Niersbach und Lehmann äußern sich

Outing eines aktiven Profis? "Der wäre blöd"

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Jens Lehmann

Köln - Wolfgang Niersbach will mit Thomas Hitzlsperger nach dessen Outing über ein Engagement im Kampf gegen Homophobie im Fußball sprechen. Jens Lehmann rät von einem Coming-out ab.

„Er hat angekündigt, zum Länderspiel am 5. März in Stuttgart gegen Chile zu kommen. Wir werden uns unterhalten und sehen, ob und wie wir ihn mit den Erfahrungen, die er gemacht hat, einbinden, um dann weiteren zu helfen“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei Sky90.

Der ehemalige Nationalspieler Hitzlsperger hatte sich Anfang Januar öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. „Unser Wunsch wäre, dass man damit genauso normal umgeht wie bei Künstlern, Politikern, Schauspielern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses. Wir stehen freundschaftlich an seiner Seite“, sagte Niersbach.

Der ehemalige Nationaltorhüter Jens Lehmann riet unterdessen noch aktiven Profis in der Sendung von einem Outing ab. „Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd. Er kann nicht voraussehen, was passiert. Das kann man den Leuten nicht raten, die hätten keinen Spaß mehr daran, Fußball zu spielen. Es kann zu unvorhersehbaren Reaktionen kommen, vor allem bei Auswärtsspielen“, sagte Lehmann.

Auf die Frage wie er selber reagiert hätte, wenn sich ein Mitspieler geoutet hätte, antwortete Lehmann: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren. Was ich mit Sicherheit gewusst hätte, ist, dass es einige gegeben hätte, sei es Konkurrenten oder andere in der Kabine, die permanent Witze darüber gemacht hätten.“

sid

"Respekt!" Stimmen zum Hitzlsperger-Outing

Großbritanniens Premierminister David Cameron schrieb bei Twitter: „Ich habe immer bewundert, was Thomas Hitzlsperger auf dem Feld geleistet hat - aber heute bewundere ich ihn noch mehr.“ © AFP
Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Thomas Hitzlsperger war zur seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen. Er hat sich entschieden, den Schritt in die Öffentlichkeit zu gehen, und ich stehe zu unserem Wort, dass er von uns jede erdenkliche Unterstützung bekommt.“ © dpa
Oliver Bierhoff (Manager Nationalmannschaft): „Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis. Er hat sich erst nach seinem Karriereende an uns gewandt und uns darüber informiert. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann.“ © dpa
Reinhard Rauball (Ligapräsident): „Die Entscheidung ist auch nach seiner aktiven Karriere ein großer und mutiger Schritt und im Kampf gegen Homophobie sicherlich wegweisend. Mit Blick auf die enorme Öffentlichkeit im Profifußball wären die Reaktionen im Falle des Outings eines aktiven Profis jedoch weiterhin nur schwer kalkulierbar. In dieser Hinsicht tragen die Klubs als Arbeitgeber eine außerordentliche Verantwortung. Auch vor diesem Hintergrund würde ich einem Betroffenen raten, im ersten Schritt die Vereinsverantwortlichen wie Vorstand und Trainer sowie Mannschaftskollegen ins Vertrauen zu ziehen.“ © dpa
Guido Westerwelle (ehemaliger Außenminister; bei Zeit Online): „Dieser Mut verdient größten Respekt. Der Schritt in die breite Öffentlichkeit liest sich viel leichter, als er tatsächlich ist. Ich erhoffe mir Ermutigung, Respekt und Anerkennung für die vielen, die im Hinblick auf ihre gleichgeschlechtliche Orientierung noch mit sich, ihrem Umfeld und der Gesellschaft ringen.“ © dpa
Theo Zwanziger (ehemaliger DFB-Präsident und Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee; bei Zeit Online): „Endlich hat ein Fußballer den Mut, seine Homosexualität öffentlich zu machen - zumindest in engem Zeitabstand zu seiner Karriere. Das hat hoffentlich eine positive Wirkung auf die Gesellschaft und den Profifußball der Männer. Der ist nämlich nach wie vor ein hartes Geschäft, ein offener Umgang mit Homosexualität ist leider immer noch nicht selbstverständlich. Aber ich bin zuversichtlich, dass sexuelle Neigungen im Fußball bald kein Thema mehr sind.“ © dpa
Dieter Hecking (Trainer VfL Wolfsburg): „Das ist ein sehr mutiger Schritt, ich kann Thomas nur gratulieren, dass er ihn gegangen ist. Den hat er für seinen inneren Frieden sicher gebraucht. Es ist gut, dass das Thema Homosexualität im Fußball jetzt öffentlich gemacht wird, das ist für unsere heutige Zeit auch normal. Ob das auch eine Ermutigung für andere homosexuelle Fußballer, wird man sehen.“ © dpa
Imke Duplitzer (homosexuelle Fecht-Europameisterin): „Give him a big hand!Respekt!“ © dpa
Annike Krahn (Fußball-Nationalspielerin): „RESPEKT!!!“ © dpa
Lukas Podolski (Nationalspieler und ehemaliger Mitspieler von Hitzlsperger): „Mutig - und richtig. Respekt, Thomas Hitzlsperger! Ein wichtiges Zeichen in der heutigen Zeit.“ © dpa
Julius Brink und Jonas Reckermann (Beachvolleyball-Olympiasieger): „Wir möchten Herrn Hitzlsperger unseren Respekt und Glückwünsche für diesen Schritt aussprechen!“ © dpa
Startschuss SLSV Hamburg (einer der ältesten schwul-lesbischen Sportvereine Deutschlands): „Hoffentlich wird allmählich auch dem Letzten klar, dass die sexuelle Orientierung nichts mit Leistungsfähigkeit zu tun hat. Für junge Fußball-Talente, die zufällig schwul sind, ist das ein ganz starkes Signal, dass auch für sie Platz im Profigeschäft ist. Wir sollten aber auch darüber nachdenken, was der Zeitpunkt des Coming Outs verrät: Was muss im Profi-Fußball für eine Atmosphäre vorherrschen, dass Thomas Hitzlsperger diesen Schritt erst nach seinem Karriereende für möglich gehalten hat? Wenn wir in die Amateurvereine schauen, hat sich in den letzten Jahren vieles gebessert. Es ist dort aber immer noch zu sehr Glückssache, ob man im Verein als homosexueller Mitspieler willkommen ist oder gemobbt wird.“ © dpa
Volker Beck (Grünen-Politiker und einer der ersten bekennenen homosexuellen Bundestags-Abgeordneten): „Ich habe großen Respekt vor dem Outing. Schade ist zugleich, dass dieser Schritt erst nach Beendigung seiner aktiven Fußballerkarriere möglich war. Es ist jetzt Aufgabe des DFB, aktiven Spielern Mut zu machen.“ © dpa
Gary Lineker (englische Fußball-Legende): „Herzlichen Glückwunsch! Er ist sehr mutig, dass er als erster Spieler, der in der Premier League gespielt hat, sein Coming-Out hat.“ © AFP
Michael Vesper (Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes): "Das ist ein gutes Signal. Jeder weiß, dass es auch im Spitzensport Schwule und Lesben gibt. Von daher verdient Thomas Hitzlspergers Coming Out unseren großen Respekt. Es ist für ihn sicher keine leichte Entscheidung gewesen. [...] Das Coming Out ist vor allem auch deshalb bedeutungsvoll, weil wir aus dem Umgang mit anderen Tabu-Themen wissen, dass Vorbilder zur Aufklärung, also zum Abbau von Unsicherheiten und Unwissenheit beitragen können.“ © dpa
Markus Hörwick (Mediendirektor FC Bayern): „Die Gesellschaft nimmt für sich in Anspruch, dass so etwas Normalität ist, und so sollten wir auch damit umgehen.  [...] Ich glaube, dass es im Fußball schwieriger ist, sich zu outen, denn man geht alle zwei Wochen in ein fremdes Stadion und kämpft gegeneinander. Da wird es schwierig sein, die Toleranz der Gesellschaft, die wir auch einfordern, zu behalten. Deshalb ist der Schritt umso bemerkenswerter“. © dpa
Arne Friedrich (früherer Fußball-Nationalspieler): „Bin stolz auf dich. Gute Entscheidung und aus meiner Sicht richtiger Zeitpunkt.“ © dpa
Stefan Kretzschmar (ehemaliger Handball-Nationalspieler): „Respekt !!! Leider erst nach der Karriere.“ © dpa
Regierungssprecher Steffen Seibert: „Es ist gut, dass er über etwas spricht, das ihm wichtig ist und was ihn möglicherweise auch befreit. Wir leben in einem Land, in dem niemand Angst haben sollte, seine Sexualität zu bekennen, nur aus Angst vor Intoleranz. Wir haben als Land, als Gesellschaft im vergangenen Jahrzehnt gerade auf diesem Gebiet doch enorme Fortschritte gemacht. Fußballer beurteilen wir danach, ob sie sich auf dem Platz und abseits des Platzes gut und würdig verhalten, und ich glaube, das trifft beides für Herrn Hitzlsperger zu.“ © dpa
Fredi Bobic (Sportvorstand Fredi Bobic) hat Thomas Hitzlsperger „größten Respekt“ gezollt. Dessen Coming-Out sei ein „sehr mutiger Schritt“, sagte Bobic am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. „In der heutigen Zeit sollte es eigentlich zur Normalität werden, aber ich weiß, dass es jetzt vor allem in der Fußball-Community viele Diskussionen darüber geben wird.“ Hitzlsperger werde sich über diesen Schritt sehr viele Gedanken gemacht haben, glaubt Bobic. „Es ist seine Entscheidung und die gilt es zu respektieren.“ © dpa
Christine Lüders (Leiterin der Bundes-Antidiskriminierungsstelle): „Thomas Hitzlsperger hat großen Mut bewiesen - und er ist ein Vorbild für Tausende andere Sportlerinnen und Sportler, die sich bislang nicht getraut haben, mit ihrer sexuellen Orientierung offen umzugehen. Menschen in ganz Deutschland identifizieren sich mit dem Fußball und insbesondere mit der DFB-Nationalmannschaft. Vor allem Schwulsein ist leider immer noch ein Tabu im Fußball, Diskriminierung ist immer noch an der Tagesordnung. Alle, die Thomas Hitzlsperger jetzt gratulieren, sollten nun mithelfen, ein Klima der Akzeptanz und Offenheit zu schaffen.“ © dpa
Axel Hochrein (Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes LSVD): „Für uns das Tor des Monats! Das öffentliche Bekenntnis zu seiner Homosexualität rüttelt an einem der größten Tabus im Profifußball. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, um die Diskussion zu beleben und wird für die nächste Generation von Fußballern von großer Bedeutung sein.“ © dpa
Martin Gerster (Sportpolitischer Sprecher der SPD im Deutschen Bundestag): „Ich finde den Schritt enorm mutig. Er will die Diskussion über dieses Thema vorantreiben - das is gut. Der Sport tat sich bislang mit diesem Thema ja etwas schwer. Doch jetzt ist neuer Schwung in der Debatte. Ich hoffe, dass der ein oder andere noch aus der Deckung kommt.“ © dpa
Claudia Roth (Vize-Präsidentin des Bundestags): „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das gilt für Fußballer genauso wie für jeden anderen Menschen. Wenn sich Thomas Hitzlsperger jetzt öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt, gebührt dieser Entscheidung größter Respekt. Sie ist mutig, weitsichtig und in jeder Hinsicht vorbildhaft für tausende Amateur- und Profisportler in Deutschland.“ © dpa
Joachim Löw (Bundestrainer): „Thomas hat für sich persönlich entschieden, diesen Schritt zu gehen, und er sollte in einer toleranten Gesellschaft von allen respektiert werden. Für mich als Trainer sind alleine die sportlichen Leistungen und das soziale Verhalten eines Spielers entscheidend, und ich habe Thomas immer als ehrgeizigen, zuverlässigen Profi kennengelernt. Ich wünsche mir, dass sein Bekenntnis bei uns allen zu einem entspannteren Umgang mit dieser Thematik beiträgt.“ © dpa

Die wichtigsten Zitate aus Sky90 im Wortlaut

Wolfgang Niersbach… 

…über das Outing von Thomas Hitzlsperger: „Aufmerksamkeit ist klar, aber ich hätte mir das medial ein paar Etagen tiefer gewünscht. Ich fand das teilweise völlig überzogen, weil das für mich ein Stück Normalität ist. Wir haben aus Sicht des Verbandes immer gesagt, aber das ist auch meine persönliche Überzeugung: Es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen. Wenn jemand diesen Schritt macht, dann kann er davon ausgehen, dass er unsere volle Unterstützung besitzt und unseren Respekt weiter genießt. Wir waren vorher informiert und er hat mich nachher nochmal angerufen. Er hat sich vorgenommen, zum Länderspiel am 5.März in Stuttgart gegen Chile zu kommen: Dann wollen wir auch darüber sprechen, in wie weit wir ihn mit den Erfahrungen, die er gemacht hat, in den Verband einbinden können, um dann weiteren zu helfen. Unser Wunsch wäre, dass man damit genauso normal umgeht wie bei Künstlern, Politikern, Schauspielern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses. Wir stehen freundschaftlich an seiner Seite.“

…über die jüngsten Fan-Randale: „Das Thema hat uns in all den Jahren nie ganz losgelassen. Präventiv macht kein anderes Land so viel wie wir. Die Fanprojekte machen hervorragende Arbeit: Sie haben Einfluss auf Leute im Stadion, die schwanken. Durch ihre Arbeit, können sie diese auf ihre Seite herüberziehen. Aber es gibt immer einen Rest, der einfach nicht angesprochen werden will, wo der Dialog nicht mehr hilft, wo nur noch Sanktionen helfen. Was will ein Verein wie Schalke 04 machen, wenn es unter dem Aufhänger Fußball in der Kölner Innenstadt etwas passiert? Das sind Straftaten von Kriminellen. Man muss ganz klar sagen, dass ein sehr schwieriger Punkt erreicht ist. Es geht darum, dass die Leute, die die große Masse an friedfertigen Fans in Misskredit bringen, identifiziert und hart bestraft werden. Ich würde für wirksam halten, dass stärker als bisher durchgesetzt wird, dass Leute, die als Krawalltäter identifiziert werden, die Auflage bekommen, sich beim Polizeirevier ihrer Heimatstadt melden, wenn ein Auswärtsspiel ansteht. Das wäre präventiv eine sehr geeignete Maßnahme.“

…über die Toten auf den WM-Baustellen in Katar: „Man muss höchst beunruhigt sein. Ich muss zugeben, dass ich das Thema der offensichtlich unwürdigen Arbeitsbedingungen bis zum letzten Herbst auch nicht kannte. Damals ist über Katar mit anderen Argumenten diskutiert worden. Das kommt jetzt erschwerend hinzu. Die Entscheidung ist im Jahre 2010 über eine Abstimmung auf demokratischen Weg mit 14:8 herbeigeführt worden. Das steht. Die Fifa hat eine Untersuchung eingeleitet, ob irgendetwas unsauber gelaufen ist. Wenn ich richtig informiert bin, wird man zu dem Ergebnis kommen: nein. Dann steht diese Entscheidung. Aber was die Arbeitsbedingungen betrifft: Meines Erachtens muss Katar da tätig werden, denn wenn dieses Ereignis auch für das Image des Landes ein Erfolg werden soll, dann müssen die das höchst ernst nehmen. Wenn das so stimmt, ist das schockierend.“

…auf die Frage, ob der DFB seinen Einfluss nutzen werde, Katar die WM zu entziehen: „Was ist der Einfluss des DFB? Wir haben auch nur eine Stimme. In dem Moment, wo ich auf den Tisch schlage, sagen 35 aus der Karibik: Wir sind dafür. So sind viele Entscheidungen zustande gekommen. Was die Gesamtbedingungen anbetrifft: Es ist nicht nur die Hitze, es ist auch die Größe des Landes, das flächenmäßig kleiner ist als Hessen. Mit hat vor der Entscheidung 2010 auch die Vorstellungskraft gefehlt, dass man eine solche Entscheidung herbeiführt. Aber sie ist gefallen, und sie ist, so weit ich weiß, unter korrekten Bedingungen gefallen. Der größte Fehler war, die Turniere 2018 und 2022 zu koppeln. Dass da wechselseitig Absprachen getroffen werden, ist naheliegend. Wenn es darum geht, einen Alternativtermin zu finden: Frühjahr 2022 scheidet aus wegen Winter-Olympia. Also muss man den Blick mehr nach hinten richten. Im Moment bleibt noch Zeit, die offenen Fragen, die uns quälen, zu beantworten. Zum Beispiel Confederations Cup: Den braucht man im Jahr davor wirklich nicht dort zu spielen. Das ist eine ganz schwierige Gemengenlage.“

…auf die Frage, ob man dem FC Bayern schon zur Meisterschaft gratulieren könne: „Gratulieren wäre voreilig und respektlos. Aber wenn man das Spiel am Freitagabend gesehen hat, muss man sagen: Die Art und Weise, wie Bayern aufspielt, ist phänomenal. Die machen auch keine Fehler. Der einzige Punkt ist die Effektivität vorne.“

Jens Lehmann…

…auf die Frage, wie er reagiert hätte, wenn er während seiner aktiven Karriere von Thomas Hitzlspergers Homosexualität gewusst hätte: „Komisch, glaube ich. Man duscht jeden Tag zusammen, man hat Phasen, in denen es nicht so läuft. Aber Thomas Hitzlsperger ist ein Spieler, der erstens sehr intelligent ist, und zweitens von seiner Spielweise überhaupt nicht den Anlass gegeben hätte, dass da man hätte denken können, da ist irgendetwas. Man assoziiert ja mit Homosexuellen leider immer, dass sie etwas weicher sind. Bei ihm war das nicht so. Trotzdem ist es innerhalb einer Fußballmannschaft undenkbar, dass das jemand das preisgibt. Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn ich mit jemand zusammengespielt hätte, den ich tagtäglich gesehen hätte: beim Duschen, in Zweikämpfen. Niemand kann seine Gedanken kontrollieren. Was ich mit Sicherheit gewusst hätte, ist, dass es einige gegeben hätte, sei es Konkurrenten oder andere in der Kabine, die permanent Witze darüber gemacht hätten. Es ist nicht so, dass da 25 hoch Intellektuelle rumlaufen, die darüber diskutieren, ob jemand schwul ist oder nicht. Fußball ist eine Männersache, da muss man nicht so viel nachdenken. Und die Zuschauer in den Stadien kann man auch nicht kontrollieren. Ob man sich das als Betroffener antun muss?“

…auf die Frage, ob er es für möglich hält, dass sich ein aktiver Fußballer als homosexuell outet: „Wenn ein Spieler das machen würde, wäre er blöd. Er kann nicht voraussehen, was passiert. Das kann man den Leuten nicht raten, die hätten keinen Spaß mehr daran, Fußball zu spielen. Es kann zu unvorhersehbaren Reaktionen kommen, vor allem bei Auswärtsspielen. Warum auch? Es hat niemand etwas daran gewonnen, es ist Privatsache.“

Diese Sportler outeten sich als homosexuell

Thomas Hitzlsperger hat einen mutigen Schritt gewagt. © AFP
Als bisher prominentester Fußballer hat sich der Ex-Nationalspieler als schwul geoutet. Wir zeigen Ihnen, welche Sportler sich schon vor Hitzlsperger zu ihrer Homosexualität bekannt haben. © AFP
Tom Daley: Der britische Wasserspringer enthüllte seine Liebe zu einem Mann Anfang Dezember 2013 im Internet: „Ich habe jemanden getroffen, der mich so glücklich gemacht hat, der mir Sicherheit gegeben hat. Es fühlt sich alles einfach großartig an. Und dieser Jemand - war ein Mann.“ © AFP
Justin Fashanu: Der britische Fußballer war 1990 der erste aktive Profi, der sich outete. Acht Jahre später erhängte sich der damals 37-Jährige nach einer regelrechten Hetzjagd in Großbritannien am 2. Mai 1998 in einer Garage. © dpa
Anton Hysen: 2011 outete sich der Schwede als erster prominenter Fußballer in dem skandinavischen Land. © Anton Hysen bei Twitter
Greg Louganis: Der viermalige Goldmedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 1984 und 1988 hatte kurz vor den Spielen in Seoul die HIV-Diagnose erhalten, dies aber zunächst verschwiegen. In der Qualifikation des 3-m-Wettbewerbs schlug er dann mit dem Kopf auf das Brett und zog sich dabei eine blutende Wunde zu. Diese wurde von einem Arzt ohne Handschuhe versorgt, der von der HIV-Infektion nichts wusste, später aber negativ getestet wurde. © AFP
Brian Orser: Der zweifache Silbermedaillen-Gewinner im Eiskunstlauf hatte lange versucht, seine Homosexualität zu verbergen - bis sie durch einen Prozess um den Unterhaltsanspruch seines Ex-Partners im Februar 1999 bekannt wurde. © AFP
John Amaechi: Der frühere NBA-Profi bekannte sich nach seiner Karriere in der nordamerikanischen Profiliga in seiner Autobiografie „Man in the Middle“ als erster Basketballer. © AFP
Robbie Rogers: Anfang 2013 outete sich der Fußballer und gab gleichzeitig seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Am 27. Mai gab er für Los Angeles Galaxy in der 77 Minute sein Comeback und ist damit der erste geoutete homosexuelle Profi, der in der MLS ein Spiel absolvierte. © AFP
Brian Boitano: Der Eiskunstlauf-Olympiasieger outete sich im Dezember als schwul, zwei Tage nach seiner Berufung in die US-Delegation für die Winterspiele in Sotschi. „Ich bin ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel, ein Freund, ein Sportler, ein Koch, ein Autor. Und schwul zu sein ist nur ein weiterer Teil von mir“, hieß es in einer von USA Today veröffentlichten Stellungnahme des 50-Jährigen. © AFP
Gareth Thomas: 2009 bekannte sich der Rugbyspieler zu seiner Homosexualität und wurde am Ende des Jahres an die Spitze der Pink List gewählt, der einflussreichsten Homosexuellen Englands. Eine Verfilmung seines Lebens ist geplant. © AFP
Mark Tewksbury (l.): Kurz nach seinem Outing 1998 verlor der Schwimm-Olympiasieger von Barcelona 1992 einen lukrativen Werbevertrag, weil er „zu offen schwul“ sei. 2008 sprach der Kanadier anlässlich einer neuen Verordnung zur Stärkung der Rechte Homosexueller vor der UN-Vollversammlung in New York. © AFP
Orlando Cruz: Der Federgewichtler aus Puerto Rico wollte als erster offen schwuler Boxer Weltmeister werden. Seinen WM-Kampf im Oktober 2013 gegen den Mexikaner Orlando Salido verlor er jedoch. Cruz hatte im Oktober 2012 sein Coming-out. © dpa
Martina Navratilova: Unfreiwillig war das Outing der Tennis-Legende. Ein New Yorker Journalist, dem sie 1981 eine Romanze anvertraute, verriet das Geheimnis. Zu jenem Zeitpunkt habe sie selbst nicht über ein Coming-out nachgedacht, sagte sie in einem „Spiegel“-Interview Jahre später. © dpa
Steffi Jones: Die 111-malige Nationalspielerin und Direktorin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ließ sich beim „Ball des Sports“ 2013 in Wiesbaden mit ihrer Freundin Nicole fotografieren. Mitte 2014 will das Paar heiraten. © dpa
Ursula Holl: Als eher zufällig gilt das Outing der früheren Fußball-Nationaltorhüterin. Als sie in Köln mit ihrer Lebensgefährtin Carina eine eingetragene Lebenspartnerschaft einging, tauchte ein WDR-Team auf. Das war eigentlich auf der Suche nach Menschen, die an diesem Tag nicht das deutsche WM-Spiel gegen Serbien im Fernsehen sehen konnten, weil sie aufs Standesamt mussten¿. © dpa

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