69 Prozent

Mehrheit der Deutschen rät von Outing ab

Nürnberg - Überraschend deutliches Ergebnis: Die große Mehrheit der Deutschen rät homosexuellen Fußballern von einem Outing ab.

Bei einer repräsentativen Umfrage des Sport-Informations-Dienstes (SID) durch das Nürnberger Marktforschungsinstitut puls gaben 69 Prozent der Befragten an, dass sie einen solchen Schritt mit Blick auf die Karriere des Betreffenden für problematisch halten. Lediglich 26 Prozent sehen das anders.

In der vergangenen Woche hatte sich der frühere Nationalspieler Thomas Hitzlsperger als erster prominenter deutscher Fußballer öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt und damit eine große Debatte ausgelöst.

Weiteres Ergebnis: Nur 13 Prozent der Deutschen glauben an WM-Titel

Nur eine Minderheit der Deutschen glaubt an den ersten Titelgewinn der Nationalmannschaft nach 18 Jahren. Bei der repräsentativen Umfrage gaben lediglich 13 Prozent der Befragten an, dass sie vom Triumph der deutschen Auswahl bei der WM-Endrunde in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) ausgehen.

Immerhin 41 Prozent glauben an einen Finaleinzug der deutschen Mannschaft, die zum bisher letzten Mal bei der EM 1996 einen Titel holte. Von einem Vorrunden-Aus geht rein statistisch niemand (0 Prozent) aus.

sid

"Respekt!" Stimmen zum Hitzlsperger-Outing

Großbritanniens Premierminister David Cameron schrieb bei Twitter: „Ich habe immer bewundert, was Thomas Hitzlsperger auf dem Feld geleistet hat - aber heute bewundere ich ihn noch mehr.“ © AFP
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Thomas Hitzlsperger war zur seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen. Er hat sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich stehe zu unserem Wort, dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt.“ © dpa
Oliver Bierhoff (Manager Nationalmannschaft): „Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis. Er hat sich erst nach seinem Karriereende an uns gewandt und uns darüber informiert. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann.“ © dpa
Reinhard Rauball (Ligapräsident): „Die Entscheidung ist auch nach seiner aktiven Karriere ein großer und mutiger Schritt und im Kampf gegen Homophobie sicherlich wegweisend. Mit Blick auf die enorme Öffentlichkeit im Profifußball wären die Reaktionen im Falle des Outings eines aktiven Profis jedoch weiterhin nur schwer kalkulierbar. In dieser Hinsicht tragen die Klubs als Arbeitgeber eine außerordentliche Verantwortung. Auch vor diesem Hintergrund würde ich einem Betroffenen raten, im ersten Schritt die Vereinsverantwortlichen wie Vorstand und Trainer sowie Mannschaftskollegen ins Vertrauen zu ziehen.“ © dpa
Guido Westerwelle (ehemaliger Außenminister; bei Zeit Online): „Dieser Mut verdient größten Respekt. Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist. Ich erhoffe mir Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen.“ © dpa
Theo Zwanziger (ehemaliger DFB-Präsident und Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee; bei Zeit Online): „Endlich hat ein Fußballer den Mut, seine Homosexualität öffentlich zu machen - zumindest in engem Zeitabstand zu seiner Karriere. Das hat hoffentlich eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und den Profifußball der Männer. Der ist nämlich nach wie vor ein hartes Geschäft, ein offener Umgang mit Homosexualität ist leider immer noch nicht selbstverständlich. Aber ich bin zuversichtlich, dass sexuelle Neigungen im Fußball bald kein Thema mehr sind.“ © dpa
Dieter Hecking (Trainer VfL Wolfsburg): „Das ist ein sehr mutiger Schritt, ich kann Thomas nur gratulieren, dass er ihn gegangen ist. Den hat er für seinen inneren Frieden sicher gebraucht. Es ist gut, dass das Thema Homosexualität im Fußball jetzt öffentlich gemacht wird, das ist für unsere heutige Zeit auch normal. Ob das auch eine Ermutigung für andere homosexuelle Fußballer, wird man sehen.“ © dpa
Imke Duplitzer (homosexuelle Fecht-Europameisterin): „Give him a big hand!Respekt!“ © dpa
Annike Krahn (Fußball-Nationalspielerin): „RESPEKT!!!“ © dpa
Lukas Podolski (Nationalspieler und ehemaliger Mitspieler von Hitzlsperger): „Mutig - und richtig. Respekt, Thomas Hitzlsperger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit.“ © dpa
Julius Brink und Jonas Reckermann (Beachvolleyball-Olympiasieger): „Wir möchten Herrn Hitzlsperger unseren Respekt und Glückwünsche für diesen Schritt aussprechen!“ © dpa
Startschuss SLSV Hamburg (einer der ältesten schwul-lesbischen Sportvereine Deutschlands): „Hoffentlich wird allmählich auch dem Letzten klar, dass die sexuelle Orientierung nichts mit Leistungsfähigkeit zu tun hat. Für junge Fußball-Talente, die zufällig schwul sind, ist das ein ganz starkes Signal, dass auch für sie Platz im Profigeschäft ist. Wir sollten aber auch darüber nachdenken, was der Zeitpunkt des Coming Outs verrät: Was muss im Profi-Fußball für eine Atmosphäre vorherrschen, dass Thomas Hitzlsperger diesen Schritt erst nach seinem Karriereende für möglich gehalten hat? Wenn wir in die Amateurvereine schauen, hat sich in den letzten Jahren vieles gebessert. Es ist dort aber immer noch zu sehr Glückssache, ob man im Verein als homosexueller Mitspieler willkommen ist oder gemobbt wird.“ © dpa
Volker Beck (Grünen-Politiker und einer der ersten bekennenen homosexuellen Bundestags-Abgeordneten): „Ich habe großen Respekt vor dem Outing. Schade ist zugleich, dass dieser Schritt erst nach Beendigung seiner aktiven Fußballerkarriere möglich war. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen.“ © dpa
Gary Lineker (englische Fußball-Legende): „Herzlichen Glückwunsch! Er ist sehr mutig, dass er als erster Spieler, der in der Premier League gespielt hat, sein Coming-Out hat.“ © AFP
Michael Vesper (Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes): "Das ist ein gutes Signal. Jeder weiß, dass es auch im Spitzensport Schwule und Lesben gibt. Von daher verdient Thomas Hitzlspergers Coming Out unseren großen Respekt. Es ist für ihn sicher keine leichte Entscheidung gewesen. [...] Das Coming Out ist vor allem auch deshalb bedeutungsvoll, weil wir aus dem Umgang mit anderen Tabu-Themen wissen, dass Vorbilder zur Aufklärung, also zum Abbau von Unsicherheiten und Unwissenheit beitragen können.“ © dpa
Markus Hörwick (Mediendirektor FC Bayern): „Die Gesellschaft nimmt für sich in Anspruch, dass so etwas Normalität ist, und so sollten wir auch damit umgehen.  [...] Ich glaube, dass es im Fußball schwieriger ist, sich zu outen, denn man geht alle zwei Wochen in ein fremdes Stadion und kämpft gegeneinander. Da wird es schwierig sein, die Toleranz der Gesellschaft, die wir auch einfordern, zu behalten. Deshalb ist der Schritt umso bemerkenswerter“. © dpa
Arne Friedrich (früherer Fußball-Nationalspieler): „Bin stolz auf dich. Gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt.“ © dpa
Stefan Kretzschmar (ehemaliger Handball-Nationalspieler): „Respekt !!! Leider erst nach der Karriere.“ © dpa
Regierungssprecher Steffen Seibert: „Es ist gut, dass er über etwas spricht, das ihm wichtig ist und was ihn möglicherweise auch befreit. Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen, nur aus Angst vor Intoleranz. Wir haben als Land, als Gesellschaft im vergangenen Jahrzehnt gerade auf diesem Gebiet doch enorme Fortschritte gemacht. Fußballer beurteilen wir danach, ob sie sich auf dem Platz und abseits des Platzes gut und würdig verhalten, und ich glaube, das trifft beides für Herrn Hitzlsperger zu.“ © dpa
Fredi Bobic (Sportvorstand Fredi Bobic) hat Thomas Hitzlsperger „größten Respekt“ gezollt. Dessen Coming-Out sei ein „sehr mutiger Schritt“, sagte Bobic am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. „In der heutigen Zeit sollte es eigentlich zur Normalität werden, aber ich weiß, dass es jetzt vor allem in der Fußball-Community viele Diskussionen darüber geben wird.“ Hitzlsperger werde sich über diesen Schritt sehr viele Gedanken gemacht haben, glaubt Bobic. „Es ist seine Entscheidung und die gilt es zu respektieren.“ © dpa
Christine Lüders (Leiterin der Bundes-Antidiskriminierungsstelle): „Thomas Hitzlsperger hat großen Mut bewiesen - und er ist ein Vorbild für Tausende andere Sportlerinnen und Sportler, die sich bislang nicht getraut haben, mit ihrer sexuellen Orientierung offen umzugehen. Menschen in ganz Deutschland identifizieren sich mit dem Fußball und insbesondere mit der DFB-Nationalmannschaft. Vor allem Schwulsein ist leider immer noch ein Tabu im Fußball, Diskriminierung ist immer noch an der Tagesordnung. Alle, die Thomas Hitzlsperger jetzt gratulieren, sollten nun mithelfen, ein Klima der Akzeptanz und Offenheit zu schaffen.“ © dpa
Axel Hochrein (Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD): „Für uns das Tor des Monats! Das öffentliche Bekenntnis zu seiner Homosexualität rüttelt an einem der größten Tabus im Profifußball. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, um die Diskussion zu beleben und wird für die nächste Generation von Fußballern von großer Bedeutung sein.“ © dpa
Martin Gerster (Sportpolitischer Sprecher der SPD im Deutschen Bundestag): „Ich finde den Schritt enorm mutig. Er will die Diskussion über dieses Thema vorantreiben - das is gut. Der Sport tat sich bislang mit diesem Thema ja etwas schwer. Doch jetzt ist neuer Schwung in der Debatte. Ich hoffe, dass der ein oder andere noch aus der Deckung kommt.“ © dpa
Claudia Roth (Vize-Präsidentin des Bundestags): „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für Fußballer genauso wie für jeden anderen Menschen. Wenn sich Thomas Hitzlsperger jetzt öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt, gebührt dieser Entscheidung größter Respekt. Sie ist mutig, weitsichtig und in jeder Hinsicht vorbildhaft für tausende Amateur- und Profisportler in Deutschland.“ © dpa
Joachim Löw (Bundestrainer): „Thomas hat für sich persönlich entschieden, diesen Schritt zu gehen, und er sollte in einer toleranten Gesellschaft von allen respektiert werden. Für mich als Trainer sind alleine die sportlichen Leistungen und das soziale Verhalten eines Spielers entscheidend, und ich habe Thomas immer als ehrgeizigen, zuverlässigen Profi kennengelernt. Ich wünsche mir, dass sein Bekenntnis bei uns allen zu einem entspannteren Umgang mit dieser Thematik beiträgt.“ © dpa

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