Oliver Bierhoff im tz-Interview

Weltmeisterwarnung: Verstecken verboten!

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DFB-Teammanager Oliver Bierhoff.

Köln - Pause? Von wegen Pause… Am Mittwoch bestreitet die Nationalmannschaft einen Test gegen die USA, am Samstag folgt die EM-Quali-Begegnung gegen Gibraltar. Die tz sprach mit Teammanager Oliver Bierhoff über das Jahr nach dem WM-Titel und die Zukunft.

Herr Bierhoff, nach dem Triumph in Rio wurde die Nationalmannschaft mit Ehrungen nahezu überschüttet. Die letzte gab es bei den Laureus Awards in Shanghai. Stolz?

Bierhoff: Vor allem der Laureus hatte eine übergeordnete Bedeutung, ganz einfach weil es ein internationaler Award ist. Für mich ist es einfach schön zu sehen, wie sich die Reichweite und die Bedeutung der Nationalmannschaft durch den WM-Sieg auch außerhalb Deutschlands gesteigert hat. Eine derartige Sympathie für unsere Mannschaft habe ich selten erlebt. Früher waren wir immer die erfolgreichen Deutschen, so wirklich anfreunden konnte sich mit ihnen aber niemand. Jetzt hat es die Mannschaft geschafft, weltweit Sympathien zu wecken. Das wird durch solche Preise auch immer wieder deutlich.

Wie kam’s, dass aus erfolgreichen auch sympathische Deutsche wurden?

Bierhoff: 2010 hat sich das angedeutet, auch aufgrund der Spieler mit Migrationshintergrund und dieser veränderten Spielweise. Aber damals war es auch noch einfach, sympathisch zu sein – wir haben ja nicht gewonnen. Aber wenn man so dominiert wie wir zuletzt und dennoch demütig auftritt, ergibt das ein gutes Bild.

Umso erfreulicher ist es, dass diese Generation erst am Anfang steht.

Bierhoff: Durchaus, sie hat sich aber bereits sehr reif verhalten. Und das Schöne ist ja, dass es nicht aufgesetzt wirkt. Sie fühlen das. Wir pflegen unseren Umgang und unsere Mentalität, und bei so einem Turnier kommt es dann eben auch mal durch.

Die neu gegründete DFB-Akademie soll dieses Miteinander ebenfalls bestärken. Welche Bedeutung messen Sie ihr zu?

Bierhoff: Ich erachte sie als eine absolute Notwendigkeit. Wir haben sie vor fünf Jahren angestoßen, weil ich glaube: Wenn wir noch einen weiteren Schritt nach vorne machen wollen, dürfen wir nicht denselben Fehler wie 1990 machen. Damals dachten wir, wir sind Weltmeister und können uns jetzt darauf ausruhen. Alle anderen Nationen, das spürt man, sind wissbegierig und versuchen, etwas zu bewegen. Und als ich darüber nachgedacht habe, welchen Schritt wir als Nächstes gehen konnten, dann war eben so ein zentraler Ort, an dem unsere Experten zusammenkommen und dort eine unglaubliche Kraft entwickeln können, unabdingbar. Es ist ein sehr wichtiger Schritt für die Kontinuität. Jogi bleibt (Löw, d. Red.) Bundestrainer, Hansi (Flick, d. Red.) Sportdirektor – das ist der gute Weg.

Im Vorfeld der EM 2016 gilt das DFB-Team als absoluter Topfavorit, die Erwartungshaltung ist national wie international riesig. Spüren Sie das?

Bierhoff: Das spürt man schon. Druck an sich ist schwer messbar, schließlich steht unsere Mannschaft während großer Turniere permanent unter Druck. Aber man muss zusehen, dass man der Verpflichtung, als Weltmeister aufzutreten, auch gerecht wird. Und wir wissen, dass sich jeder umso mehr freut, wenn er den Deutschen jetzt als Weltmeister ein Bein stellen kann.

Spanien hat drei Turniere hintereinander gewonnen. Ist diese Kontinuität jetzt auch Anspruch beim DFB-Team?

Bierhoff: Natürlich wissen wir um die hohen Erwartungen, wir stellen an uns selbst ja hohe Ansprüche. Als Weltmeister und mit dem Potenzial, das wir haben, kannst du dich gar nicht verstecken. Man muss natürlich schon auch darauf hinweisen, dass es nie ein Selbstläufer ist und in K.o.-Spielen immer viel passieren kann.

Ein Ziel, das Sie ohne Säulen wie Lahm, Klose oder Mertesacker angehen werden. Müssen bis zum Startschuss der EM neue Figuren in diese Rollen hineingewachsen sein?

Bierhoff: Ja. Aber das Gute ist, dass wir bis dahin noch Zeit haben. Spieler wie Neuer, Khedira oder auch Boateng zuletzt haben das ja auch mit der Zeit gelernt. Bis zur WM waren sie noch etwas hinten dran an Schweinsteiger, Lahm und Mertesacker, jetzt müssen sie die Verantwortung übernehmen.

Wissen sie das selbst, oder muss man aktiv werden?

Bierhoff: Es gibt nie Dinge, die auf einen Schlag einfach passieren. Natürlich müssen wir die Entwicklungen begutachten, ihre Tendenzen erkennen, Gruppendynamiken fördern und ihren Weg ein bisschen vorbereiten. Wir können keinem Spieler von heute auf morgen sagen: So, jetzt bist du Stamm- und Führungsspieler. Wir müssen sie hinführen und Stück für Stück immer ein wenig mehr von ihnen einfordern. Aber das geschieht. Die geistige Müdigkeit war bei den Spielern Ende 2014 schon stark spürbar, das hat man gemerkt. Genauso merke ich jetzt aber auch, dass sie wieder Lust haben, anzugreifen. Ich bin zuversichtlich.

Interview: José Carlos Menzel López

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