DFB-Teammanager ärgert sich

Bierhoff: ARD und ZDF haben kein Herz für Familien

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Oliver Bierhoff wünscht sich ein familienfreundliches Länderspiel einmal pro Jahr.

München - Oliver Bierhoff fordert von ARD und ZDF einmal im Jahr ein Länderspiel der DFB-Elf zu einer familienfreundlichen Anstoßzeit und mit reduzierten Preisen. Doch die öffentlich-rechtlichen Sender sind dagegen.

Manager Oliver Bierhoff (46) rückt seine Sonnenbrille zurecht, trinkt einen Kaffee und gibt einem Knirps ein Autogramm. Er sitzt im Hotel Costa Brasilis. Es ist das Medienzentrum, in dem ARD und ZDF mit ihren Hunderten Mitarbeitern eine TV- und Radiostadt aufgebaut haben. Bierhoff schaut auf den Atlantik. Die Wellen branden auf. „Schön hier, oder?“

Dann verrät er der tz eine Geschichte, die noch schöner wäre. Es wäre eine TV-Sensation…

„Ich fände es gut, wenn wir als DFB mal ein Länderspiel für die Familien machen würden“, sagt der Europameister von 1996, „das ist mir ein großes Anliegen.“

Bierhoffs Idee: Er möchte einmal im Jahr die Nationalmannschaft für Familien mit Kindern attraktiv machen. Keine Anstoßzeit um 20.45 Uhr, wenn die Knirpse bereits im Bett liegen. Keine Eintrittspreise um die 80 Euro, die sich keine normale Familie in Deutschland leisten kann.

Wie könnte das aussehen?

Bierhoff: „Ein Länderspiel zu einer familienfreundlichen Anstoßzeit um 15 Uhr oder 18 Uhr. Mit reduzierten Preisen, damit auch Familien mit ihren Kindern zu einem Länderspiel kommen können.“

ARD und ZDF haben Angst vor einem Quotenabsturz

Der DFB-Manager sagt, dass es bereits intensive Gespräche gebe mit den öffentlich-rechtlichen Sendern. Aber: ZDF und ARD sagen Nein! Das ist ein TV-Skandal!

Denn mit ihrem klaren Nein zu dem Bierhoff-Plan entpuppen sich die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF als reine Quotenjäger, die ihren gesellschaftlichen Auftrag nicht erfüllen!

4,15 Millionen Euro zahlen die öffentlich-rechtlichen Sender an den DFB, um ein Länderspiel zu übertragen. Wo kommt das Geld her? Es sind Gebührengelder. Dennoch weigern sich ARD und ZDF, dem DFB-Plan zuzustimmen. Aus Angst vor einem Quotenabsturz…

Dabei könnten die öffentlich-rechtlichen Sender etwas für ihr Image tun. Sie könnten gemeinsam mit dem DFB aus einem Länderspiel einen Familientag machen. Einen Tag, in dem nicht der Kommerz und die Quote im Vordergrund stehen. Sondern der Fußball, die Kinder, die Familien.

Trotz des Widerstands der Sender kämpft Bierhoff weiter um die Idee. Im Verband ist man begeistert. „Das DFB-Präsidium steht dem sehr positiv entgegen“, sagt der einstige Torjäger, „aber natürlich gilt es, innerhalb der Verträge auch die Bedürfnisse des Fernsehens zu berücksichtigen, mit den TV-Anstalten verbindet uns eine gute Partnerschaft. Wir befinden uns in Gesprächen, es wäre schön, wenn wir da eine gemeinsame Lösung finden würden. Ich hoffe, dass wir das hinbekommen.“ Der Ball liegt nun bei ARD und ZDF.

Thomas Gassmann

 

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