Starker Start in WM-Qualifikation

DFB-Sixpack weckt neue Titelhoffnung - aber bleibt dann überhaupt noch Platz für Kroos?

Das DFB-Team zählt nicht zu den Favoriten auf den EM-Titel im Sommer. Doch die offensiven Reihen haben neue Hoffnungen geweckt. Das könnte Joachim Löw in die Bredouille bringen.

Duisburg - Leon Goretzka donnerte seine flache Hand nach seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 mit voller Stolz auf den DFB-Adler auf seiner Brust. Im Hintergrund beglückwünschten sich seine Münchner Mitspieler Serge Gnabry, Joshua Kimmich und Leroy Sané zusammen mit den England-Legionären Ilkay Gündogan (Manchester City) und Kai Havertz (Chelsea).

Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass das Sextett Grund zum Jubeln hatte: Denn auch Havertz (2:0) und Gündogan (3:0) reihten sich noch in die Torschützenliste ein. Sämtlichen Treffern waren sehenswerte Kombinationen und Pass-Stafetten vorausgegangen, die an beste Tiki-Taka-Zeiten erinnerten.

DFB-Team nährt Titelhoffnung: Hoeneß spricht vom „vielleicht besten Mittelfeld in Europa“

Wenn es nach Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß geht, könnte dieses Sixpack bei der anstehenden Europameisterschaft im Sommer Deutschlands Titeldurst stillen - wenn Thomas Müller noch kurzfristig auf den EM-Zug aufspringen würde. „Das Mittelfeld wäre eines der besten, vielleicht sogar das beste in Europa“, so der neue RTL-Experte.

Gegen Island ließ sich Kimmich im 4-3-3-System meistens als absichernder Sechser tiefer fallen, Goretzka und Gündogan nahmen den offensiveren Part auf der Doppel-Acht ein. Die Sturmreihe kam mit Havertz, Gnabry und Sané ohne einen klassischen Stürmer aus. Vor allem Gnabry findet immer mehr Gefallen in der Rolle als falsche DFB-Neun.

Wow, was für ein Sixpack! Die Offensivstars des DFB-Teams um Leon Goretzka (r.) zeigten sich gegen Island in EM-Form.

DFB-Team nährt Titelhoffnung: Kein Platz mehr für Werner und Kroos?

Da stellt sich freilich die Frage, wo angesichts dieser Star-Besetzung überhaupt noch Platz für nicht weniger prominente Spieler wie Timo Werner (Chelsea) oder Toni Kroos (Real Madrid) bleibt? Muss Kroos, der den DFB-Lehrgang vorzeitig wegen Adduktoren-Problemen verlassen musste, vielleicht sogar um seinen EM-Platz zittern?

Die Antwort von Bundestrainer Joachim Löw: „Warum sollte der Toni Kroos um seinen Platz fürchten müssen? Das ist ein Weltklassespieler, der unsere Mannschaft natürlich auch prägt. Über seine Qualitäten zu sprechen, ist müßig. Man sieht ja, wie schnell irgendwelche Spieler ausfallen können durch Verletzungen und so weiter.“ Aber wo soll Kroos spielen?

DFB-Team nährt Titelhoffnung: Kimmich könnte wieder in Abwehrlette rücken müssen

Denn: Als Sechser hat vor allem Kimmich seinem Bundestrainer Argumente geliefert, ihn beim Turnier im Sommer nicht wieder als Rechtsverteidiger aufzustellen: Das 1:0 leitete er mit einem feinen Chip-Ball ein, das 2:0 mit einem präzisen „Steck-Pass“. Zur Erinnerung: Löw hatte unter der Woche angekündigt, mit dem Gedanken zu spielen, Kimmich wieder in die Viererkette zu integrieren.

Ganz ist Jogi noch nicht von seinem Plan abgebracht: „Es gibt verschiedene Konstellationen. Das muss man dann im Mai noch einmal überlegen.“ Und Gündogan und Goretzka können mit ihrer Torgefahr im Zentrum den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage - oder gar einem Turnier-Aus machen. „Wir haben den Ball gut laufen lassen“, befand Gündogan. Das soll auch am Sonntag gegen Rumänien (20.45 Uhr/bei uns im LIve-Ticker) nicht anders sein. Und bei der EM sowieso. (bok)

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke/sampics

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