WM-Kader: Kein Platz für zwei Weltmeisterinnen

Silvia Neid
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Silvia Neid hatte die Qual der Wahl

Frankfurt am Main - Zwei Fußball-Weltmeisterinnen haben von Bundestrainerin Silvia Neid die niederschmetternde Nachricht erhalten, dass sie bei der Mission Titelverteidigung im eigenen Land nicht dabei sind.

Mit dem Anruf kam das Aus: Die beiden Fußball-Weltmeisterinnen Anja Mittag und Sonja Fuss erhielten am Freitag von Bundestrainerin Silvia Neid die niederschmetternde Nachricht, dass die Mission Titelverteidigung bei der WM im eigenen Land (26. Juni bis 17. Juli) ohne sie stattfinden wird.

Der Kader steht! So schön sind unsere WM-Träume

Mit einer Mischung aus Routine und jugendlichem Elan will Trainerin Silvia Neid die deutschen Fußballerinnen zum WM-Titel-Hattrick führen. Der Kader zum Durchklicken: © Getty
TOR: Nadine Angerer (1. FFC Frankfurt/32 Jahre/94 Länderspiele/0 Tore): Zweimalige Weltmeisterin. Als Nummer 1 unumstritten. 2007 in China kassierte sie kein Tor - Rekord. © Getty
Ursula Holl (FCR Duisburg/28/5/0): Verlässliche Angerer-Vertreterin. Hatte zuletzt Rückenprobleme; aber klare Nummer zwei. © Getty
Almuth Schult (Magdeburger FFC/20/0/0): Sie holte mit den deutschen U 20-Frauen im vorigen Sommer den WM-Titel. Erhält einen “Schnupperkurs“ und ist die Einzige ohne A-Länderspiel. © Getty
ABWEHR: Saskia Bartusiak (1. FFC Frankfurt/28/37/0): Die Innenverteidigerin war schon bei der WM 2007 dabei. Inzwischen zur Stammkraft gereift. © Getty
Babett Peter (Turbine Potsdam/22/47/1): Zuverlässige Außenverteidigerin mit WM- und EM-Erfahrung. Kann auf beiden Seiten spielen - nicht aus dem Team wegzudenken. © Getty
Annike Krahn (FCR Duisburg/25/62/4): Kompromisslose Innenverteidigerin. Nach Kreuzbandriss im August 2010 noch mit Trainingsrückstand und ohne Spielpraxis. Wenn sie fit ist, gesetzt. © Getty
Linda Bresonik (FCR Duisburg/27/62/5): Super-Technikerin, die wohl flexibelste Spielerin im Kader. Kann in der Abwehr und im Mittelfeld jede Position spielen. Hatte Knieprobleme, ist aber unverzichtbar. © Getty
Bianca Schmidt (Turbine Potsdam/21/14/0): Die Rechtsverteidigerin gehörte schon beim EM-Gewinn 2009 in Finnland zum Kader. Gewann im Vorjahr ebenfalls den U 20-WM-Titel. © Getty
Lena Goeßling (Bad Neuenahr/25/19/0): U 19-Weltmeisterin 2004, eigentlich im Mittelfeld zu Hause; sprang zuletzt für Krahn in der Innenverteidigung ein. © Getty
Verena Faißt (VfL Wolfsburg/21/2/0): Die Linksverteidigerin hat sich im letzten Jahr gut entwickelt. Ihr gehört die Zukunft. © Getty
MITTELFELD: Simone Laudehr (FCR Duisburg/24/37/7): Die gebürtige Regensburgerin ist neben Kulig erste Wahl im defensiven Mittelfeld. Kann auch auf den Flügeln spielen. Die Weltmeisterin scheut keinen Zweikampf. © Getty
Melanie Behringer (1. FFC Frankfurt/25/61/17): Kann auf beiden Flügeln offensiv spielen, gefährliche Distanzschützin und Flankengeberin. © Getty
Celia Okoyino da Mbabi (Bad Neuenahr/22/51/7): Dribbelstark und zielstrebig. Idealer Joker, wenn es vorn mal nicht läuft. Kann beide offensiven Außenpositionen spielen. © Getty
Kim Kulig (Hamburger SV/20/20/3): Die Europameisterin und U 20-Weltmeisterin spielt auf der “Sechs“. Sehr präsent, gute Freistoß- und Distanzschützin. Wechselt im Sommer nach Frankfurt. © Getty
Ariane Hingst (1. FFC Frankfurt/31/169/10): Berliner Frohnatur, kämpfte sich nach Knieverletzung wieder heran. Früher als Innenverteidigerin gesetzt, zuletzt im Mittelfeld. Will zum Abschluss ihrer Karriere den dritten WM-Coup nicht verpassen. © Getty
Mittelfeld: Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt/31/122/41): Zweimalige Weltmeisterin. Seit Jahren Stammspielerin auf der rechten Offensivseite und sehr torgefährlich.  © Getty
Fatmire Bajramaj (Turbine Potsdam/22/43/8): Dribbelkünstlerin und begehrter Werbestar. Ständiger Unruheherd im gegnerischen Strafraum, kommt meist über die linke Seite. © Getty
ANGRIFF: Inka Grings (FCR Duisburg/32/87/61): Stürmerin mit eingebautem Torinstinkt. Unverzichtbar im Angriffzentrum. Trickreich, schnell und eiskalt im Abschluss. Zudem kopfballstark. © Getty
Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt/33/208/128): Rekordnationalspielerin und Leitfigur. Hält fast alle Bestmarken. Will ihre einmalige internationale Fußball-Karriere mit dem dritten WM-Titel beenden. © Getty
Martina Müller (VfL Wolfsburg/30/89/30): Fast nie in der Startelf, aber der “Torjoker“ schlechthin. Erfahren, laufstark und eiskalt im Abschluss. War schon bei den WM-Erfolgen 2003 und 2007 dabei. © Getty
Alexandra Popp (FCR Duisburg/19/8/4): Star der U 20-WM als beste Spielerin und beste Torschützin (10 Treffer). Druckvoll, präsent, durchsetzungsstark. Im DFB-Team meist links offensiv eingesetzt. © Getty

Neben Mittag (Turbine Potsdam) und Fuss (FCR Duisburg) wurden Torhüterin Lisa Weiß (SG Essen-Schönebeck), Bundesliga-Torschützenkönigin Conny Pohlers (1. FFC Frankfurt), sowie Josephine Henning (Turbine Potsdam) ausgemustert.

„Wir haben in den vergangenen Wochen sehr genau analysiert, viel diskutiert und uns die Wahl nicht leicht gemacht. Es war ein Entscheidung für 21 und nicht gegen fünf Spielerinnen“, sagte Neid. Sie hofft darauf, dass ihre Entscheidung für die Spielerinnen „nachvollziehbar“ ist: „Wir haben in den Lehrgängen ganz viele Eindrücke gesammelt. Nach jedem Training haben wir uns im Trainer-Team ausgetauscht. Es gab zahlreiche Kriterien, die wir abgeklopft haben.“

Im 21-köpfigen WM-Kader stehen somit 13 Weltmeisterinnen von 2007 und vier U20-Titelträgerinnen von 2010. Sie sollen die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durch den dritten Triumph nacheinander zum alleinigen Rekord-Weltmeister machen. Neid hat allerdings noch zwei Wochen Zeit, um auf eventuelle Verletzungen zu reagieren. Der endgültige Kader muss erst am 10. Juni beim Weltverband FIFA gemeldet werden.

DFB-Präsident Theo Zwanziger zeigte Verständnis für die Entscheidung Neids, hatte aber auch Mitleid mit den Ausgemusterten. „Ich weiß, dass solche Entscheidungen für jeden Trainer oder jede Trainerin ungemein schwer sind. Gleichwohl können sie nur von der Trainerin getroffen werden, weil sie die Spielerinnen in den vergangenen Wochen genau beobachtet hat“, sagte Zwanziger dem Sport-Informations-Dienst (SID): „Ich kenne Silvia Neid seit zehn Jahren und weiß, wie schwer sie sich die Entscheidung gemacht hat. Natürlich fühle ich mit jeder Spielerin, die bei der WM im eigenen Land nicht dabei sein kann.“

Angreiferin Mittag hatte ihre Ausmusterung schon nach dem 0:2 (0: 1) der Potsdamerinnen im Finale der Champions League am Donnerstagabend gegen Olympique Lyon vorausgesehen. „Mein Gefühl sagt mir, dass ich nicht dabei bin. Ich kann das sehr gut einschätzen, ich war ja lange in der Vorbereitung dabei“, sagte die Stürmerin.

Angeführt wird das Aufgebot von Rekord-Nationalspielerin Birgit Prinz. Die 33 Jahre alte dreimalige Weltfußballerin, die ihre internationale Karriere beim Finale in ihrer Heimatstadt Frankfurt mit dem dritten WM-Triumph krönen und beenden möchte, ist die älteste Spielerin des Kaders.

Neben Prinz zählen Torhüterin Nadine Angerer, Annike Krahn, Babett Peter, Linda Bresonik, Simone Laudehr, Kerstin Garefrekes, Inka Grings und Kim Kulig zu den Stützen der Auswahl, die sich seit dem 11. April auf die Endrunde vorbereitet. Sollten keine Verletzungen oder Formtiefs dazwischenkommen, haben diese neun Spielerinen ihren Stammplatz so gut wie sicher.

Torhüterin Almuth Schult, Alexandra Popp, Bianca Schmidt und Kulig gehören zu den amtierenden Junioren-Weltmeisterinnen, die den Sprung in den Kader geschafft haben. Schult ist die einzige Spielerin ohne Länderspiel-Einsatz im Aufgebot, in dem jede Position doppelt besetzt ist.

So schön ist der Frauenfußball

Frauenfußball ist schön! Das beweist nicht nur Celia Okoyino da Mbabi (Deutschland). Zugegeben: Mit verbissenem Gesicht im Schlabbertrikot macht nicht jede Kickerin eine schöne Figur. Aber auch im Jersey sind viele Kickerinnen sehr attraktiv anzusehen - und erst recht neben dem Platz. © Getty
Wir nehmen Sie mit auf einen Streifzug durch die Schönheit des Frauenfußballs. Und zeigen Ihnen die hübschesten Fotos von Athletinnen aus aller Welt mit Schwerpunkt Deutschland - es sind übrigens auch Kickerinnen dabei, die ihre Karriere schon beendet haben. Das Foto zeigt Alexandra Popp (Deutschland) © Getty
Kim Kulig und Kristina Gessat (Deutschland) © Getty
Turid Knaak (Deutschland) © Getty
Sarah Günther (Deutschland) © Getty
Sarah Günther (Deutschland) © Getty
Celia Okoyino da Mbabi (Deutschland) © Getty
Anna Paulson (Schweden) © Getty
Stina Segerstrom (Schweden) © Getty
Anneli Giske (Norwegen) © Getty
Ursula Holl, Kim Kulig (Deutschland) © Getty
Fatmire Bajramaj, Martina Müller (Deutschland) © Getty
Manoe Meulen (r., Niederlande) © dpa
Fatmire Bajramai (r) und Anja Mittag (Deutschland) © dpa
Fatmire „Lira“ Bajramaj (Deutschland) © Getty
Simone Laudehr (Deutschland) © DFB/Horst Hamann
Birgit Prinz (Deutschland) © DFB/Horst Hamann
Kerstin Garefrekes (Deutschland) © DFB/Horst Hamann
Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Inka Grings (Deutschland) © Getty
Anja Mittag (l.) und Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Anja Mittag und Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Anja Mittag und Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Fatmire Bajramaj (Deutschland) © Getty
Inka Grings (Deutschland) © Getty
Inka Grings (Deutschland) © Getty
Simone Laudehr (Deutschland) © Getty
Simone Laudehr (Deutschland) © Getty
Simone Laudehr (Deutschland) © Getty
Simone Laudehr (Deutschland) © Getty
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Lisa Weiß (Deutschland) © Getty
Ursula Holl (Deutschland) © Getty
Fatmire Bajramaj (Sturm) © Getty
Celia Okoyino da Mbabi (Sturm) © Getty
Turid Knaak (Deutschland) © Getty
Marina Hegering, Anne Bartke, Turid Knaak und Alexandra Popp (Deutschland) © Getty
Svenja Huth, Marina Hegering, Anne Bartke, Turid Knaak, Alexandra Popp und Kristina Gessat (Deutschland) © Getty
Alexandra Popp (Deutschland) © Getty
Dzsenifer Marozsan (Deutschland) © Getty
Julia Simic (Deutschland) © Getty
Esther Sunday (Nigeria) © Getty
Lena Goessling (Deutschland) © Getty
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Anna Sjostrom (Schweden) © Getty
Sonja Fuss (Deutschland) © Getty
Anja Mittag, Celia Okoyino da Mbabi (Deutschland) © Getty
Julia Simic (Deutschland) © Getty
Nadine Kessler (Deutschland) © Getty
Navina Omilade (Deutschland) © Getty
Nia Künzer (Deutschland) © Getty
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Kosovare Asllani (l., Schweden) © Getty
Annike Krahn, Lisa Weiss (Deutschland) © Getty
Nadine Angerer, Ariane Hingst  (Deutschland) © Getty
Leonie Maier (Deutschland) © Getty
Turid Knaak (Deutschland) © Getty
Katie Chapman (England) © Getty
Fatmire Bajramaj, Martina Müller (Deutschland)  © Getty
Nia Künzer (Deutschland) © Getty
Das wird eine schöne WM! © Getty/Montage

Die meisten Spielerinnen stellen Vizemeister 1. FFC Frankfurt und der FCR Duisburg. Beide Klubs sind mit sechs Frauen vertreten. Der deutsche Meister Turbine Potsdam stellt drei Spielerinnen. „Diese Spielerinnen genießen mein vollstes Vertrauen. Das Aufgebot ist ausgewogen besetzt. Ich hoffe, wir können das Potenzial bei der WM abrufen. Es ist noch einiges zu tun, um top vorbereitet ins Turnier zu gehen“, sagte Neid.

Am 21. Juni, fünf Tage vor dem Eröffungsspiel gegen Kanada im Berliner Olympiastadion, trifft sich das Team in der Hauptstadt. In den weiteren Vorrunden-Partien spielen die Deutschen gegen Nigeria und Frankreich. Zuvor stehen noch zwei Lehrgänge sowie Test-Länderspiele gegen Italien (3. Juni), die Niederlande (7. Juni) und Norwegen (16. Juni) auf dem Programm.

Der deutsche WM-Kader im Überblick:

Tor: Nadine Angerer (1. FFC Frankfurt), Ursula Holl (FCR Duisburg), Almuth Schult (Magdeburger FFC)

Abwehr: Saskia Bartusiak (1. FFC Frankfurt), Babett Peter (Turbine Potsdam), Annike Krahn (FCR Duisburg), Linda Bresonik (FCR Duisburg), Bianca Schmidt (Turbine Potsdam), Lena Goeßling (SC Bad Neuenahr), Verena Faißt (VfL Wolfsburg)

Mittelfeld: Simone Laudehr (FCR Duisburg), Melanie Behringer (1. FFC Frankfurt), Celia Okoyino da Mbabi (SC Bad Neuenahr), Kim Kulig (Hamburger SV), Ariane Hingst (1. FFC Frankfurt), Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt), Fatmire Bajramaj (Turbine Potsdam)

Angriff: Inka Grings (FCR Duisburg), Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt), Martina Müller (VfL Wolfsburg), Alexandra Popp (FCR Duisburg)

sid

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