Umstrittene Regelauslegung

Bizarre Abseitsregel verhilft Frankreich zum Triumph in der Nations League: Wer blickt da noch durch?

Frankreich schlägt Spanien im Finale der Nations League. Der Siegtreffer sorgt jedoch für Ärger: Starstürmer Mbappé trifft, obwohl er zuvor im Abseits stand. Heftige Debatten sind die Folge.

Mailand - Der moderne Fußball ist zu einer ziemlich komplexen Angelegenheit verkommen. So komplex, dass nicht einmal mehr die Akteure auf dem Feld beim Regelwirrwarr rund um Abseitsposition und Handspiel den Durchblick bewahren. Siehe Nations-League-Finale zwischen Frankreich und Spanien, das die „Équipe Tricolore“ dank eines späten Treffers von Kylian Mbappé mit 2:1 (0:0) für sich entschied. Problem aus Sicht der Spanier: Der französische Superstar stand beim Anspiel von Theo Hernández eindeutig im Abseits. Oder etwa doch nicht?

Nach Ansicht des Unparteiischen jedenfalls war der Siegtreffer regelkonform. Bei der Entscheidung blieb er – überraschenderweise und zum Zorn der Spanier – auch nach Rücksprache mit dem Videoschiedsrichter. Spätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte die Besucherzahl auf der Webseite des International Football Association Boards (IFAB), seines Zeichens regelgebende Instanz dieses Sports, massiv in die Höhe geschnellt sein. Dort heißt es in Paragraf 12.2: „Ein Spieler verschafft sich ­keinen Vorteil aus seiner Abseitsstellung, wenn er den Ball von einem gegnerischen Spieler erhält, der den Ball absichtlich spielt (auch per absichtlichem Handspiel), es sei denn, es handelt sich dabei um eine absichtliche Torverhinderungsaktion eines gegnerischen Spielers.“

Nations-League-Finale: Siegtreffer nach Abseits verhilft Frankreich zum Sieg

Und genau hier liegt die Krux: Der Spanier Eric García versuchte, Hernández’ Steilpass auf Mbappé abzufangen, touchierte dabei das Leder – und hob damit aus Sicht des Referees die Abseitsposition des Torschützen auf. Als Torverhinderungsaktion seitens García interpretierte er die Aktion folgerichtig nicht.

Heißt im Umkehrschluss: García hätte – wohlgemerkt innerhalb von Sekundenbruchteilen und ohne zu wissen, ob Mbappé nun im Abseits steht oder nicht – dem Ball fernbleiben müssen, damit die Abseitsposition Bestand gehabt hätte. Eine Regel, die gegen die Essenz eines Abwehrspielers und damit des Spiels an sich geht.

Sahen auch die Akteure der spanischen Nationalmannschaft so. „Der Schiedsrichter meinte, dass Eric den Ball spielt und so das Abseits aufhebt. Aber das macht überhaupt keinen Sinn. Er wollte den Ball nicht kontrolliert spielen, sondern hat wie jeder andere Verteidiger auch, versucht, das Zuspiel auf Mbappé zu verhindern“, so Sergio Busquets bei TVE. Übrigens: Auch die französische L’Équipe hielt die Regel für „fragwürdig“.

Rubriklistenbild: © Screenshot: ARD

Auch interessant

Kommentare