Platzsturm und Spielabbruch

Skandal-Derby in Frankreich - Ehemaliger Bayern-Star sieht unwirkliche Gewalt-Szenen

In der französischen Ligue 1 kam es zu einem skandalösen Zwischenfall. Das Derby zwischen Nizza und Marseille wurde nach Ausschreitungen abgebrochen.

Nizza - Glasgow, Belgrad, London, Liverpool, Mailand, Istanbul oder der Ruhrpott: Es gibt Fußball-Duelle, die vor alter Rivalität nur so triefen. Diese Derbys sind meistens die ganz großen Highlights der Saison, Fans und Spieler fiebern Monate darauf hin. Auch in Frankreich gibt es ein solches Prestigeduell. Wenn es im Süden unseres Nachbarlandes zum Aufeinandertreffen zwischen Nizza und Marseille kommt, kann es schon einmal zur Sache gehen. Bislang lief dieses Derby wohl eher unter dem Rader europäischer Fußball-Fans - am Sonntag eskalierte die Feindschaft aber.

Das Spiel der Ligue 1* musste nach 75 Minuten abgebrochen werden. Im Fokus stand dabei Marseille-Star Dimitri Payet. Die Nizza-Fans hatten ihn und seine Kollegen während der kompletten Partie provoziert und mit Gegenständen beworfen. In der Schlussphase platzte dem Super-Dribbler dann der Kragen. Als wieder einmal Plastikflaschen in seine Richtung flogen, wurde er getroffen. Anschließend feuerte er selbst eine Flasche in Richtung des OGC-Fanblocks zurück. Unschöne Szenen, unwirkliche Szenen im Derby de la Côte d‘Azur!

Ligue 1: Skandal-Derby zwischen Nizza und Marseille - Ex-Bayern-Star Dante mittendrin

Es folgte ein Platzsturm der aufgeheizten Nizza-Fans. Auf dem Rasen kam es zu einem Tumult, die Ordner hatten keine Chance, die Anhänger zurückzuhalten. Die Profis der beiden Teams waren mittendrin, unter anderem der ehemalige Bayern-Star Dante. Der Brasilianer spielt seit 2016 für OGC.

Der Schiedsrichter unterbrach daraufhin die Begegnung in der 75. Minute beim Stand von 1:0 für Nizza und schickte beide Mannschaften in die Kabine. Nizzas Präsident Jean-Pierre Rivere versuchte, die Fans zu beruhigen. Nach über einer Stunde Unterbrechung wurde das Spiel abgebrochen, nachdem die Marseille-Spieler* sich weigerten, auf das Spielfeld zurückzukehren.

Die Liga habe beschlossen, das Spiel wieder aufzunehmen, sagte Marseilles Präsident Pablo Longoria in einem Video an die Medien: „Wir haben zur Sicherheit unserer Spieler, die beim Platzsturm angegriffen wurden, beschlossen, das Spiel nicht fortzusetzen, da die Sicherheit unserer Spieler nicht gewährleistet war.“

Nizza - Marseille: Spielabbruch in Frankreich - Präsidenten gehen sich an den Kragen

Auch Benoit Payan, Bürgermeister von Marseille, unterstützte die Entscheidung. „Verletzte Spieler, schlechte Sicherheitsvorkehrungen. Eine traurige Entscheidung, aber das Spiel durfte nicht wieder angepfiffen werden. Ich bin stolz auf mein Team, das sich nicht auf diese Scharade eingelassen hat“, schrieb er auf Twitter.

Die Gastgeber aus Nizza wollten weiterspielen. „Das Spiel hätte fortgesetzt werden können“, sagte Rivere: „Ich bin überzeugt, dass es sehr gut gelaufen wäre. Leider wollte Marseille das Spiel nicht fortsetzen.“

Longoria bezeichnete die Szenen derweil als „völlig inakzeptabel“ und forderte Sanktionen, es müsse „ein Präzendenzfall für den französischen Fußball“ geschafft werden. In der Präsidenten-Loge gerieten Rivere und Longoria aneinander. „Sie packten sich gegenseitig am Kragen, die Leibwächter mussten sie trennen“, sagte ein Zeuge der Szene der Nachrichtenagentur AFP. (akl/sid) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Valery HACHE / AFP

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