Vor dem Frankreich-Spiel

Bierhoff: Bayern-Spieler müssen es reißen

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Hansi Flick, Jogi Löw und Oliver Bierhoff.

München - Nach dem Spiel gegen Algerien poltern Per Mertesacker und Jogi Löw. Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff hofft dagegen gegen Frankreich auf das FC Bayern-Gen.

Mit den Nerven am Ende: Als sich Bundestrainer Joachim Löw am frühen Dienstagmorgen nach der Rückkehr ins WM-Quartier Campo Bahia vor einer kurzen Nacht sein obligatorisches Glas Rotwein gönnte, war er immer noch aufgewühlt bis zum Anschlag. Und das zu Recht.

Wenige Stunden zuvor hatte der 54-Jährige Qualen erleiden müssen, als sich seine Mannschaft im WM-Achtelfinale dank zweier Treffer von Andre Schürrle (92.) und Mesut Özil (119.) mit Rumpelfußball zum 2:1 (0:0) n. V. gegen Algerien zitterte. Jetzt wartet am Freitag (18.00 Uhr/ARD) im Maracana von Rio de Janeiro im Viertelfinale Frankreich. Alarm, les Bleus! Vorsicht, Jogi, die Franzosen kommen!

„Nach so einem Spiel muss man erst einmal durchschnaufen. Das war am Ende ein Sieg der Willenskraft“, sagte Löw sichtlich gestresst und wirkte dabei äußerst dünnhäutig. „Soll ich mich ärgern, dass wir die nächste Runde erreicht haben? Was erwarten sie eigentlich“, raunzte er, als er gefragt wurde, woher seine gute Laune nach diesem schwachen Auftritt käme.

Per Mertesacker war zuvor richtig ansgefressen, als ZDF-Reporter Boris Büchler das Geschehen auf dem Platz kritisch hinterfragte. „Glauben Sie, unter den letzten 16 ist eine Karnevalstruppe?! Was wollen Sie? Wollen Sie eine erfolgreiche WM oder wollen Sie ausscheiden?“, blaffte der Abwehrspieler den Fragesteller an. Das zeitweise katastrophale Auftreten seiner Mannschaft interessierte den Arsenal-Profi offenbar nicht: „Mir ist völlig wurscht wie, wir sind unter letzten Acht, und nur das zählt“, sagte Mertesacker und beendete dann den Dialog: „Ich lege mich jetzt drei Tage in die Eistonne, dann analysieren wir das Spiel und dann sehen wir weiter.“ Am Dienstag schrieb er auf seiner Facebook-Seite: „Emotionen gehören zum Fußball, auch direkt nach dem Spiel.“

Internationale Verwunderung über schwachen Auftritt

Ob Löw personelle Konsequenzen ziehen wird, ließ er offen. Denkbar ist, dass ­Philipp Lahm auf die rechte Abwehrseite zurückrückt und Sami Khedira an der Seite von Bastian Schweinsteiger die Zentrale bildet. „Man muss abwarten, wie sich der Trainer entscheidet“, gab sich Lahm diplomatisch. Auch Andre Schürrle darf sich Hoffnungen auf die Startelf machen. „Da war natürlich Glück dabei. Es war eines meiner schönsten Tore, aber das mit der Hacke kann ich eben“, sagte der 23-Jährige über seinen Treffer.

International wunderte man sich über den schwachen DFB-Auftritt. „Die Wüstenfüchse versetzen das wankende Deutschland in massive Angst“, titelte der Mirror. Die brasilianische Zeitung O Globo nahm dem DFB sogar seine Favoritenrolle: „Deutschland hat in 120 Minuten jeglichen Status von einem hohen Favoriten auf den WM-Titel abgebaut.“

Oliver Bierhoff hat allerdings genaue Vorstellungen, wie es gegen Frankreich besser werden soll: Er setzt auf das Bayern-Gen. Der Manager der Nationalmannschaft steckt alle Hoffungen in die Erfahrung der Roten, sagte nach dem ersten von hoffentlich vier K.o.-Spielen:

„Mit Sicherheit hilft es, wenn man weiß, was nötig ist, um dahin zu kommen. Denn es ist nun mal so, dass es nicht immer ein glanzvoller Durchmarsch ist. Es gibt auch mal glückliche Siege.“ Was er meint: Die Spieler des FCB haben die Erfahrung mit K.o.-Runden, gute wie schlechte. In den letzten vier Jahren waren die Bayern dreimal im Finale der Königsklasse, haben Auf und Abs erlebt.

Bierhoff weiter: „Gerade bei den Bayern-Spielern war es wichtig nach dem verlorenem Champions-League-Finale, dass da ein wenig der Druck wegfällt, so dass sie nicht als die Spieler gelten, die nicht die großen Spiele gewinnen können. Sie haben gezeigt in London, dass sie es machen können.“ Diese Gewissheit, im entscheidenden Moment dagewesen zu sein, nimmt ihnen niemand.

Sie müssen nur noch ihre Mitspieler mitreißen, ausreichend stark ist die bayrische Gruppe ja. Gegen Algerien standen sieben (!) Spieler des FCB in der Startelf, so viele wie nie bei einem WM-Turnier. Für Bierhoff ist klar: Vor allem die Bayernspieler müssen es reißen. Auch damit Jogi Löw demnächst wieder entspannter seinen Rotwein trinken kann.

Michael Knippenkötter

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