tz-Interview zum DFB-Mittelfeld

Matthäus: "Özil braucht die Streicheleinheiten!

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Lothar Matthäus.

München - Mesut Özil, Marco Reus, Mario Götze oder Toni Kroos? Alle vier drängen ins Zentrum – aber wer eignet sich dafür in Brasilien am besten? Die tz bat Rekordnationalspieler und Ex-Spielmacher Lothar Matthäus (53) um eine Einschätzung.

Wenn Sie Bundestrainer wären, wen würden Sie im Zentrum spielen lassen?

Matthäus: Das Schöne ist, dass Özil, Reus, Götze und Kroos alle dazu geeignet sind. Deswegen ist die Antwort sehr schwierig. Es hängt auch vom System ab. In einem 4-1-4-1-System, wie die Bayern es ja oft spielen, kann auch Schweinsteiger mit ins offensive Mittelfeld rücken. In ihm sehe ich keinen Sechser, er ist ein Achter.

Sie sind also für zwei Lenker im Zentrum?

Matthäus: Wenn der Bundestrainer Philipp Lahm ins Mittelfeld stellt, dann ja, dann reicht ein Sechser. Wenn er sich für Sami Khedira entscheidet, muss man bei seinen Fitness-Rückständen Kroos oder Schweinsteiger daneben stellen.

Marco Reus hat eine sehr starke Saison in Dortmund gespielt. Wäre es nicht logisch, ihm mehr Verantwortung zu übertragen?

Matthäus: Halt, halt. Wir sind ja hier nicht in Dortmund, sondern bei der Nationalmannschaft. Es stimmt, dass er überragend gespielt hat. Aber hier haben wir acht Weltklassespieler im offensiven Bereich. Da muss sich jeder neu beweisen.

Acht?

Matthäus: Naja, vielleicht ist das ein bisschen hochgegriffen. Aber die meisten Länder dieser Welt beneiden uns um unsere Möglichkeiten.

Warum hat Özil bei Arsenal so enttäuscht?

Matthäus: Ich sehe Özil nicht als Problemfall. Er ist kein Lautsprecher, er ist ein Sensibelchen, er braucht einen Trainer, der ihn streichelt, der ihm Vertrauen schenkt. Das hat er beim DFB. Und Sie dürfen nicht unterschätzen, Özil hat gerade mit Arsenal einen Pokal gewonnen, dieses Erfolgserlebnis hat Reus nicht und das pusht ungemein.

Özil ist kein Lautsprecher. Reus, Götze und Kroos sind das aber auch nicht. Mein Hotelwirt hier in Südtirol sagte mir: „Deutschland fehlen Typen mit Eiern. Der Matthäus hatte noch riesige Eier. Jetzt hat die keiner mehr.“ Hat er Recht?

Matthäus (lacht): Der Charakter der Mannschaft hat sich geändert. Wenn du früher bei der Nationalmannschaft dreimal den gleichen Fehler im Training gemacht hast, konntest du dir sicher sein, dass es da von den Mitspielern richtig was zu hören gab. Heute ist das anders. Die Spieler sind ruhiger. Jeder beschäftigt sich mit sich selbst. Nehmen Sie das Spiel gegen Italien vor zwei Jahren: Vielleicht gab’s da auch mal klare Ansagen, aber dann kamen die erst nach dem Spiel in der Kabine. Vorher macht da niemand den Mund auf. Das ist nicht böse gemeint, aber es ist so. Interview:

lop

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