Weltmeister von 1990 äußert sich

Littbarski über DFB-Torwart: „Ich glaube, dass bei ter Stegen der Frust aufgebrochen ist“

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Pierre Littbarski sieht das Spiel gegen Argentinien als Chance für junge Spieler (Archivfoto).

Der ehemalige Nationalspieler Pierre Littbarski spricht im Interview über die Situation im DFB-Tor. Er sieht in der aktuellen Debatte eine Parallele zu Entwicklungen des Jahres 1986.

München - Pierre Littbarski (59) trug in 73 Spielen das DFB-Trikot und nahm an drei Weltmeister- und zwei Europameisterschaften teil. Der Höhepunkt seiner Karriere war der Titelgewinn 1990. Das tz-Interview.

Zahlreiche Absagen für Joachim Löw, Argentinien kommt ohne Messi. Ist das Spiel ein Muster ohne Wert?

Pierre Littbarski: Spiele gegen Argentinien sind, egal in welcher Besetzung, etwas Besonderes. Außerdem ergibt sich so die Chance, dass sich der eine oder andere Neuling auf der ganz großen Bühne zeigen kann. Außerdem: Joachim Löw macht den Umbruch nicht aus Spaß. Er muss das Entwicklungspotenzial der Spieler bewerten.

Glauben Sie, dass das verjüngte DFB-Team bei der EM 2020 konkurrenzfähig ist?

Littbarski: Wir müssen uns auf jeden Fall nicht verstecken. Im Vergleich zu 2014 fehlt sicherlich noch das blinde Verständnis in der Mannschaft. Aber angesichts unserer Offensive mit Brandt, Havertz, Gnabry, Reus, Sané oder Werner bin ich sehr zuversichtlich.

Aber defensiv passte in den vergangenen Spielen nicht viel.

Littbarski: Dass wir zum Beispiel gegen die Niederlande so schlecht ausgesehen haben, lag nicht nur an den Abwehrspielern. Wir standen zu tief, dann hat Joachim Löw mit Werner und Reus auch noch zwei Stürmer ausgewechselt. Wenn ich jetzt höre, dass so viele nach Mats Hummels rufen: Was haben die denn nach den WM-Niederlagen gegen Mexiko und Südkorea gesagt?

Littbarski: Torwart-Debatte zwischen Neuer und ter Stegen weckt Erinnerungen

Kann die Torwart-Debatte zwischen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen den Erfolg der ganzen Mannschaft gefährden?

Littbarski:Ich fühle mich bei dem Thema an 1986 erinnert, als Uli Stein der Kragen geplatzt ist und er nach Hause geschickt wurde, weil Toni Schumacher zur Nummer eins ernannt wurde. Marc ist aber ein kluger Kerl, der hat seine Emotionen besser unter Kon­trolle als zu seiner Zeit Uli.

Warum begehrt er auf?

Littbarski: Ich glaube, dass bei ter Stegen der Frust aufgebrochen ist, der sich schon vor der WM 2018 angestaut hatte. Denn diese Entscheidung war damals schwer zu akzeptieren, dass Neuer die Stammplatzgarantie ausgesprochen wurde, obwohl er verletzt war. Jetzt hat Marc ein Déjà-vu-Erlebnis und musste sich Luft machen. Klar ist, dass in den nächsten Spielen jede Mimik und jede Aktion von beiden genau beobachtet wird.

Die Liste der Ausfälle für die kommenden beiden Spiele der Nationalmannschaft wird immer länger. Erst in den vergangenen Tagen hatten sich mehrere Spieler bei Bundestrainer Joachim Löw abgemeldet.

Video: Bundestrainer Joachim Löw über Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen

Interview: Marcel Schwamborn

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