So will Löw den WM-Titel holen

Die geheimen Daten des Nationalteams

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Joachim Löw

Nürnberg - Der DFB nutzt auch moderne Technik. Schon seit Jahren werden die Daten der Nationalspieler im Training aufgezeichnet und verglichen. Das bringt Erstaunliches zutage.

Manchmal nimmt es Bundestrainer Jogi Löw ganz genau. Zum Beispiel, wenn es darum geht, was er selbst oder einer seiner Mitarbeiter öffentlich gesagt hat. So wurde Oliver Bierhoff gestern mit den Worten zitiert, es sei „Unmöglich 2014 in Brasilien Weltmeister zu werden.“ Das wollte der Bundestrainer so nicht stehen lassen. „Oliver hat gesagt, dass es eigentlich schwierig ist. Eigentlich! Es hat ja auch noch nie eine europäische Mannschaft geschafft, in Amerika Weltmeister zu werden. Aber wir werden natürlich alles tun, um um den Titel mitzuspielen“, sagte Löw.

Und dazu nutzt der DFB auch modernste Technik. Schon seit Jahren werden die Daten der Nationalspieler im Training aufgezeichnet und verglichen. Dazu tragen die deutschen Spieler Sender unter ihren Trikots. Jeder Sprint, jeder Zweikampf, jede Flanke oder Torschuss, der Puls, die Herzfrequenz – alles wird aufgezeichnet. Bis zu 2500 Daten pro Spieler werden so erhoben.

Unsere Nationalspieler werden geröntgt. Sie sind gläserne Hochleistungsmaschinen.

Die Daten bringen Erstaunliches zutage. Es geht um Ballkontaktzeiten, Foulspiel, Ballbesitz, Höchstgeschwindigkeit. Die tz lüftet das Geheimnis von Jogis Turbo-Jungs...

Der entscheidendste Wert: 2005 brauchten die Spieler noch 2,7 Sekunden, um den Ball anzunehmen, zu verarbeiten und weiterzuleiten. Es war die Zeit des Rumpelfußballs. Heute liegt der Spitzenwert bei 0,99 Sekunden. Fast dreimal so schnell. Es ist die Zeit des Tempofußballs. Löws Erklärung: „Die Räume im Fußball werden immer enger und die Zeit wird immer knapper.“

Bei der WM 2006 hatte die deutsche Elf nur 49 Prozent Ballbesitzanteil. Während der EM 2012 lag dieser bei knapp 60 Prozent. Beim 4:2-Viertelfinalsieg gegen Griechenland lag der Wert bei rekordverdächtigen 84 Prozent. Dieser Wert könnte heute gegen Kasachstan noch einmal getoppt werden. Bundestrainer Joachim Löw erwartet eine Defensivwand, für die er „handlungsschnelle, technisch starke“ Stürmer braucht, die den Ball „gut verarbeiten“. Und die hat er. Das beweisen auch die geheimen Daten.

Besonders Mesut Özil (24) dribbelt, passt und rennt sich regelmäßig an die Spitze der Wertetabelle. Der Real-Star war zum Beispiel beim 2:1-Sieg gegen Frankreich neben Frank Ribéry der Spieler, der die größte Strecke in Höchstgeschwindigkeit lief: insgesamt legte er 1000 Meter mit 24 km/h oder schneller zurück.„Mesut hat sensationelle Werte“, heißt es aus dem inneren Zirkel des DFB. Wie kaum ein anderer verkörpert der Linksfuß den neuen, deutschen Highspeed-Fußball.

Auch in der Defensive ist nur noch noch wenig übrig vom einstigen rustikalen Grätschenfußball. 2012 gab es im in der deutschen Abwehrhälfte gerade einmal neun Fouls. Im letzten Abwehrdrittel waren es im Durchschnitt sogar nur 4,2. Damit setzt das DFB-Team die Vorgabe des Bundestrainers um. „Wir müssen mit wenigen Foulspielen auskommen, dem Gegner den Ball abjagen ohne dumme Fouls zu machen“, sagt Löw. Soll heißen: Den Ball mit fairen Mitteln erkämpfen, umschalten und so schnell wie möglich zum Torabschluss kommen. Löw: „Ich will die Zweikämpfe nicht abschaffen. Ich will die schnelle Balleroberung und den Gegenangriff. Dann nämlich ist die gegnerische Abwehr noch unorganisiert.“

Am Dienstag gegen Kasachstan dürfte das schwierig werden. Denn die Gegner werden sich dann einigeln, eine Mauer bauen vor ihrem Strafraum. Was da gefragt ist, ist ein schnelles Passspiel. Beim 3:0-Sieg in Astana spielten die Deutschen 953 Pässe. Vielleicht werden es Dienstag Abend über 1000? Es wäre ein neuer Weltrekord.

Thomas Gassmann, Jan Janssen

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

1.4.2011: Beim Spiel St. Pauli gegen den FC Schalke 04 wurde Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen. Das Spiel wurde abgebrochen. Hier sehen Sie weitere Geschosse, die auf Spielfelder jeglicher Sportarten geworfen wurden. Einige davon sind sehr skurril - aber gefährlich sind die meisten allemal. Also: Bitte nicht nachmachen! © Getty
Thorsten Schiffner war nicht der erste Schiedsrichter-Assistent, der von einem Becher getroffen wurde. 2006 streckte Kai Voss beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Stuttgarter Kickers und Hertha BSC ein Bierbecher nieder. © getty
Deutschlands Torhüter bei der Weltmeisterschaft 1974 wurde von einem Gymnasiasten 1971 mit einem Messer beworfen. Er wurde aber - zum Glück - nicht getroffen. © dpa
Ein Motorroller im Stadion (hier mit Uli Hoeneß am Steuer) ist schon ungewöhnlich. Erst recht beim Mailänder Derby 2001: Dort versuchten Stadionbesucher einen Roller von der Tribüne zu werfen. © getty
Frank Baumann (M.) erwischte es während eines Bundesligaspiels. Er wurde im November 2008 von einem Handy-Akku getroffen. © getty
Im Carling-Cup-Finale 2007 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Arsenal flog Sellerie von den Rängen. Arsenals Fabregas kann es nicht verstehen. Die Fans des FC Chelsea sangen bei fast jedem Spiel ein nicht jugendfreies Lied, in dem auch das Gemüse vorkommt. © getty
Beim UEFA-Cup-Spiel zwischen NEC Nijmegen und dem HSV traf Schiedsrichter Darko Ceferin ein undefiniertes Wurfgeschoss am Kopf. Das Spiel musste unterbrochen werden. © getty
Anders Frisk wurde beim Champions-League-Spiel zwischen AS Rom und Dynamo Kiew von einem Wurfgeschoss getroffen und musste mit einer Platzwunde vom Platz. © getty
Oliver Kahn traf am 12. April 2000 in Freiburg ein Golfball. Blutüberströmt musste er von Uli Hoeneß zurückgehalten werden, da er völlig außer sich war. © ap
FC Liverpool - AFC Sunderland im Oktober 2009: Ein großer roter Strandball wurde aufs Spielfeld geworfen. Dort landete er im Liverpooler Strafraum, wo der Ball einen Schuss unhaltbar für José Reina abfälschte. Das Spiel endete 0:1.  © getty
Halbfinale UEFA-Cup: Hamburger SV gegen Werder Bremen: Stand 1:2 für Bremen. Diese Papierkugel lenkte einen Ball entscheidend zur Ecke ab, die prompt das 1:3 für die Werderaner brachte. Trotz des Anschlusstreffers drei Minuten vor Schluss schied Hamburg aus. © dpa
Auch Toilettenpapier fliegt regelmäßig auf den Rasen. Hier beim Spiel FC Bayern gegen den 1. FC Nürnberg. Raphael Schäfer, Torhüter des "Clubs", zeigte sich aber unbeeindruckt. © getty
Im Carling-Cup-Halbfinale gegen den Ortsrivalen ManU wurde Craig Bellamy 2010 von einer Münze am Kopf getroffen. Eine heranfliegende Bierflasche flog knapp an ihm vorbei. © getty
Mailänder Derby 2005: Im Champions-League-Viertelfinale wurde AC Milans Torhüter Dida von Leuchtraketen getroffen und sank zu Boden. Das Spiel wurde abgebrochen. © dpa
Neben Leuchtraketen und einer Rumflasche warfen Zuschauer 2006 auch eine Katze auf das Spielfeld: Geschehen beim Derby zwischen Real Betis und FC Sevilla. © dpa
Viele Ratten wurden bei den Florida Panthers ab 1992 aufs Spielfeld geworfen. Grund: Scott Mellanby tötete eine Ratte in der Kabine mit dem Stock und traf danach zwei Mal. 1996 wurde diese Sitte verboten. © dpa
Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel am 7.November 2010: Fans des FC Basel warfen Tennisbälle auf das Spielfeld. Damit sollte gegen die frühe Anstoßzeit der Partie protestiert werden, welche auf Druck des Schweizer Fernsehens und wegen des Finals der Swiss Indoors in Basel vorverlegt wurde. © dpa
Ein Schweinekopf flog im Camp Nou beim "Clasico" zwischen Real Madrid und FC Barcelona aufs Spielfeld. Damit wollten die Fans von Barca ihre Meinung zum Wechsel von Luis Figo von Barcelona zu Real zeigen. © dpa
Stadionsitze sind, besonders in Südamerika, beliebte Wurfgeschosse. Allerdings auch in Europa kommt es vor, dass Sitze aufs Spielfeld fliegen, so auch 2000 beim Spiel Sevilla gegen Atletico Madrid. © dpa
Paul hatte Glück, in einem Aquarium zu leben. In der NHL wurden bei Siegen der Detroit Red Wings Tintenfische regelmäßig aufs Eis geworfen. Das hatte Tradition, da 1952 ein Besitzer eines Fischlokals immer ein Oktopus aufs Feld warf, der für die Play-offs einen Sieg bescheren sollte. Das schwerste Tier wog 25 Kilo. © dpa
Zahlreiche Dildos flogen im Oktober 2008 im Spiel zwischen AIK Stockholm gegen Leksand aufs Eis. Die Fans des Stockholmer Eishockey-Klubs zeigten damit ihren Unmut über Jan Huokko, der sich zum Jahresanfang einen Sexskandal leistete. © dpa

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