Matthäus: Verwickelt in WM-Schwarzmarkthandel

Lothar Matthäus am Tisch in einem Hotel in Johannesburg
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Lothar Matthäus am Tisch in einem Hotel in Johannesburg

München - Schwarzmarkthandel war eines der großen Themen vor der WM 2010. Jetzt soll sich ausgerechnet Lothar Matthäus am Rande des Turniers als illegaler Ticketverkäufer betätigt haben.

Es war eines der Hauptthemen im Vorfeld der WM 2010: Wie kann der Schwarzmarkt mit Eintrittskarten unterbunden werden? Ein eigens verabschiedetes Gesetz besagte, dass Kartenverkauf ohne Genehmigung des Weltfußballverbands FIFA mit Geldstrafen von bis zu umgerechnet 20 000 Euro oder Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft werden kann. Doch ausgerechnet eine Fußball-Ikone soll sich am Rande des Turniers als illegaler Ticketverkäufer betätigt haben. Lesen Sie selbst.

Eines der gekauften Tickets

Gerd M. (Name von der Redaktion geändert) wollte seinen Freunden einen Gefallen tun. Der Kölner Spielerberater, der bereits Besitzer einer Karte für das WM-Finale zwischen Spanien und Holland war, wurde auf der Suche nach weiteren Tickets für das Endspiel inSüdafrika beim Auktionsportal Ebay fündig. Am 5. Juli um 2.54 Uhr endete die Auktion von vier Finalkarten der Preiskategorie eins. M. erhielt den Zuschlag – für 5000 Euro. Danach begann für den Kölner ein spannendes Abenteuer. Jemand meldete sich telefonisch und erklärte, M. solle den Betrag per Vorkasse auf ein deutsches Bankkonto überweisen und könne die Karten am 7. Juli im Hotel DaVinci in Johannesburg abholen. Im gleichen Atemzug kündigte der Anrufer angeblich an, die Karten seien von einem „Ex-Nationalspieler“, der fürs Fernsehen arbeite.

Doch der Käufer bestand auf einer persönlichen Übergabe des Kaufpreises und der Karten. Man verabredete sich für den 10. Juli um 13 Uhr im DaVinci-Hotel, Treffpunkt Lobby. Am Abend vor dem Treffen meldete sich wieder jemand bei M. und sprach davon, dass von den versprochenen vier Karten nur noch zwei sicher seien. Die anderen müssten vor Ort mit dem Prominenten verhandelt werden.

Kurz vor dem vereinbarten Treff am Tag vor dem WM-Finale erreichte den Kölner eine SMS mit der Aufklärung, wer denn nun hinter dem Kartenverkauf stecke. Es sei Lothar Matthäus (49). Die Handy-Nummer des Rekord-Nationalspielers gab’s gleich als Zugabe obendrauf.

Im Hotel angekommen, sah der Kölner mit seinem ihn begleitenden Bekannten, wie Matthäus mit zwei anderen Personen an einem Tisch saß. Umschläge wanderten über den Tisch, Matthäus sagte M., als der sich vorstellte, er komme gleich.

An einem Stehtisch in der Lobby soll der Deal dann über die Bühne gegangen sein, Matthäus habe zwei Final-Karten für das Soccer-City-Stadion in Johannesburg, Block 109, Reihe N, Sitz 8 und 9 präsentiert. Interessant vor allem ein Aufdruck auf den Tickets: „FIFA TV – Al Jazeera“. Offensichtlich also Karten, die dem arabischen TV-Sender zur Verfügung gestellt wurden. Matthäus war während der WM als Experte für den arabischen Sender tätig. Die Tickets hatten einen aufgedruckten Preis von 600 US-Dollar (rund 470 Euro).

M. habe für zwei Karten 19 500 südafrikanische Rand (entspricht etwa 2000 Euro) überreicht, woraufhin Matthäus 4300 weitere Rand (etwa 440 Euro) gefordert haben soll. Der Kölner wollte auch noch die beiden anderen ersteigerten Karten haben, doch für die habe der Ex-Nationalspieler nun angeblich 4000 € aufgerufen.

30 Minuten nach dem Treffen im Hotel soll der Kölner Matthäus zurückgerufen und sich nochmals über den hohen Preis beschwert haben und über die Tatsache, dass die Karten nur von der Kategorie 2 seien. Matthäus soll daraufhin eine Rücknahme der Karten gegen Rückzahlung des Geldes binnen einer Stunde angeboten haben. Dies konnte M. aber nicht realisieren, da er gerade am Flughafen angekommen war, und seine Freunde in Empfang nehmen musste.

Die tz konfrontierte Matthäus mit der Angelegenheit: Matthäus: „Das habe ich für einen Freund aus München gemacht. Ich habe ihm einen Gefallen getan. Ich habe persönlich an dem Verkauf nichts verdient.“

tg, ms

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