Nach dem Aufstieg: Jetzt will Babbel mehr

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Markus Babbel nach dem Aufstieg am Flughafen

Berlin - Der Empfang in Berlin hielt sich genauso im Rahmen wie die Jubelfeier des Teams. Der Aufstieg von Hertha BSC war die Pflicht. Trainer Markus Babbel will mit seinem Team mehr erreichen.

Die Berliner Aufsteiger hatten es auch nach der Jubelnacht eilig. 14 Minuten eher als angekündigt setzte am Dienstagmittag die Air-Berlin-Maschine AB 6440 mit dem Hertha-Tross in Tegel auf. “Das ist Wahnsinn“, kommentierte Jungstar Pierre-Michel Lasogga die Stunden nach dem 1:0 des Hauptstadtclubs in Duisburg, mit dem der letzte Schritt zurück in die Bundesliga gelang.

Bundesligatrainer und ihr Weg zur ersten Chefstelle

Dieter Hecking (Nürnberg) begann beim SC Verl. Über den VfB Lübeck kam er 2004 zur Alemennia aus Aachen, mit der er 2006 den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. © getty
Frank Schaefer (Köln) arbeitete ab 1982 in der Jugendabteilung des 1. FC Köln. 1997 übernahm er für fünf Jahre die U19 von Bayer Leverkusen. 2003 kehrte er zu Köln zurück und übernahm dort Ende 2010 den Chefposten von Zvonimir Soldo. © getty
Marco Kurz (Kaiserslautern) coachte in der Regionalliga den SC Pfullendorf. Sein Weg zum 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 2010 in die Bundesliga aufstieg, führte über die zweite und erste Mannschaft von 1860 München. © getty
Mirko Slomka (Hannover) trainierte schon einmal in Hannover. Zwischen 1989 und 1999 die Jugendteams und später noch einmal als Co-Trainer, ehe er im Oktober 2004 von Schalke 04 als Co-Trainer engagiert wurde. Dort stieg er im Januar 2006 zum Chefchoach auf. © getty
Felix Magath (Wolfsburg) fungierte bei Bremerhaven als Spielertrainer. Danach übernahm er die Amateurmannschaft des HSV und stieg dort 1993 zum Co-Trainer auf. 1995 beförderte man den späteren Meistertrainer zum Cheftrainer. © getty
Jürgen Klopp (Dortmund). Der designierte Meistertrainer des BVB wurde nur drei Tage nach seinem letzten Spiel in der zweiten Liga für Mainz zum Chefcoach ernannt. 2004, drei Jahre danach, stieg er mit dem FSV in die erste Liga auf, wo er mit dem Karnevalsverein überraschend eine sehr gute Rolle spielte. © getty
Bruno Labbadia (Stuttgart) bekam seine erste Anstellung 2003 bei Darmstadt 98 in der Regionalliga. Von dort kam er über Greuther Fürth 2008 zu Bayer 04 Leverkusen. © getty
Marco Pezzaiuoli (Hoffenheim) war zwischen 1991 bis 2003 beim KSC tätig. Danach wurde er Co-Trainer in Südkorea. Zwischen 2007 und 2010 betreute er diverse Jugendabteilungen des DFB, bevor er Assistenztrainer von Ralf Rangnick wurde. Nach einem Transferstreit zwischen Rangnick und Mäzen Hopp erhielt Pezzaiuoli Anfang 2011 die Chance als Cheftrainer. © getty
Robin Dutt (Freiburg) sammelte erste Erfahrungen als Spielertrainer bei der TSG Leonberg. Über TSF Ditzingen und die Stuttgarter Kickers kam er zum SC Freiburg, wo er Volker Finke nach 16 Jahren als Trainer ablöste. © getty
Jupp Heynckes (Leverkusen), der älteste Bundesligatrainer, wurde 1978/79 erst Co-Trainer in Mönchengladbach, ehe er dort zum Cheftrainer aufstieg und seit dem national und international zahlreiche Meisterschaften und Pokale gewann. © getty
Lucien Favre (Gladbach) begann seine Trainerkarriere in seinem Heimatland Schweiz bei der Jugend des FC Echallens. 1999 schaffte er dann den Sprung mit Yverdon-Sport in die erste Liga. Bekannt in der Bundesliga wurde er durch seine Verpflichtung von Hertha BSC. © getty
Thomas Tuchel (Mainz) coachte sechs Jahre lang Juniorenteams u.a. beim VfB Stuttgart und FC Augsburg. Als er die U19 vom FSV Mainz trainierte, entließ Manager Heidel Jörn Andersen eine Woche vor Saisonbeginn. Tuchel führte Mainz in seiner ersten Saison auf den neunten Rang. © getty
Holger Stanislawski (St. Pauli), ehemaliger Profi des FC St. Pauli, übernahm im November 2006 "seinen" Verein in der Regionalliga und führte diesen binnen vier Jahren in die erste Liga. © getty
Thomas Schaaf (Bremen) ist seit über zehn Jahren Cheftrainer beim SV Werder Bremen. Davor trainierte er die B- und A-Jugend sowie die Amateurmannschaft des SV Werder Bremen, bevor er Felix Magath 1999 ablöste. © getty
Michael Oenning (Hamburg, hier l.) musste sich von ganz unten nach oben arbeiten. Angefangen hat seine Trainerkarriere als Verbandssportlehrer in Baden Württemberg. Danach ging er zum DFB (U18-U20), ehe ein Bundesligaverein ihn als Co-Trainer engagierte. 2008 schenkte man Oenning in Nürnberg, mit denen er aufstieg, das Vertrauen als Cheftrainer. © getty
Ralf Rangnick (Schalke) begann 1983 seine Trainerkarriere bei seinem ehemaligen Verein FC Viktoria Backnang. Von 1985 an trainierte er Teams in unteren Ligen, ehe der SSV Reutlingen ihn als Cheftrainer holte. Seine erste Bundesligaerfahrung als Coach sammelte Rangnick 1999 beim VfB Stuttgart. © getty
Christoph Daum (Frankfurt) beendete seine Spielerkarriere bei den Köln Amateuren, wo er seine erste Trainerstelle ausführte. Dort wurde er in der Saison 1985/1986 erst zum Co-Trainer und 1986 zum Cheftrainer ernannt. Vom Rhein aus ging es durch einige Vereine aus Deutschland und Europa (vorwiegend Türkei) zurück zur Eintracht. © getty
Andries Jonker (Bayern) wurde 1997 bis 1999 Co-Trainer beim FC Volendam in Holland. Nach dem Abstieg in die zweite holländische Liga wurde er in Volendam zum Cheftrainer befördert. Von dort holte ihn Louis van Gaal zu Barcelona. Seine erste Chefstelle als Erstligatrainer bekam er 2007 bei Willem II Tilburg. Wieder war es Louis van Gaal, der ihn als Co-Trainer wegholte. Nun übernimmt Jonker die Bayern für fünf Spiele. © getty

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Hertha schafft den Wiederaufstieg

Wie von Trainer Markus Babbel angekündigt, nahmen die Spieler in einem Oberhausener Hotel statt übermäßig Alkohol den nötigen Schlaf. “Wir wollen das jetzt durchziehen“, betonte Babbel mit Blick auf das Spiel am Freitag gegen 1860 München und beorderte seine Profis gleich nach der Landung auf den Übungsplatz. Mit einem weiteren Sieg soll ebenfalls vorzeitig der Zweitliga-Titel klargemacht werden.

“Laufbereitschaft, Zweikampfbereitschaft, Disziplin“ sind Babbels Schlüssel. Zum Knackpunkt der Saison wurde die Krise im vergangenen Herbst. “Die Spieler mussten extrem schnell lernen“, sagte der Coach, dessen Vertrag sich mit dem Aufstieg bis 2012 verlängert hat. Auch für die Leistungsträger Peter Niemeyer (bis 2014), Christian Lell (2013) und Patrick Ebert (2012) wurden neue Kontrakte gültig.

“Auch in einer Phase, als es in der Saison nicht so gut lief, ließ sich das Team nicht auseinanderdividieren. Das zeugt vom Charakter“, betonte “Rocker“ Babbel, der auf AC/DC und Metallica steht, aus seinen Liverpooler Zeiten mit Tote-Hosen-Sänger Campino befreundet ist und nun sogar über ein eigenes Hertha-Tatoo nachdenkt. “Ich habe einen Faible dafür und werde mir was einfallen lassen.“

Für den Club, die Fans und Berlin hat sich der Betriebsunfall Abstieg ein wenig sogar als Glücksfall erwiesen. “Wir sind eins“, brachte Babbel das neue Hertha-Gefühl auf einen Nenner. In Berlin haben sich Herthas Kraftanstrengungen herumgesprochen. Keiner der Mitarbeiter musste gehen, die Geschäftsführer Michael Preetz und Ingo Schiller hatten auf 40 Prozent ihrer Bezüge verzichtet. Dank dafür: Hertha steuert mit einem Schnitt von über 45 000 Fans auf einen Zweitliga-Zuschauerrekord hin.

Trotz aller Euphorie aber wollen die Verantwortlichen Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen, als von Meisterfeiern am Brandenburger Tor geträumt wurde. “Als Aufsteiger ist das Ziel Klassenerhalt“, formulierte Präsident Werner Gegenbauer die neue Mission. Denn finanziell hat die Zweitliga-Saison bei Hertha Narben hinterlassen. Noch immer drücken rund 31 Millionen Euro Schulden. Der Zweitliga-Gesamtetat von rund 40 Millionen Euro soll für die erste Liga daher auch nur bescheiden auf 54 Millionen aufgestockt werden.

“Nicht nur der Etat macht es, sondern auch der Teamgeist“, hat Mittelfeldchef Niemeyer als Zweitliga-Erkenntnis ausgemacht. Das soll nun auch für die Bundesliga gelten. “Drei bis vier Neue“ kann sich Preetz vorstellen. “Das Budget steht. Die Mischung aus Gehältern, Ablösesummen und Handgelder muss stimmen“, betonte jedoch Clubchef Gegenbauer. “Die Mannschaft ist ja schon so zusammengestellt, dass sie mit der einen oder anderen Ergänzung in Liga eins spielen kann.“

Die Vorfreude auf die Bundesliga ist bei allen in Berlin schon jetzt riesengroß. “Es war ein langer Weg. Schalke, Dortmund - da will man hin. Das ist der Anspruch. Wir sind alle froh, dort wieder auftreten zu dürfen“, erklärte Ex-Bayern-Profi Lell. Verkäufe von Stars wie Top-Torjäger Ramos, der in Duisburg das Aufstiegs-1:0 schoss, oder Raffael soll es höchstens bei Angeboten jenseits der Zehn-Millionen-Marke geben.

dpa

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