Millionen Euro zu Borussia Dortmund sehe ich nicht heute - und auch nicht in den nächsten Jahren.“ © dpa/sid
Fredi Bobic (Sportdirektor des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart): "Für die Liga ist dieser Transfer sehr gut", sagte Bobic im Interview mit Sky Sport News HD: "Er ist ein sehr guter Spieler. Man wird sehen, was er in der Bundesliga reißen kann. Aber das ist ein Problem des FC Bayern und nicht des VfB Stuttgart" © dpa

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