Mateschitz-Matchwort - Verwirrung um Pacult

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Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz traf sich am vergangenen Donnerstag mit Peter Pacult

Salzburg/Leipzig - Seit Freitag überschlagen sich in der Fußball-Abteilung von Red Bull die Ereignisse - Chaos und wilde Spekulationen prägen nach einem Mateschitz-Machtwort das Bild.

Der Stevens-Rauswurf in Salzburg hat beim Fußball-Viertligisten RB Leipzig wirre Personalgerüchte ausgelöst. Der mit reichlich Wiener Schmäh ausgestattete Peter Pacult soll ab Sommer mit seiner Schlitzohrigkeit den ambitionierten Sachsen-Club neu beflügeln und die RasenBallsportler statt Tomas Oral in Richtung Bundesliga führen. Das berichtete jedenfalls die “Leipziger Volkszeitung“ am Samstag in ihrer Online-Ausgabe.

Wer und was ist Red Bull? Und ist wirklich Stierhoden-Extrakt drin?

Red Bull ist in vieler Munde, nicht nur wegen Sebastian Vettel. Wir beantworten die 13 wichtigsten Fragen. © Getty
Wer ist Red Bull? Ein Unternehmen mit 6900 Mitarbeitern weltweit. Die Red-Bull-Zentrale liegt in Fuschl am See bei Salzburg.  © dpa
Wem gehört Red Bull? Zu 49 Prozent dem Österreicher Dietrich Mateschitz (66). Er steht laut Forbes-Magazin auf Platz 260 der Liste der der reichsten Männer der Welt. Die anderen Anteile gehören thailändischen Partnern. © dpa
Wer ist Dietrich Mateschitz? Ein Unternehmer, der in schwierigen Verhältnissen ohne Vater in der Steiermark auf wuchs. Er absolvierte in Wien die Hochschule für Welthandel. Danach arbeitete er für Jacobs Kaffee und den Zahnpastahersteller Blendax. © dpa
Womit wurde er reich? Mit dem Drink Red Bull. © dpa
Wie erfand Dietrich Mateschitz den Energiedrink? 1982 lernte Dietrich Mateschitz auf einer Dienstreise die in Asien populären „Tonic Drinks“ kennen. In der Bar des Mandarin Hotels von Hongkong hatte er die Idee, Energy Drinks auch in Europa auf den Markt zu bringen, was er zusammen mit thailändischen Partnern auch tat. © dpa
Was ist Red Bull? Ein Energie-Drink. Er enthält das Kohlenhydrat Glucuronolacton. Dieser Stoff unterstützt den Körper beim Abbau von Abfallstoffen. Weiterer Bestandteil ist Taurin, eine Aminosäure. Weiters enthält Red Bull unter anderem Koffein sowie B-Komplex-Vitamine und Sucralose. © dpa
Es gibt Gerüchte, dass Taurin aus Stierhoden gewonnen wird? Nein. Das Taurin in Red Bull wird rein synthetisch hergestellt. © dpa
Wie wirkt Red Bull Energy Drink? Red Bull gilt als Muntermacher, soll unter anderem die Leistungsfähigkeit, die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit erhöhen. © dpa
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Wie werden die Zutaten für Red Bull Energy Drink hergestellt? Woher kommen sie? Sämtliche für Red Bull Energy Drink verwendeten Zutaten werden synthetisch hergestellt, die meisten von Pharmaunternehmen. © dpa
Seit wann gibt es Red Bull? 1984 gründete Mateschitz die Firma Red Bull. Nach der Verfeinerung der Rezeptur und der Entwicklung eines Marketingkonzepts wurde es 1987 im österreichischen Markt eingeführt. Während sich der Absatz in Österreich von Jahr zu Jahr verdoppelte, landete Red Bull in den ersten Auslandsmärkten: 1989 in Singapur und 1992 in Ungarn. 1994 kam die Zulassung für Deutschland, 1995 folgte die Einführung in Großbritannien und 1997 startete das USA-Geschäft in Kalifornien. © dpa
Was ist das Erfolgsgeheimnis? Mit einem konsequenten Dosendesign, ausgefallenen Werbestrategien und der Kampagne „Red Bull verleiht Flügel“ erreichte der Drink vor allem bei jungen Menschen rasch Kultstatus. © dpa
Wie viele Dosen Red Bull werden jedes Jahr verkauft? Heute werden in 160 Ländern pro Jahr ca. 4 Milliarden Dosen Red Bull verkauft. © dpa
Was gehört zum Imperium von Dietrich Mateschitz? Er besitzt rund zwei Dutztend Unternehmen: Restaurants, Baufirmen, eine Formel-1-Rennstrecke, einen Flugplatz sowie Hotels. Privat gehört ihm auch ein Militärjet sowie die ehemalige DC 6 von Marschall Tito. Ein Teil der Markenstrategie des Österreichers ist außerdem das Sponsoring von Trend-, Event-, aber auch Rennsportarten. Mateschitz besitzt zwei Auto-Rennställe, darunter das Formel-1-Team mit Sebastian Vettel. © dpa

Branchenüblich dementierte Pacult zunächst, ehe Rapid-Manager Werner Kuhn betonte: “Er hat noch ein Jahr Vertrag, mit uns hat niemand gesprochen.“ Doch auch die Medien im Alpenland sehen den Rapid-Trainer zur neuen Saison auf der Red Bull-Trainerbank - allerdings eher in Salzburg, wo der ehemalige Hamburger Technik-Trainer Ricardo Moniz jetzt als Interimscoach tätig ist.

Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz traf sich am vergangenen Donnerstag mit Pacult, Österreichs ehemaligem Kanzler Franz Vranitzky und Unternehmer Hans Schmid im Nobelrestaurant “Pfarrwirt“ in Grinzing bei Wien. 24 Stunden später entließ der Brause-Milliardär mit Huub Stevens erstmals in der sechsjährigen Red Bull-Ära einen Trainer vor Ablauf seines Vertrages. Auch Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer musste gehen, der immerhin die Verantwortung für die Clubs in New York, São Paulo und Sogakope/Ghana hatte. Zudem ist er in Leipzig Vorstandsvorsitzender. Von diesem Amt kann er zurücktreten, was in dieser Woche erwartet wird, oder er muss vom Ehrenrat abgewählt werden. Beiersdorfer selbst war nicht erreichbar.

Pacult war am Freitag bei der Rapid-Pressekonferenz schwer genervt von den Fragen der Medien. “Ich bin mit Herrn Vranitzy, Frau Vranitzky, Herrn Mateschitz, Herrn Schmid und Rainer Husar an einem Tisch gesessen. Da macht man dann Gespräche? Ich bitte Sie“, zitierte der ORF Pacult auf seiner Onlineseite. Der “Kurier“ kommentierte am Sonntag die Vorgänge ironisch: “Bei genauerem Hinsehen ist es eine Low-Budget-Produktion aus den Alpen, die in ihrer örtlichen und sportlichen Beschränktheit doppelt peinlich berührt. Der Herr der Dosen ruft, ein Holländer fliegt, der Rapid-Trainer vergreift sich in der Schublade und rechnet mit einem Ex-Clubkollegen ab.“

Der Ex-Kollege ist der gerade erst zurückgetretene Rapid- Sportdirektor Alfred Hörtnagl, der laut “Leipziger Volkszeitung“ als Beiersdorfer-Nachfolger gehandelt wird. Allerdings ließ Pacult kein gutes Haar an seinem einstigen Mitstreiter. Zwischen beiden herrschte oft “Eiszeit“. Da der einstige Stürmer und Trainer des TSV 1860 München bei Rapid noch einen Vertrag bis Sommer 2012 hat, kam es nach dem 0:2 gegen Graz zur Aussprache mit Club-Präsident Rudolf Edlinger und Generalmanager Werner Kuhn. Danach versicherte der Verein auf seiner Homepage, “dass an den Gerüchten zu einem möglichen Wechsel zu RB Leipzig absolut nichts dran“ sei.

Demnach führte Pacult in Wien mit Mateschitz und Co lediglich eine “Weinverkostung“ durch, berichtet das Boulevardblatt “Krone“. Aus dem Verhalten des 51-Jährigen ziehen Kommentatoren in Wien allerdings eindeutige Schlüsse. Nach dem 0:2 gegen Graz habe Pacult “gelöst wie selten nach einer Niederlage“ gewirkt, schreibt das Blatt weiter. Ins Leipziger Anforderungsprofil passt er mit seiner Erfahrung im Ost-Fußball allemal: Denn vor seinem Wiener Engagement trainierte er von 2005 bis 2006 Dynamo Dresden. Allerdings stieg er mit den Elbestädtern 2006 aus der 2. Bundesliga ab.

dpa

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