Niersbach: "Die Merkel ist eine wie der Franz"

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DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit Kanzlerin Angela Merkel ( CDU)

München - Im zweiten Teil des großen tz-Interviews spricht DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über den Kaiser - und darüber, was Franz Beckenbauer mit Kanzlerin Angela Merkel verbindet. 

Herr Niersbach, die Bundesliga boomt, es ziehen aber auch Wolken auf. Die Krawalle der Fans machen Sorgen, Schalkes Klubchef Clemens Tönnies forderte jüngst einen runden Tisch und drastische Maßnahmen. Was wird der DFB unternehmen?

Niersbach: Eines möchte ich feststellen: Die, die Rauchbomben zünden oder Zuschauer angreifen, sind keine Fans. Das sind Chaoten, Gewalttäter.

Gibt es konkrete Maßnahmen, die in der kommenden Spielzeit greifen?

Niersbach: Das Thema kann nicht der DFB allein lösen, auch nicht der Ligaverband oder einzelne Vereine. Die jüngsten Vorkommnisse zeigen, dass es Zeit ist, neue Wege zu gehen. Wir werden uns mit der Polizei, der Justiz und den Strafverfolgungsbehörden an einen Tisch setzen, um Lösungen zu finden. Aber klar ist: Der Fußball kann nicht alles regeln. Wenn Kölner dem Leverkusener Spieler Kadlec die Nase brechen, dann ist das nicht die Schuld des 1. FC Köln.

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Was passiert nun?

Niersbach: Wir werden uns noch vor der kommenden Saison mit den Präsidenten aller Klubs der ersten drei Ligen zusammensetzen und auf Grundlage der Arbeitsergebnisse unserer Task Force Sicherheit die weiteren Maßnahmen besprechen.

Sie treffen Politiker, Topleute aus der Wirtschaft, Prominente aus Sport und Unterhaltung. Wie bleibt man da normal?

Niersbach: Da brauchen Sie sich nur Franz Beckenbauer anzuschauen. Franz ist der normalste Mensch der Welt. Er hat null Allüren. Er ist pünktlich. Er ist zuverlässig. Er ist zu jedermann freundlich, egal, ob es der Taxifahrer, der Hotelportier oder der Bundespräsident ist. Da ist nichts Aufgesetztes. Franz ist ein Phänomen.

Dabei könnte er sich angesichts seiner Erfolge ein paar Allüren leisten…

Niersbach: Ihm würde man das sogar ein wenig nachsehen. Aber das gibt es nicht bei ihm. Kürzlich war ich bei unserem ehemaligen DFB-Arzt Heinrich Heß zum 80. Geburtstag eingeladen. An dem Tag rief der Franz an. Ich sagte, Franz, wenn du da mitkommen würdest, würde der Heini sich sehr freuen. Franz sagte: Ja mei, mach’ ich. Rund 200 Leute waren da. Ich ging ans Mikro, sagte, dass ich Verstärkung mitgebracht hätte. Da ging die Tür auf, der Franz kam rein, und Jubel brach aus.

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Das sind Ausnahmen, oder nicht?

Niersbach: Ich nenne gern einen anderen Namen: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Sie behaupten, Frau Merkel ist trotz ihrer herausragenden Stellung „normal“ geblieben?

Niersbach: Ja. Ich habe ihr während des Pokalfinales beiläufig erzählt, dass unsere U 17-Nationalmannschaft in Lubljana im EM-Finale steht. Montagmorgen habe ich dann eine SMS von ihr bekommen, in der sie schrieb, dass sie den Jungs die Daumen drückt. Das ist doch unglaublich sympathisch.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Fußball-Kindheit?

Niersbach: Fortuna Düsseldorf stieg 1966 auf. Borussia Dortmund hatte gerade den Europacup gewonnen. Das erste Heimspiel der Borussia fand in der Rote-Erde-Kampfbahn gegen Düsseldorf statt. Fortuna gewann 2:1. Drei Minuten vor Schluss schoss Peter Meyer den Siegtreffer. Ich stand mit einer Riesenfahne in der Kurve. Samstags war die Fahne Fortuna-rot-weiß, sonntags in DEG-Farben. Meine Mutter hatte sie mir genäht.

Interview: Thomas Gassmann, Christian Knop

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