Breitner im tz-Interview

"Wenn Löw mutig ist, dann nimmt er Özil raus"

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Mesut Özil im Spiel gegen Frankreich.

München - Im Interview mit der tz spricht Weltmeister Paul Breitner über den nächsten Schritt, den Bundestrainer Joachim Löw nach dem Sieg über Frankreich machen muss.

Herr Breitner, nach dem erkämpften Sieg gegen Algerien hat sich die deutsche Elf gegen Frankreich stark verbessert gezeigt.

Paul Breitner (62): Das war ein Sieg des Willens. Die Mannschaft hatte 120 Minuten vom Montag noch in den Knochen. Was das bedeutet, weiß ich nur zu gut. Jetzt war einzig der Wille gefragt.

Den haben Jogis Jungs eindrucksvoll bewiesen.

Paul Breitner: Ja. Sie waren auch in den letzten zehn Minuten noch bereit, die langen Wege zu gehen. Aber wenn du dann nochmal einen Sprint ziehst, der eigentlich gar nicht mehr geht, dann kommt die zweite Luft. Und bis auf eine kleine Schwächephase Anfang der zweiten Halbzeit haben die Jungs die Partie sehr gut überstanden. Da geht es um den Charakter. Das war eine überragende Leistung der Mannschaft.

Löw hat reagiert und Philipp Lahm in die Abwehr geschoben. Richtige Entscheidung?

Paul Breitner: Er hat das gesehen, was Millionen Fans auch gesehen haben. Nämlich, dass es mit der Abwehr aus den vorherigen Partien nicht mehr weitergeht. Wir brauchten eine neue Lösung. Und Philipp ist nicht nur im defensiven Mittelfeld, sondern auch auf beiden Außenverteidigerpositionen weltklasse. Wenn ich mir den Luxus erlauben kann, ihn in die Verteidigung zu stellen, weil zwei oder drei Spieler ihn im Mittelfeld gleichwertig ersetzen können, dann ist das doch eine wunderbare Sache. Jogi Löw hat seine Fehleinschätzung korrigiert.

War das seine einzige Fehleinschätzung?

Paul Breitner: Wenn er jetzt mutig ist und sagt: ‚Ich will nicht nur mit zehn Leuten spielen‘, dann nimmt er Mesut Özil raus. Das wäre ein nächster Schritt zum WM-Titel und vor allem ein Schritt im Sinne der Mannschaft. Neun Mann quälen sich 90 Minuten lang und einer geht spazieren. Das geht bei einer Weltmeisterschaft nicht. Da muss Jogi Löw über seinen Schatten springen und reagieren.

Per Mertesacker saß gestern nur auf der Bank. Hat Sie das überrascht?

Paul Breitner: Seine nicht vorhandene Schnelligkeit und Beweglichkeit sind in der Endphase des Turniers einfach nicht mehr tragbar. Jogi Löw hat das erkannt und die Konsequenzen gezogen. Das hat Ruhe in die Abwehr gebracht. Auch Benedikt Höwedes war diesmal stärker als zuletzt.

Mit der Leistung und dem Personal wie gegen Frankreich – mit Ausnahme von Özil – sind wir also reif für den Titel?

Paul Breitner: So wie in dieser Partie präsentiert sich eine typisch deutsche Turniermannschaft. Deshalb werden wir von der ganzen Fußballwelt als beste Turniermannschaft angesehen. Unsere Spieler setzen das um, was sie von Kindesbeinen an gelernt haben: Wir spielen, um zu gewinnen. Nicht, um Spaß zu haben. Diese Einstellung unterscheidet uns von anderen Mannschaften.

Wie wichtig ist dafür der ausgeglichene Kader?

Paul Breitner: Ich habe von Beginn an gesagt, dass wir große Chancen auf den Titel haben. Nicht, weil wir die beste Mannschaft haben, sondern den mit Abstand besten Kader. Der ist das Ergebnis der Entwicklung im deutschen Fußball und ein absoluter Genuss.

Interview: Sven Westerschulze

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