tz-Interview

Bierhoff: ...dann hätte ich meinen Beruf verfehlt

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Oliver Bierhoff ist davon überzeugt, dass das Campo Bahia eine gute Wahl war.

München - Kühl, glatt und unnahbar: Oliver Bierhoff kämpft seit Jahren gegen Vorurteile. Im tz-Interview erzählt er, ob es ihm etwas ausmacht, das Image des Buhmanns zu haben.

Seit Jahren kämpft Oliver Bierhoff (46) gegen die Vorurteile. Kühl sei er, glatt, smart und unnahbar. Kein Mann des Fußballvolkes. Keiner, der Gras frisst. Immer ein wenig abgehoben, distanziert. Der tz-Reporter kennt den Manager seit 30 Jahren. Als Bierhoff noch in der Westdeutschen Auswahl kickte, traf man sich. In Duisburg-Wedau, auf einem Acker. Und ja, Bierhoff war schon damals anders. Dachte nach, bevor er sprach. Schaute über den Tellerrand. Aber kühl und glatt? Die tz sprach mit ihm über die Nationalmannschaft im Elfenbeinturm, sein Image und seine Zukunft.

Lebt die deutsche Nationalmannschaft in einem Elfenbeinturm, Herr Bierhoff?

Bierhoff: Ich kenne die Vorwürfe schon aus meiner Zeit als Spieler…

So massiv wie vor dieser WM war es aber noch nie. Man habe sich auf einer Insel eine Festung gebaut, lautet ein Vorwurf.

Bierhoff: Ich bin seit zehn Jahren Manager der Nationalmannschaft. Ich bin dafür verantwortlich, dass Spieler und Trainer sich bestmöglich auf eine WM vorbereiten können. Und deshalb suche ich ein Quartier aus, das den Teamgeist fördert. Die Vorwürfe, die diesmal kamen, haben mich nicht verunsichert. Ich war von Anfang an vom Konzept im Campo Bahia überzeugt. Letztendlich kommt es doch sowieso nur auf das Ergebnis an. Sind wir erfolgreich, war alles gut. Haben wir keinen Erfolg, spielt auch das beste Quartier der Welt keine Rolle.

Stört es Sie denn nicht, dass Sie das Image des unnahbaren, kühlen Buhmanns haben?

Bierhoff: Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass ich einige Kritiker nicht mehr überzeugen werde. Wichtig ist mir vor allem, wie die Meinung intern ist. Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident; die Red.) hat gesagt, dass es das beste Quartier ist, das er jemals gesehen hat. Das ist für mich entscheidend. Und natürlich das Urteil der Spieler. Auch hier höre ich nur Positives. Ich bin sicher, dass wir uns mit dem Campo Bahia für die optimale Lösung entschieden haben.

Sie polarisieren. Machen Sie das bewusst?

Bierhoff: Nein, jedenfalls nicht als Selbstzweck. Aber es wäre schlimm, wenn ich aus Angst vor Kritik keine neuen Reize setzen würde. Dann hätte ich meinen Beruf verfehlt. Neue Reize setzen heißt ja auch, Konflikte einzugehen und unbequem zu sein. Für mich ist aber wichtig, dass ich von meinem Weg überzeugt bin.

Ständig werden Sie attackiert. Macht das müde?

Bierhoff: Es kostet manchmal Kraft. Aber in meiner Rolle ist dies ein Preis, den ich zahlen muss.

Sind Sie gerne der Buhmann?

Bierhoff (lacht): Nein, natürlich nicht. Ich sehe mich auch nicht permanent in dieser Rolle. Auch ich bekomme lieber Zustimmung. Auf der anderen Seite ist es ein Zeichen von Stärke, wenn man gewisse Dinge auch gegen Widerstand anschiebt. Wer so handelt, kann nicht immer Everybodys Darling sein. Ich manage die deutsche Nationalmannschaft. Dazu gehört es auch mal, unpopuläre Entscheidungen zu treffen.

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Man muss unangenehm sein, um Erfolg zu haben?

Bierhoff: Zumindest geht es nicht, wenn man immer nur den einfachen Weg wählt. Es wurden oft Dinge kritisiert, die später als erfolgreich akzeptiert wurden.

Sie haben Ihren Vertrag bis 2016 verlängert. Gehen Sie Ihren Weg weiter?

Bierhoff: Ja. Ich möchte weiter meinen Teil dazu leisten, die Nationalmannschaft und den Fußball im DFB zu entwickeln.

Egal, wie erfolgreich das Turnier wird?

Bierhoff: Bei der Vertragsverlängerung habe ich gesagt, dass ich keine Option brauche…

Es gibt keine Ausstiegsklausel?

Bierhoff: Von meiner Seite nicht. Ich halte viel von Vertragstreue. Ich kann ausschließen, dass ich mich in dieser Zeit mit einem anderen Angebot beschäftigen werde. Wenn der DFB mich für die nächsten zwei Jahre haben will, werde ich weitermachen. Mit viel Kraft, Energie und Freude für diese spannende Aufgabe.

Unabhängig vom Schicksal des Bundestrainers?

Bierhoff: Wir beide haben immer gesagt, auch unabhängig voneinander arbeiten zu können. Aber daran möchte ich nicht denken.

Glauben Sie, Joachim Löw würde bei einem frühzeitigen Scheitern aufhören?

Bierhoff: Auch er hat einen Vertrag bis 2016. Ich gehe davon aus, dass er ihn erfüllen wird. Aber bei der Nationalmannschaft gibt es eine mediale Dynamik, die niemand einschätzen kann. Ich kann nur sagen: Man spürt, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Aber am Ende zählt nur das Ergebnis. Danach werden der Bundestrainer und auch ich bewertet. Holen wir den WM-Pokal ist alles gut, dann hat alles gepasst. Geht es in die Hose, wird vieles hinterfragt; auch unsere Positionen

Sie kennen Joachim Löw wie kaum ein anderer. Hat er sich im Laufe der Jahre verändert?

Bierhoff: Er hat in den vergangenen Jahren unseren Spielstil in der Nationalmannschaft evolutioniert. Zwischen 2006 und 2008 war es eine Weiterführung des Klinsmann-Fußballs. Ab 2008 hat er ein eigenes Bild erstellt. Er hat den Mut auch unpopuläre Maßnahmen zu treffen. Dazu gehört aktuell gegen die Kritik von außen neben Miroslav Klose keinen echten Stoßstürmer zu nominieren.

Das dürfte Ihnen gar nicht schmecken…

Bierhoff: Wieso?

Sie waren früher der Prototyp eines „echten“ Strafraumspielers.

Bierhoff (lacht): Stürmertypen wie ich sterben aus. Natürlich reden wir darüber. Ich bin ein Freund davon, dass wir Spieler haben, die da reingehen, wo es wehtut. Müller ist so einer, Khedira auch.

Kritiker bemängeln, Deutschland habe nur glatte Fußballer. Es fehlten echte Führungsspieler.

Bierhoff: Das ist Quatsch. Unsere Spieler haben eine starke Meinung. Jedem Spieler ist bewusst, was hier auf dem Spiel steht. Jeder weiß, das ist eine einmalige Chance, jeder hat erkannt, um was es hier in Brasilien geht. Und jeder ist bereit, sich dem Konkurrenzkampf zu stellen. Das war 2012 weniger ausgeprägt.

Interview: Thomas Gassmann

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