Experte ging im Streit

Mehmet Scholl redet Klartext über sein ARD-Aus: „Die wollten meine Eier abschneiden“

Mehmet Scholl war fast zehn Jahre Experte bei der ARD.
+
Mehmet Scholl spricht über sein Aus als ARD-Experte.

Mehmet Scholl erklärt seinen Bruch mit der ARD. Der frühere Fußball-Experte beschwert sich über die damalige Berichterstattung des Senders.

München - Mehmet Scholl begeisterte die Fußball-Fans fast ein Jahrzehnt als ARD-Experte. 2017 kam dann das plötzliche Aus. Er habe sich geweigert, über Doping zu reden, hieß es. In seinem Bild-Podcast spricht der ehemalige Bayern-Spieler über die aus seiner Sicht wahren Gründe für die Trennung.

Mehmet Scholl erklärt ARD-Aus: „Wollten meine Eier abschneiden“

„Die wollten meine Eier abschneiden“, sagte Scholl auf seine typisch direkte Art. Scholl wurde vorgeworfen, er wolle nicht über das Doping der russischen Nationalmannschaft sprechen und habe deswegen hingeschmissen. Der 50-Jährige beschwert sich im Nachhinein darüber, dass ihm nachgesagt wurde, er wolle keine kritischen Berichte über das Thema Doping. „Alle Medienvertreter, die mit der ARD zusammenhängen, haben gesagt: ‚Der Scholl hat ja selber gedopt. Warum will der nicht über Doping reden? Ist da irgendwas?‘ Auf doof halt“, erzählt Scholl, der zuletzt ein gnadenloses Urteil über seinen Sohn fällte.

Laut Scholls Darstellungen war das Thema Doping aber gar nicht der Grund, der das Fass zum Überlaufen brachte. Scholl schwärmt davon, wie er die Stimmung beim Confed Cup 2017 genossen hat. „Alles war perfekt“, erinnert er sich. Endlich habe einmal gute Stimmung geherrscht. „Es gab überhaupt keinen Grund für irgendwas Negatives“, so Scholl. „Dann habe ich zu meinem Assistenten gesagt: ‚Jetzt erzähl‘ mir nicht, dass sie mit etwas Negativem aufmachen!?‘“ Die ARD plante tatsächlich eine Geschichte zum Thema Russland und Doping. Scholl wollte davon nichts wissen. „Da habe ich gesagt: ‚Die Story kommt raus, oder ich gehe‘“, so Scholl und ist noch vor der Sendung gegangen.

Mehmet Scholl vermutet „ARD-Intrige“

Die Themenwahl der Redaktion war für Scholl aber nicht das entscheidende Motiv, den Sender zu verlassen. Der ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky und der Programmchef Volker Herres sollen Scholl zwei Tage später um eine Rückkehr gebeten haben. „Bitte Mehmet, du hast noch ein Jahr Vertrag, wir wollen dich noch für die WM in Russland“, sollen die beiden gesagt haben, worauf Scholl die Antwort gab: „Leute, ich bin Profi, natürlich ziehe ich das durch.“ Schließlich habe er noch einen Vertrag.

Am nächsten Tag hieß es jedoch: „Mehmet Scholl hat die Hoheit der Redaktion anerkannt, er ist zu Kreuze gekrochen“, zitiert Scholl sinnbildlich die Schlagzeilen, die er plötzlich in den Medien las. Scholl wirft der ARD ein falsches Spiel vor, von da an war das Tischtuch zerschnitten. „Ich hab‘ ihn angerufen und gesagt: ‚Axel, Ihr braucht einen neuen Experten. Du kannst doch nicht sagen, bitte, bitte, mach weiter. Und das am nächsten Tag so hinstellen, als hättet Ihr mir auf den Kopf gehauen. Das geht nicht.‘“ Zu Doping hat er eine klare Meinung: „Doping ist scheiße, Doping macht die Sportler kaputt, Doping macht den Sport kaputt, macht es unglaubwürdig, tötet Menschen und die Zuschauer rennen davon.“ (ck)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare