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Özil-Rücktritt! So reagieren die bayerische Amateur-Kicker mit türkischen Wurzeln

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Mesut Özil ist ein Vorbild für viele Amateur-Fußballer Oberbayerns mit türkischen Wurzeln. Wir haben uns an der Basis umgehört und Stimmen zum Rücktritt des Arsenal-Stars gesammelt.

Am Ende gipfelte es in einer Schlammschlacht. Nach harscher Kritik wegen seines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat sich Mesut Özil nach wochenlangem Schweigen auf Twitter zu Wort gemeldet. Der Spielmacher des FC Arsenal kritisierte vor allem den DFB und dessen Präsident Reinhard Grindel und verkündete seinen Rücktritt aus dem DFB-Team. 

Nach 92 Länderspielen mit dem Adler auf der Brust ist also Schluss für den Edeltechniker. Özil war und ist ein Vorbild für viele Amateur-Kicker mit Migrationshintergrund. Fussball Vorort hat sich an der Basis umgehört, wie die Amateure mit türkischen Wurzeln die Situation bewerten. 

Folgende Fragen haben wir gestellt

1. Wie findest Du den Rücktritt von Özil? 

2. Wie findest Du seine Begründung, hat er Recht mit seiner Analyse? 

Yasin Yilmaz 

Alter: 29 

Wohnort: München 

Verein: SV Türkgücü-Ataspor München (Bayernliga)

1. Ich finde den Rücktritt in Ordnung und richtig. 

2. Seine Begründung ist schwierig zu bewerten, weil eigentlich ganz Deutschland auf eine Entschuldigung gewartet hat. Er hat mit ein paar Aussagen recht und mit anderen eher weniger. Aber das Thema ist zu umfassend und schwer zu bewerten, weil es einfach zig-tausend Meinungen gibt.

Samet Yazir 

Alter: 20 

Wohnort: Aubing 

Verein: FC Anadolu Bayern (Bezirksliga Süd)

1. Der Rücktritt war absolut richtig. 

2. Natürlich hat er recht. Es ist ja jedem selbst überlassen, wen er trifft und wen nicht. Es kann nicht sein, dass er als Sündenbock dargestellt wird. Die ganze Leistung des DFB war schlecht. Deshalb ist es die richtige Entscheidung von Özil.

Ilker Yildiz 

Alter: 34 

Wohnort: Freising 

Verein: SpVgg Eichenkofen (A-Klasse /, Donau/Isar)

1. Ich finde, dass er den richtigen Schritt gemacht hat, das hat weder sportlich noch medial gepasst. 

2. Schwierig. Natürlich sollte die Politik nicht in den Sport einwirken, jedoch wirkt sie heutzutage überall mit ein. Ich versteh ihn irgendwo. Nur da stellt sich die Frage, ob das sein musste und weshalb nicht gleich eine Äußerung nach dem Foto kam, so dass sich das Ganze erst gar nicht hochschaukelt. Jedoch darf man nicht vergessen, dass er türkische Wurzeln hat und eventuell die Sache nicht unbedingt politisch betrachten. Denn wenn er politische Absichten haben sollte, so könnte er die auch anderweitig wirken lassen.

Kadir Alkan 

Alter: 38

Wohnort: München 

Verein: Teammanager SV Türkgücü-Ataspor München 

1. Der Rücktritt ist absolut nachvollziehbar, da er selber auch weiß, dass es sportlich keine Zukunft geben wird in der Nationalmannschaft. 

2. Die Beweggründe, die er genannt hat, können nur Menschen mit Migrationshintergrund nachvollziehen. Mit seiner Abrechnung kann er auch dem DFB helfen, sich auf allen Positionen zu hinterfragen und komplett neu aufzustellen, um in der Zukunft die gesteckten und ambitionierten Ziele zu erreichen. Er hat kein Vertrauen mehr gespürt.

Sinan Neumaier-Süngüoglu 

Alter: 28 

Wohnort: München 

Verein: FC Anadolu Bayern (Bezirksliga Süd)

1. Es war abzusehen, dass das ganze schmutzig wird. Es ist die einzig richtige Entscheidung, die er getroffen hat. Es ist für beide Seiten besser, in der Nationalelf wird man ihm auch nicht nachtrauern. 

2. Es ist ein ganz heikles Thema. Aus der Geschichte mit dem Erdoğan-Foto und der Politik, da ist es schwer rauszukommen! Ich finde es stark von Özil, dass er sich dazu bekennt und sagt, dass er genau das gleiche nochmal machen würde. Jetzt wissen auch alle, warum er sich während der WM nicht geäußert hat, weil diese Meinung niemand unterstützt hätte. Vom Sportlichen her gebe ich Hoeneß recht. Er zeigt seit Jahren keine konstant gute Leistung, die ein Spieler auf dem Niveau eigentlich zeigen sollte. Das Problem ist, dass Özil bis zum Foto sportlich nie in Frage gestellt wurde und unverzichtbar bei der Nationalelf war. Er denkt sich bestimmt, ich spiele so wie immer und auf einmal kommt so etwas gegen mich. Er hat dann etwas weit ausgeholt, wo ich ihm nicht recht gebe, aber als DFB lasse ich ihn entweder daheim und nehme ihn nicht mit zur WM oder ich stehe dann auch hinter meinen Spieler. Wenn ich mich für ihn entscheide, werfe ich ihn nicht den Medien als Sündenbock zum Fraß vor.

Muhammed Aladdinoglu 

Alter: 23 

Wohnort: München 

Verein: SV Heimstetten (Bayernliga)

1. Özil alles richtig gemacht. Das ganze hat mit dem Fußball nichts mehr zu tun gehabt. Über seine schlechte Leistung bei der WM brauchen wir nicht zu diskutieren. Allerdings hat die komplette Mannschaft eine sehr schwache Leistung gezeigt. Wegen dem Foto standen er und Gündogan im Mittelpunkt und alles wurde auf die beiden geschoben. Das finde ich bodenlos von den deutschen Medien. Sie waren halt einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Wäre das ganze vor vier Jahren passiert, als Deutschland Weltmeister wurde, würde man darüber lachen. 

2. Mit seiner Analyse hat er zu 100 Prozent recht. Das ganze würde sich nur in die Länge ziehen und bei jedem schlechten Spiel wäre Özil im Mittelpunkt.

Deniz Bakanoglu 

Alter: 36 

Wohnort: Neuperlach 

Verein: FC Munzur (A-Klasse 5, München)

1. Als gebürtiger Münchener bin ich seit jeher Deutschland-Fan. Als der Kader benannt wurde, hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Durch die Nominierung von Manuel Neuer wurde das Leistungsprinzip außer Acht gelassen. Die Stimmungslage der Bayern-Spieler und insbesondere die Auftritte in den beiden letzten Spielen gegen VfB Stuttgart und Eintracht Frankfurt waren besorgniserregend. Hinzu kommt, dass Toni Kroos, der sich auf der Welt hinter den ganz großen Stars wie Neymar, Messi oder Ronaldo anstellen muss trotz eigener schlechter Leistungen immer nur am Kritisieren war. Wir können jetzt die Probleme der Mannschaft beliebig weiter ausbreiten, leider waren die Medien nur mit dem Erdogan-Foto beschäftigt und haben bis auf den letzten Drücker erbarmungslos auf Gündogan und Özil draufgeschlagen. Die Körpersprache der beiden bei der WM haben eigentlich schon auf eine beunruhigende Psyche hingedeutet. Der Rücktritt ist die logische Folge der ganzen übertriebenen und zum Teil unsachlichen Berichterstattung. 

2. Ich denke, dass das Treffen mit Erdogan für die Jungs selber keine allzu große Bedeutung hatte. Ich vermute einen Gefallen für die Familien. Und nachdem das Ganze ausgeartet ist und Özil sich den Rücktritt in den Kopf gesetzt hat, wollte er zumindest woanders wieder etwas Gut machen. Durch diese Analysen bzw. Aussagen hat er sich einen Heldenstatus in der gesamten türkischen und muslimischen Welt erlangt. Da jetzt auf den Inhalt einzugehen, ist für mich sekundär, denn die Absicht war eine andere und sie war erfolgreich.

Ender Dag 

Alter: 27 

Wohnort: München 

Verein: SC Olching (Landesliga Südwest)

1. Özil hat in Teilen schon Recht mit dem, was er sagt. Das Özil-Bashing durch die Fans, die Medien und sogar durch den DFB war völlig überzogen. Im Grunde war es schon fast eine Hexenjagd. Ich finde es auch sehr geil von ihm, dass er DFB-Präsident Reinhard Grindel so die Meinung geigt, denn wie er sich in der Phase benommen hat, war eine Katastrophe und eines DFB-Präsidenten nicht würdig. Auch der Hinweis mit "Wenn ich gut spiele, bin ich Deutscher, wenn nicht, dann Ausländer" ist durchaus richtig und wird von einigen anderen geteilt wie z.B. Lukaku (Kongo/Belgien) oder Benzema (Algerien/Frankreich). Das ist aber schon eher eine generelle Problematik. 

2. Özil schiebt sich selbst zu sehr in die Opfer-Rolle und ist sich keiner Schuld bewusst ist. Er hätte sich dessen bewusst sein müssen, was ein Foto mit Erdogan zur Wahlkampfzeit für ein mediales Echo bewirken würde. Dass er dann auf das Foto von Matthäus mit Putin und das Abspringen von Sponsoren verweist, lenkt von der eigentlichen Sache ab. Er hat einige Missstände in Deutschland und beim DFB sehr gut aufzeigt. Er zeigt aber auch keinerlei Selbstreflexion und schiebt die Schuld komplett auf andere.

Dass er unter dieser personellen Konstellation beim DFB nicht mehr weiter spielen will, finde ich nur konsequent und auf alle Fälle richtig. Er ist ein verdienter Spieler des DFB, wurde aber von eben jenem Sportverband öffentlich für eine verkorkste WM an den Pranger gestellt als Sündenbock.

Emre Arik 

Alter: 21 

Wohnort: München 

Verein: SV Türkgücü-Ataspor München 

1. Das war die richtige Entscheidung. Hätte er weiter gemacht bei der Nationalmannschaft, dann würde dieses ganze Theater was die Medien etc. berichtet haben, weitergehen. Für einen Fußballer wäre das psychisch eine enorme Belastung. 

2. Er hat vollkommen recht. Wäre alles gut gelaufen bei der Weltmeisterschaft, dann hätte niemand was gesagt. Aber leider war es nicht so. Die ganzen Medien usw. haben so viel Müll geschrieben. Das hat der Mannschaft geschadet und extrem viel Unruhe gebracht.

Emrah Kirkulak

Alter: 30 

Verein: Trainer Istanbul Moosburg (Kreisklasse 1, Donau/Isar)

1. Ich verstehe, dass er zurückgetreten ist. Besser wäre es gewesen, er hätte die WM gar nicht gespielt, denn die Reaktionen von DFB, Fans und Medien waren krass. 

2. Ich verstehe die Aufregung nicht, weil Özil hat sich schon früher mit Erdogan fotografieren lassen. Der Zeitpunkt – vor einer Wahl und einer WM – war schlecht. Man muss Fußball und Politik trennen.“ 

Özcan Yildiz

Alter: 28 

Verein FC Emmering (Kreisklasse 1, Zugspitze)

1. Ich finde gut, dass er zurückgetreten ist, da sowohl der DFB als auch die Politik nicht hinter ihm standen. Ich wäre an seiner Stelle sogar schon vor der WM zurückgetreten. 

2. Sein Zitat ,bei Siegen war ich Deutscher, bei Niederlagen Türke’ sehe ich leider genauso. Die Deutsche Nationalmannschaft hat bei der WM einfach insgesamt schlecht gespielt, aber keiner redet über die Leistungen von Müller oder Draxler.“

Umfrage: Tobias Empl, mac, jb

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