Neuer Jugendstil sorgt für "Jahrhundertchance"

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Heiko Herrlich und die SpVgg Unterhaching haben mit ihrem Jugenstil aus der Not eine Tugend gemacht.

Unterhaching - Die SpVgg Unterhaching will aus der Not- eine Dauerlösung machen und verstärkt auf die Jugend setzen. Die Suche nach Hauptsponsor geht weiter.

Ein Verein zwischen den Extremen: Fußball-Drittligist Spielvereinigung Unterhaching stand vor der Saison aus finanziellen Gründen bereits fast vor dem Aus und musste um die Lizenz bangen. Doch die Rettung gelang dank harter Einschnitte. Jetzt zählt das Team von Trainer Heiko Herrlich zu den Überraschungsmannschaften der Liga. In der Führungsetage ist sogar von einer Jahrhundertchance die Rede - trotz zuletzt zweier Niederlagen in Serie.

Bundesligatrainer und ihr Weg zur ersten Chefstelle

Dieter Hecking (Nürnberg) begann beim SC Verl. Über den VfB Lübeck kam er 2004 zur Alemennia aus Aachen, mit der er 2006 den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. © getty
Frank Schaefer (Köln) arbeitete ab 1982 in der Jugendabteilung des 1. FC Köln. 1997 übernahm er für fünf Jahre die U19 von Bayer Leverkusen. 2003 kehrte er zu Köln zurück und übernahm dort Ende 2010 den Chefposten von Zvonimir Soldo. © getty
Marco Kurz (Kaiserslautern) coachte in der Regionalliga den SC Pfullendorf. Sein Weg zum 1. FC Kaiserslautern, mit dem er 2010 in die Bundesliga aufstieg, führte über die zweite und erste Mannschaft von 1860 München. © getty
Mirko Slomka (Hannover) trainierte schon einmal in Hannover. Zwischen 1989 und 1999 die Jugendteams und später noch einmal als Co-Trainer, ehe er im Oktober 2004 von Schalke 04 als Co-Trainer engagiert wurde. Dort stieg er im Januar 2006 zum Chefchoach auf. © getty
Felix Magath (Wolfsburg) fungierte bei Bremerhaven als Spielertrainer. Danach übernahm er die Amateurmannschaft des HSV und stieg dort 1993 zum Co-Trainer auf. 1995 beförderte man den späteren Meistertrainer zum Cheftrainer. © getty
Jürgen Klopp (Dortmund). Der designierte Meistertrainer des BVB wurde nur drei Tage nach seinem letzten Spiel in der zweiten Liga für Mainz zum Chefcoach ernannt. 2004, drei Jahre danach, stieg er mit dem FSV in die erste Liga auf, wo er mit dem Karnevalsverein überraschend eine sehr gute Rolle spielte. © getty
Bruno Labbadia (Stuttgart) bekam seine erste Anstellung 2003 bei Darmstadt 98 in der Regionalliga. Von dort kam er über Greuther Fürth 2008 zu Bayer 04 Leverkusen. © getty
Marco Pezzaiuoli (Hoffenheim) war zwischen 1991 bis 2003 beim KSC tätig. Danach wurde er Co-Trainer in Südkorea. Zwischen 2007 und 2010 betreute er diverse Jugendabteilungen des DFB, bevor er Assistenztrainer von Ralf Rangnick wurde. Nach einem Transferstreit zwischen Rangnick und Mäzen Hopp erhielt Pezzaiuoli Anfang 2011 die Chance als Cheftrainer. © getty
Robin Dutt (Freiburg) sammelte erste Erfahrungen als Spielertrainer bei der TSG Leonberg. Über TSF Ditzingen und die Stuttgarter Kickers kam er zum SC Freiburg, wo er Volker Finke nach 16 Jahren als Trainer ablöste. © getty
Jupp Heynckes (Leverkusen), der älteste Bundesligatrainer, wurde 1978/79 erst Co-Trainer in Mönchengladbach, ehe er dort zum Cheftrainer aufstieg und seit dem national und international zahlreiche Meisterschaften und Pokale gewann. © getty
Lucien Favre (Gladbach) begann seine Trainerkarriere in seinem Heimatland Schweiz bei der Jugend des FC Echallens. 1999 schaffte er dann den Sprung mit Yverdon-Sport in die erste Liga. Bekannt in der Bundesliga wurde er durch seine Verpflichtung von Hertha BSC. © getty
Thomas Tuchel (Mainz) coachte sechs Jahre lang Juniorenteams u.a. beim VfB Stuttgart und FC Augsburg. Als er die U19 vom FSV Mainz trainierte, entließ Manager Heidel Jörn Andersen eine Woche vor Saisonbeginn. Tuchel führte Mainz in seiner ersten Saison auf den neunten Rang. © getty
Holger Stanislawski (St. Pauli), ehemaliger Profi des FC St. Pauli, übernahm im November 2006 "seinen" Verein in der Regionalliga und führte diesen binnen vier Jahren in die erste Liga. © getty
Thomas Schaaf (Bremen) ist seit über zehn Jahren Cheftrainer beim SV Werder Bremen. Davor trainierte er die B- und A-Jugend sowie die Amateurmannschaft des SV Werder Bremen, bevor er Felix Magath 1999 ablöste. © getty
Michael Oenning (Hamburg, hier l.) musste sich von ganz unten nach oben arbeiten. Angefangen hat seine Trainerkarriere als Verbandssportlehrer in Baden Württemberg. Danach ging er zum DFB (U18-U20), ehe ein Bundesligaverein ihn als Co-Trainer engagierte. 2008 schenkte man Oenning in Nürnberg, mit denen er aufstieg, das Vertrauen als Cheftrainer. © getty
Ralf Rangnick (Schalke) begann 1983 seine Trainerkarriere bei seinem ehemaligen Verein FC Viktoria Backnang. Von 1985 an trainierte er Teams in unteren Ligen, ehe der SSV Reutlingen ihn als Cheftrainer holte. Seine erste Bundesligaerfahrung als Coach sammelte Rangnick 1999 beim VfB Stuttgart. © getty
Christoph Daum (Frankfurt) beendete seine Spielerkarriere bei den Köln Amateuren, wo er seine erste Trainerstelle ausführte. Dort wurde er in der Saison 1985/1986 erst zum Co-Trainer und 1986 zum Cheftrainer ernannt. Vom Rhein aus ging es durch einige Vereine aus Deutschland und Europa (vorwiegend Türkei) zurück zur Eintracht. © getty
Andries Jonker (Bayern) wurde 1997 bis 1999 Co-Trainer beim FC Volendam in Holland. Nach dem Abstieg in die zweite holländische Liga wurde er in Volendam zum Cheftrainer befördert. Von dort holte ihn Louis van Gaal zu Barcelona. Seine erste Chefstelle als Erstligatrainer bekam er 2007 bei Willem II Tilburg. Wieder war es Louis van Gaal, der ihn als Co-Trainer wegholte. Nun übernimmt Jonker die Bayern für fünf Spiele. © getty

Vor zwei Spieltagen hatte die Spielvereinigung noch die Möglichkeit auf die Tabellenführung. Doch die Partie gegen Werder Bremen II ging 0:2 verloren. Es folgte ein 1:2 gegen den VfB Stuttgart II und der Absturz auf Tabellenplatz zehn. “Natürlich kannte jeder vor dem Bremen-Spiel die Tabelle, vielleicht war der Druck zu hoch“, sagt Stürmer Mijo Tunjic. Der 23-Jährige ist einer der Erfolgsgaranten der jungen Mannschaft (Durchschnittsalter: 21,8), die vor Saisonbeginn als Abstiegskandidat gehandelt wurde. Er schoss in den ersten zehn Ligaspielen bereits sechs Tore - genau so viele, wie in der gesamten Vorsaison. Zudem traf er in der ersten Runde des DFB-Pokals beim 3:2-Sensationserfolg gegen Bundesligist SC Freiburg gleich zweimal.

Schwabl: “Wir hatten keine Wahl“

Der Klub hatte vor der Spielzeit zahlreiche Tiefschläge hinnehmen müssen. Nach dem Abstieg aus der zweiten Liga war der Trikotsponsor abgesprungen. Der Etat wurde um die Hälfte auf 1,3 Millionen gekürzt, fast 20 Spieler verließen den klammen Verein. Der Umbruch hatte eine Verjüngung der Mannschaft zur Folge. Es wurden Talente aus dem eigenen Nachwuchs in die erste Mannschaft geholt und Jungspieler aus unteren Ligen verpflichtet: “Wir hatten keine andere Wahl“, sagt Sportdirektor Manfred Schwabl, der als Spieler für den FC Bayern und 1. FC Nürnberg aktiv war.

Der 45-Jährige sieht in dem Neuanfang mehr als eine Notlösung: “Der Verein hat jetzt eine Jahrhundertchance. Wir können das Fundament so stärken, dass das Haus nicht mehr zusammenbricht.“ Dabei sieht er eine Transferpolitik vor, die nicht auf fertige Spieler setzt: “90 bis 95 Prozent müssen wir selbst hervorbringen.“ Nur so habe der Verein, der 1999 erstmals in die Bundesliga aufstieg und zwei Jahre später wieder abstieg, auf Dauer auch finanziell eine Chance. Denn Unterhaching hat zwar die Lizenz für diese Saison erhalten, ist aber weiterhin auf der Suche nach einem Hauptsponsor.

Tunjic: “Ich will in den nächsten zwei, drei Jahren nach oben“

Auf zusätzliche Einnahmen wie die 250.000 Euro TV-Geld durch das Erreichen der zweiten DFB-Pokal-Runde ist der Klub angewiesen. Auch Spielerverkäufe sollen künftig als zusätzliche Einnahmequelle dienen, was die Arbeit von Trainer Heiko Herrlich erschweren dürfte. So sagt etwa Stürmer Tunjic: “Ich will in den nächsten zwei, drei Jahren nach oben - am liebsten mit Unterhaching.“ Doch der Absteiger gibt sich weiterhin bescheiden und bleibt beim Saisonziel Klassenerhalt. Auch in den nächsten Jahren will Schwabl den Aufstieg nicht als Ziel vorgeben: “Es darf kein Muss sein. Wenn etwas muss, dann geht es meistens nicht.“

Tunjic hat nur noch bis Saisonende Vertrag und könnte Begehrlichkeiten finanzstärkerer Klubs wecken. Doch noch arbeitet er in Unterhaching an seinen Zielen und betont: “Wir sind nur einen Punkt von Relegationsplatz drei entfernt.“

dapd

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