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Nationenliga: Die tz erklärt Platinis Revolution

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Visionär: UEFA-Boss Platini hat seine Idee einer Nationenliga durchgesetzt © dpa

München - Auf ihrem Kongress in Kasachstan beschloss die UEFA die Einführung einer Nationenliga für die 54 europäischen Nationalmannschaften. Was bedeutet das für Deutschland? Die tz beantwortet die Fragen.

Es ist die nächste Fußball-Revolution: Auf ihrem Kongress in Kasachstan beschloss die UEFA auf Initiative von Michel Platini die Einführung einer Nationenliga für die 54 europäischen Nationalmannschaften. Ab 2018 werden die bisherigen Testspiele der Auswahlteams als Turnier ausgetragen, aufgeteilt in vier Klassen nach Leistungsstärke mit Auf- und Abstieg. Was bedeutet das für Deutschland? Die tz beantwortet die Fragen:

Warum wird diese Liga eingeführt? 

Das neue Format verspricht für kleinere Verbände Planungssicherheit. Für die großen bedeutet es mehr Spiele gegen gute europäische Teams. Joachim Löw gibt zu bedenken, dass es „sicher nicht einfacher“ werde, Testtermine gegen gute Nicht-­Europäer zu finden.

Wer muss die Pläne umsetzen? 

Das Komitee für Nationalmannschaftswettbewerbe unter Vorsitz von Wolfgang Niersbach. Der DFB-Präsident gibt zu: „Ich verhehle nicht, dass der DFB und auch ich persönlich ganz offen Bedenken geäußert haben. Wir haben immer gesagt, wir brauchen keine Änderung, weil bei uns die Freundschaftsspiele auch so funktionieren. Ähnlich ist es bei den Holländern, den Engländer – und dann hört es aber schon auf.“

Geht es bei der Nationenliga nur um die goldene Ananas? 

Nein. Aus allen vier Leistungsklassen soll ein Team ein EM-Ticket bekommen.

Was sagt der FC Bayern? 

Karl-Heinz Rummenigge (auch Vorsitzender der europäischen Club-Vereinigung): „Wir haben Verständnis, dass speziell die kleinen und mittleren Nationalverbände die Freundschafts-Länderspiele nicht mehr vermarkten können.“

Was passiert mit den Qualifikationen für EM und WM?

Sie bleiben bestehen. Der Beginn der EM-Qualifikationsrunden wird von September in den März verschoben. Zudem entfallen die Play-off-Spiele nach der EM-Qualifikation.

Gibt es noch Freundschaftsspiele? 

Ja, aber viel weniger.

Steigt damit die Belastung für Nationalspieler weiter? 

Die UEFA sagt, es werde keine zusätzlichen Spieltermine geben. Trotzdem ist die DFL gegen die neue Liga. Liga-Präsident Reinhard Rauball: „Insbesondere in der Endphase der nationalen und internationalen Club-Wettbewerbe sind Vereinen und Spielern zusätzliche Belastungen nicht zumutbar.“ Auch Jürgen Klopp ist dagegen. Die Sommerpause sei für so ein Turnier der „schlechteste Zeitpunkt“, findet er. Spieler oder Trainer seien „nicht in einer Sekunde gefragt worden“.

Könnte die Nationenliga anderen Premium-Wettbewerben wie EM, WM und Europapokal schaden? 

Das bestreiten die Ideengeber, die sich der Stärke ihrer Top-Produkte sicher sind. Rummenigge: „Ich kann den deutschen Clubs versprechen, dass in der Champions League und auch in der Europa League die Zahlen weiter nach oben gehen.“

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tz-Kommentar: Der richtige Weg

Der vollkommen zu Unrecht nicht als Fußball-Philosoph berühmt ­gewordene Berti Vogts hatte einst mit Blick auf Nationalmannschaften erkannt: Die Breite an der Spitze ist dichter geworden. Heutzutage allerdings ist vor allem die Breite breiter geworden. Und das bedeutet für fußballerische Schwergewichte wie Deutschland eine EM-Quali mit Gegnern, die eher Sparringspartner sind. Insofern ist es der richtige Weg, dass die UEFA eine Nationenliga einführt. Denn mittelfristig muss man sich Gedanken über den Qualifikationsmodus machen – und in dieser Richtung könnte die neue Liga ein erster Schritt sein. Nationalmannschafts-Reisen nach San Marino oder Andorra sind touristisch reizvoll, sportlich nicht…

bb.

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