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Polizeikosten: Das erwartet die bayerischen Vereine

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Von: Moritz Bletzinger

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Hundertschaften der Polizei gehören mittlerweile fast genauso so zu einem Derby wie Bratwurst, Bier und dieses besondere Kribbeln.
Hundertschaften der Polizei gehören mittlerweile fast genauso so zu einem Derby wie Bratwurst, Bier und dieses besondere Kribbeln. © MIS / Bernd Feil

Viele Klubs haben auf das Urteil des Bremer Gerichts gewartet, das den Bundesländern ermöglicht, die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochsicherheitsspielen an die Vereine weiter zu geben. Die bayerischen Fußballer haben indes nichts zu befürchten, der Standpunkt des Freistaats ist eindeutig.

München - Noch steht die endgültige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts aus, doch das Urteil des Bremer Landesgerichts war richtungsweisend. Die Länder sollen nicht auf den Kosten für Großeinsätze der Polizei bei Hochsicherheitsspielen sitzen bleiben. Der Bremer Senat für Inneres hat die Rechnungen für die Klubs schon griffbereit.

Die Verlautbarung der Bremer Richter lässt nun alle Vereine der Republik bibbern. Der Bremer Senat erläutert auf Nachfrage, dass je nach Aufwand, Größe und Anreiseweg der Polizeikräfte üblicherweise Kosten zwischen zwei- und vierhunderttausend Euro anfallen. Extremstes Fallbeispiel ist das Bundesliga-Nordderby zwischen dem HSV und Werder Bremen vom April 2015. Der Einsatz verschlang 425.718,11 Euro.

Innenministerium bezieht klar Stellung

Die Vereinsverantwortlichen in Bayern müssen vor diesen Summen aber nicht erschrecken. Das Innenministerium des Freistaats lässt wenig Raum für Spekulationen: "Unsere Haltung ist klar und eindeutig und gilt auch für Münchner Amateurvereine: Für Bayern, wie für die meisten anderen Länder, kommen Kostenbescheide an die Vereine beziehungsweise an die Deutsche Fußball Liga wegen Polizeikosten bei Fußballspielen nicht in Frage", versichert die Pressestelle des Ministeriums auf Anfrage von Fussball-Vorort.

Der Freistaat weißt auf eine klare Aufgabenteilung hin: "Die Veranstalter von Fußballspielen sind in den Stadien für den geordneten Ablauf selbst verantwortlich. Das bedeutet beispielsweise, für eine ausreichende Anzahl an Ordnern zu sorgen." Darüber hinaus obliegt es den Klubs für Absperrungen und Einlasskontrollen zu sorgen. Hier endet der Zuständigkeitsbereich der Vereine. "Polizeieinsätze finden in der Regel überwiegend im öffentlichen Umfeld zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung statt. Diese Aufgabe liegt klar beim Staat und damit bei der Polizei", heißt es im Statement des Innenministeriums. Die Pressestelle verdeutlicht noch einmal: "Wenn beispielsweise Gastfans in der Innenstadt randalieren, kann man doch nicht den Heimverein dafür verantwortlich und kostenpflichtig machen."

Freistaat will Gewalttäter zur Kasse bitten

Damit ist die Kostenfrage eindeutig beantwortet, ganz aus der Pflicht lässt das Ministerium die Klubs aber nicht. "Der Beitrag von Vereinen muss beispielsweise sein, Gewalttäter dauerhaft und konsequent von Fußballspielen auszuschließen", appeliert der Freistaat.

Die bayerischen Behörden wollen nicht ihren Vereinen schaden, sondern gezielt die tatsächlich Schuldigen zu Verantwortung ziehen. Dass andere Bundesländer hier anders verfahren, ändert am bayerischen Selbstverständnis nichts. "Das Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen ändert jedenfalls nichts an unserer Haltung. Unser Ziel ist, verstärkt die Gewalttäter selbst zur Kostenerstattung heranzuziehen", schließt Michael Siefener, Stellvertretender Pressesprecher des bayerischen Staatsministeriums des Inneren.

Die bayerischen Regional- und Drittligisten können also entspannt bleiben. Und genau so handhabt es auch Haching-Präsident Manfred Schwabl, der schon fast überrascht auf die Nachfrage reagiert: "Wenn eine Rechnung kommt, werden wir die wohl zahlen müssen. Da wird uns nichts anderes übrig bleiben. Aber das Thema habe ich gerade überhaupt nicht im Kopf, das spielt momentan keine Rolle. Und wenn es das irgendwann tun sollte, ist es kein Einzelthema für Unterhaching, sondern für alle bayerischen Klubs."

Darüber hinaus richten auch die strengen Bremer ihren Blick hauptsächlich auf die Spiele der ganz Großen. Die Bremer Pressestelle erläutert, dass das Gesetz nur bei Veranstaltungen greift, die als "gewinnorientiert" eingestuft werden. Ob Amateurspiele dieses entscheidende Kriterium erfüllen, darf bezweifelt werden. - Kann aber auch von der Bremer Behörde nicht eindeutig beantwortet werden.

Zweite, wichitge Voraussetzung ist, dass voraussichtlich mehr als 5.000 Personen teilnehmen werden. Zum Vergleich: Bei Begegnugen der Regionalliga Bayern kamen in dieser Saison durchschnittlich 1.519 Fans. Über die 5000er-Marke kommen im Schnitt nur die Münchner Löwen. Dafür aber deutlich, mit 11.396 Zuschauern. In Liga drei erreichen dagegen fast alle Klubs den notwendigen Zuschauerschnitt. 12 von 20 Vereinen erwarten über 5000 Fans pro Partie, im gesamten Vergleich sind es 6.114. Die SpVgg Unterhaching bleibt allerdings deutlich unter der gesetzlichen Grenze, durchschnittlich besuchen 2.869 Fußball-Fans den Sportpark.

Der letzte Grund zum Aufatmen: Solte es bei einer Begegnung unerwarteterweise zu Ausschreitungen kommen, die einen Polizeieinsatz erforderlich machen, kann dieser nicht in Rechnung gestellt werden. "Die Bescheide müssen vorher angekündigt werden und es dürfen nur Gebühren erhoben werden, wenn die Gewalthandlungen erwartbar waren und zusätzliche Polizeikräfte vorhersehbar erforderlich waren", erläutert die Bremer Pressestelle.

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