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Paul Breitner feiert Deutschland gegen Spanien: Kein „Ober- gegen Untergiesing“

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Von: José Carlos Menzel López

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Paul Breitner hatte Gefallen am WM-Spiel zwischen Deutschland und Spanien. Die Meinung des Weltmeisters zur deutschen Mannschaft im Interview.

München – Das zweite Spiel, der erste Punkt – die deutsche Nationalmannschaft rang der spanischen Selección ein Remis ab, die Qualifikation für das Achtelfinale der WM 2022 ist im letzten Gruppenspiel gegen Costa Rica weiterhin möglich. Es liegt zwar nicht mehr in eigener Hand, dennoch haben Hansis Jungs nach dem Japan-Debakel eine Reaktion gezeigt.

Damit geht auch Paul Breitner (71) konform, den die tz unmittelbar im Anschluss an den Hit gegen die Spanier nach seiner Meinung fragte. Im Interview erklärt der Welt- und Europameister, welchen Eindruck die DFB-Auswahl von Hansi Flick beim zweiten Auftritt in Katar auf ihn gemacht hat und für was das 1:1 gegen die Spanier gut war.

Spanien: Unai Simon - Carvajal, Rodrigo, Laporte, Jordi Alba (82. Balde) - Gavi (66. Williams), Busquets, Pedri - Dani Olmo, Asensio (66. Koke), Ferran Torres (54. Morata)
Deutschland: Neuer - Kehrer (70. Klostermann), Süle, Rüdiger, Raum (87. Schlotterbeck) - Kimmich, Goretzka - Gnabry (85. Hofmann), Gündogan (70. Sané), Musiala - Müller (70. Füllkrug)
Tore: 1:0 Morata (62.), 1:1 Füllkrug (83.)
Schiedsrichter: Danny Makkelie (Niederlande)
Zuschauer: 68.700

Paul Breitner sieht zwischen Deutschland und Spanien „zum ersten Mal echte WM“

Herr Breitner, die Partie war bis zur letzten Sekunde offen.

Breitner: Es war eine sehr emotional geführte Partie, schließlich stand ja auch einiges auf dem Spiel. Insgesamt lässt sich festhalten, dass wir endlich ein Spiel gesehen haben, das einer Weltmeisterschaft gerecht geworden ist. Um Franz Beckenbauer zu zitieren: Die bisherigen Spiele waren ja ein wenig wie Ober- gegen Untergiesing. Das Niveau bis hierhin war schon sehr dürftig – umso schöner, dass das Aufeinandertreffen zwischen Deutschland und Spanien zum ersten Mal echte WM war.

Anfangs waren die Spanier am Drücker, danach kam Deutschland von Minute zu Minute besser ins Spiel. Wie haben Sie das Duell wahrgenommen?

Breitner: Zunächst einmal gilt es in einer ersten Halbzeit, in der die Spanier besser reinkamen, Folgendes festzuhalten: Die deutsche Mannschaft hat mit viel Laufbereitschaft und Konzentration dagegengehalten. Mit der Pause kam dann ein gewisser Bruch ins Spiel. Ich hatte das Gefühl: Die Spanier saßen in ihrer Kabine und ganz plötzlich ist ihnen Bayern München, der deutsche Fußball und ihre ganz persönliche Bestia Negra eingefallen. Nach Wiederanpfiff war alles nicht mehr ganz so leichtfüßig, sie mussten in gewisser Weise taktieren und sind auf diese Weise in alte Muster zurückgefallen. Ab der 46. Minute war ein Spanien zu sehen, dass ein brotloses Spiel am eigenen Sechzehner aufgezogen hat und bei dem jeder den Fans zeigen wollte, dass er einen noch besseren Pass spielen kann als sein Vorgänger. Ganz nach dem Motto: Umso komplizierter jeder Ball, umso besser. Jeder wollte zeigen, was er mit dem Ball am Fuß so alles kann, das hat jedoch nur dazu geführt, dass sie sich verzettelt haben. Sie haben ihre klare Linie aus der ersten Hälfte aufgegeben.

Und die deutsche Elf hat Charakter gezeigt.

Breitner: Wissen Sie, über den Charakter einer Mannschaft zu diskutieren finde ich oberflächlich und in gewisser Weise auch überheblich. Man kann doch im Falle einer Niederlage nicht einfach mit fehlendem Charakter argumentieren. Umgekehrt ist das übrigens genauso. Die Partie gegen Spanien war eine komplett andere als gegen Japan. Beim Auftakt hat man sich unterschwellig vielleicht gesagt: Irgendwie packen wir die schon! Hinzu kamen individuelle Fehler und Wechselfehler.

Paul Breitner analysiert die Leistung der deutschen Mannschaft bei der WM im tz-Interview.
Paul Breitner analysiert die Leistung der deutschen Mannschaft bei der WM im tz-Interview. © Bernd Thissen/dpa

WM 2022: Paul Breitner sorgt sich um deutschen Japan-Ärger

Die Wechsel waren jetzt besser. Stichwort: Füllkrug!

Breitner: Wenn ich eine Neun habe, muss ich sie in so einer Situation bringen. Aber der Wechsel kam jetzt auch nicht in einer Zeit, in der Deutschland anfing zu schwimmen, sondern in einem Moment und gegen einen Gegner, bei dem es für jeden neuen Spieler leicht ist, direkt mit der Mannschaft zu schwimmen.

Was bedeutet dieses Remis für die deutsche Elf?

Breitner: So ein Spiel gibt einer Mannschaft natürlich Selbstbewusstsein. Aber soll ich Ihnen etwas sagen?

Bitte!

Breitner: Über die drei Punkte gegen Costa Rica mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Das Blöde ist jetzt nur, dass du es nicht mehr in der eigenen Hand hast. Denn das ist Fakt und die direkte Folge aus dem Japan-Spiel. Die deutsche Mannschaft kann jetzt nur eines tun: gegen Costa Rica denselben Einsatz zeigen wie gegen die Spanier, die ersten drei Punkte einfahren und dann schlichtweg hoffen, sich später nicht über den verkorksten Auftakt gegen die Japaner ärgern zu müssen.

Interview: José Carlos Menzel López

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