Motivationstrainer über Unterschiede

"Die Frauen schauen bei den männlichen Stars ab"

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Inszenierung wie bei den Männern: Ashlyn Harris, USA.

München - Frauen-Fußball ist nicht mit Männer-Fußball zu vergleichen, so die gängige These. Ein Motivationstrainer erklärt im tz-Interview, warum der Unterschied vor allem auch im Kopf liegt.

Bevor es ernst wird, ist erst einmal Spaß angesagt – oder zumindest Entspannung. Unsere deutschen Fußball-Frauen haben nach ihrer Rückkehr in die kanadische Hauptstadt einen freien Nachmittag bekommen, Silvia Neid ordnete vor dem ersten K.o-Spiel am Samstag kollektives Durchschnaufen an. Zeit zur Beruhigung nach dem 4:0 gegen Thailand, das zwar vom Ergebnis her standesgemäß war, leistungstechnisch aber wenig überzeugend. Dafür überzeugten die Spielerinnen anschließend mit deutlichen Worten, Spielführerin Nadine Angerer sprach sogar von „Standfußball. So dürfen wir nicht noch mal auftreten!“ Offene Worte, wie man sie von den Männern nach einem 4:0 niemals hören würde, sagt Matthias Herzog. Der Persönlichkeitsexperte und Motivationstrainer ist sicher: Der Unterschied zwischen den Geschlechtern liegt im Kopf! Die tz hat nachgefragt.

Herr Herzog, Sie meinen, Männer verbrauchen ihr Potenzial an mehreren Fronten, bevor sie überhaupt den Platz betreten. An welchen denn?

Herzog: Männer sind immer sehr darauf bedacht, sich persönlich mehr in den Vordergrund zu stellen. Während Frauen vor allem Fußball spielen, weil sie Fußball spielen wollen, haben Männer noch ganz andere Baustellen im Hinterkopf. Sie sind geldversauter, müssen auf Sponsoren achten, sich selbst präsentieren. Da geht natürlich Konzentration verloren.

Heißt das, je uneitler ein Spieler ist, desto zielstrebiger kann er auftreten?

Herzog: Ja, auf jeden Fall! Bei der Hertha gibt es einen Spieler, der ist immer noch mit seinem alten Golf unterwegs und lässt seine Frau mit dem Luxuswagen fahren. Bei anderen Jungs geht es darum, wer die dicksten Reifen hat, wer sein Auto besser getunt hat. Man merkt, der Golffahrer konzentriert sich ganz anders.

Bei der WM sieht man auffällig tätowierte Frauen, andere gehen nicht ungestylt aus der Kabine. Passen sich die Frauen der Männerwelt an?

Matthias Herzog

Herzog: Das ist zum einen natürlich eine Persönlichkeitsfrage: Viele Frauen möchten auch fraulich wirken, daher schminken sie sich. Das sieht man ja auch an Kim Kulig, die als Expertin auftritt Aber klar: Die männlichen Fußballprofis haben Einfluss auf die Frauen! Wenn Sie eine Spielerin aus unserer Nationalmannschaft fragen, wer ihr Vorbild ist, dann werden die in der Regel nicht Birgit Prinz nennen. Dann sind das eher Schweinsteiger, Ballack, Kahn usw. Da wird natürlich verglichen und von den männlichen Stars abgeschaut.
Ist die Entwicklung zu mehr Glamour aber nicht auch schädlich für die Leistungsfähigkeit?
Herzog: Ja, das stimmt. Viele sagen, gegen Thailand haperte es bereits an der nötigen Konzentration. Aber hier haben Sie den Unterschied gesehen. Die Männer hätten die Probleme dann woanders gesucht, denken Sie nur an Per Mertesacker nach dem Algerienspiel. Die Männer haben ihr Ego nicht unter Kontrolle, während die Frauen selbstkritisch auftreten. Zudem reden sie untereinander mehr, während die Männer zurückgezogen sind.

Das klingt alles weitaus reflektierter, was die Frauen da betreiben.

Herzog: Absolut. Allerdings nehmen Frauen Ansagen auf dem Spielfeld auch sehr schnell persönlich. Da sollte man sensibel vorgehen als Trainer und Kritik sachbezogen ausüben. Zum Beispiel: „Du hast sch… gespielt, aber grundsätzlich bist du eine tolle Mitspielerin.“ Darauf sollte man achten.

Feiern sich Männer eigentlich auch anders – wenn sie zum Beispiel ein Tor erzielt haben?

Herzog: Ja. Bei den Frauen ist es immer ein Miteinander, sie freuen sich viel mehr zusammen, klatschen sich auch auf der Bank alle ab. Bei den Männern sieht man häufig dieses „Ey habt ihr gesehen? ICH hab das Tor gemacht!“ Das ist insgesamt wenig selbstkritisch. Interview:

Michael Knippenkötter

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