Zum Auftakt der WM-Qualifikation

Protest des DFB-Teams gegen Zustände in Katar zwingt FIFA zu einem Statement - Hoeneß verteidigt FCB-Sponsoring

Die DFB-Auswahl sendete nicht nur mit der Leistung gegen Island ein Statement. Sondern auch mit einer Botschaft in Richtung Katar. Diese blieb auch der FIFA keineswegs verborgen.

Duisburg - Für ihre Protest-Aktion in Richtung WM-Gastgeber Katar griffen die Nationalspieler selbst zum Pinsel. Kurz vor Anpfiff gegen Island stellten sich die DFB-Stars Arm in Arm in einer Reihe auf und ließen ihre Botschaft dadurch sichtbar werden: Die Botschaft HUMAN RIGHTS (Menschenrechte) war in großen weißen Lettern zu lesen.

Dafür hatte sich jeder Kicker einen Buchstaben auf das schwarze Auswärtstrikot gepinselt. „Das sollte ein Zeichen sein, dass wir für alle Menschenrechte auf der Welt einstehen, egal wo. Das war ein gutes und wichtiges Zeichen“, sagte Bundestrainer Joachim Löw sichtlich stolz über die Initiative der Spieler.

DFB-Team kritisiert Zustände in Katar: Mehr als 6500 Gastarbeiter sollen seit 2010 auf Stadion-Baustellen gestorben sein

Der Wüstenstaat steht wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern auf den WM-Baustellen regelmäßig bei Menschenrechtsorganisationen in der Kritik - auch wenn Amnesty International oder Human Rights bereits Verbesserungen beobachtet haben. Erst kürzlich hatte der Guardian allerdings berichtet, dass seit der WM-Vergabe an das Emirat 2010 mehr als 6500 Menschen auf Stadion-Baustellen gestorben sind.

„Wir möchten der Gesellschaft klarmachen, dass wir das nicht ignorieren, sondern ganz klarmachen, welche Bedingungen da herrschen müssen“, sagte Torschütze Leon Goretzka bei RTL: „Wir haben eine große Reichweite - und können die wunderbar nutzen, um Zeichen zu setzen für die Werte, für die wir stehen wollen. Das war eindeutig.“ Dafür nahmen Goretzka und seine Münchner DFB-Kollegen auch keine Rücksicht auf das bestehende Sponsoring des FC Bayern mit der katarischen Fluggesellschaft Qatar Airways.

Sie schauen nicht weg: Die DFB-Stars prangerten mit einer Botschaft die Missstände in Katar an.

DFB-Team kritisiert Zustände in Katar: Hoeneß unterstützt Protest und verteidigt Bayern-Sponsoring

Trotz der wirtschaftlichen Verflechtungen begrüßte auch Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß die Aktion. „Wir wollen ja die mündigen Spieler haben. Wenn sie darauf hinweisen, dass es dort Probleme gibt, kann es auch dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen besser werden. Eine WM in Katar und ein Engagement des FC Bayern kann auch dazu führen, dass die Situation vor Ort sich verbessert.“

Sanktionen seitens der FIFA muss der DFB übrigens nicht befürchten. „Die FIFA glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben“, teilte der Weltverband mit. (bok)

Rubriklistenbild: © TOBIAS SCHWARZ/dpa

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