Hertha-Rätselraten: Woher kommen die acht Millionen?

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Die Fans rätseln

Berlin - Hertha BSC hat mal eben acht Millionen Euro zugeschanzt bekommen und will nicht sagen, von wem das viele Geld stammt. Die Spekulationen schießen ins Kraut.

Ganz Berlin rätselt: Wer ist Mister X? Eine mysteriöse Millionenspritze sorgt beim Fußball-Zweitligisten Hertha BSC Berlin für gewaltiges Aufsehen. Acht Millionen Euro hat die hochverschuldete alte Dame rechtzeitig zum Rückrundenstart zugeschanzt bekommen, damit mehr, als manchem Aufstiegskonkurrenten im Jahr zur Verfügung steht. Die Hertha weigerte sich am Donnerstag, preiszugeben, wer der Gönner ist - oder sind es mehrere?

Der mit rund 39 Millionen Euro verschuldete Hauptstadt-Klub hielt sich mit Details über die spektakuläre Transaktion zurück. „Wir kommentieren das nicht“, sagte Sprecher Peter Bohmbach. Präsident Werner Gegenbauer bestätigte, dass es sich um deutsche Staatsbürger handelt, „die hier leben und hier steuerpflichtig sind“.

Russische Oligarchen scheiden damit aus. Sind es Privatleute? Kommt die Summe aus den eigenen Reihen? Scheint möglich. Welche Dimension die Summe in der 2. Liga hat, zeigt die Tatsache, dass etwa der komplette Etat des Tabellennachbarn Energie Cottbus niedriger ausfällt. Erzgebirge Aue, in der Liga hinter Augsburg, Hertha BSC und Cottbus auf Platz vier, muss sogar mit rund der Hälfte auskommen.

Die Finanzspritze ist für Hertha auch deshalb ein Segen, weil die vor wenigen Wochen aufgelegten Anleihen nicht den gewünschten Ertrag brachten. Bis Ende Januar sollten ursprünglich Anleihen im Wert von sechs Millionen Euro gezeichnet werden. Bislang liegen die Einnahmen noch unter zwei Millionen Euro.

Wegen der enormen Schulden ist Hertha auf die höheren Einnahmen in der Bundesliga angewiesen. Der Aufstieg ist kein Kann, sondern ein Muss, auch wenn die Fans dem Klub im Unterhaus die Treue halten. Die Hertha nimmt nach einer Studie des Internetanbieters Stadionwelt in der Liste der bestbesuchten Klubs Europas Platz 30 ein und ist mit 38.825 Zuschauern pro Spiel der meistbesuchte Zweitligist auf dem Kontinent.

Sportlich steht der Klub unter großem Druck. „Wir tun alles für unser Ziel. Der ganze Verein ist auf den Aufstieg fokussiert“, sagt Trainer Markus Babbel. Der Ex-Profi ist zum Aufstieg verdammt. Nach dem Zwischentief mit drei Niederlagen zum Ende der Rückrunde muss er die alte Dame nun dauerhaft in der Siegspur halten. Keine leichte Aufgabe, zumal zum Auftakt gegen Rot-Weiß Oberhausen am Montag in Roman Hubnik und Andre Mijatovic die komplette Abwehrzentrale ausfällt.

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Ex-Bundesligisten in den Amateurligen

Vielen Traditionsvereinen geht's finanziell schlecht. Sogar von Insolvenz und Abstieg in den Amateurbereich war immer wieder die Rede, so auch bei 1860 München. Die Löwen wurden am Ende gerettet, doch sie wären nicht die erste Mannschaft gewesen, die in den Niederungen des Amateurfußballs strandet. © Getty
Es gibt zwar Beispiele von Vereinen, die wieder auf die Beine gekommen sind. Etwa hat sich Fortuna Düsseldorf von der 4. in die 1. Bundesliga zurückgekämpft und der TSV 1860 von der 3. in die 1. Doch es gibt auch Ex-Bundesligisten, die in der Versenkung verschwunden sind. Sehen Sie hier eine Aufstellung der ehemaligen Bundesligisten, die heute in der 4. Liga oder tiefer spielen. © Getty
KFC Uerdingen: DFB-Pokalsieger 1985, heute Niederrheinliga (6. Liga) © Getty
Waldhof Mannheim: Bundesligist 1983-1990, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Rot-Weiss Essen: Deutscher Meister 1955, heute NRW-Liga (5. Liga) © Getty
Wattenscheid 09: Bundesligist 1990-1994, heute Westfalenliga (6. Liga) © Getty
Wuppertaler SV: UEFA-Pokal-Teilnehmer 1973/1974, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Bor. Neunkirchen: drei Jahre in der Bundesliga, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
FC Homburg: drei Jahre in der Bundesliga bis 1989/90, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
SV Darmstadt: zwei Jahre in der Bundesliga, heute in der 3. Liga (3. Liga) © Getty
Fortuna Köln: Bundesligist 1973/1974, heute NRW-Liga (5. Liga) © Getty
Lokomotive Leipzig: Europacup-Finalist 1987 und Bundesligist 1993/94 (als VfB Leipzig), heute Oberliga (5. Liga) © Getty
Preußen Münster: Bundesligist 1963/1964, heute in der 3. Liga. © Getty
Stuttgarter Kickers: Bundesligist 1988/89 und 1991/92, heute in der 3. Liga. © Getty
TeBe Berlin: Bundesligist 1974/1975 und 1976/77, heute Oberliga (5. Liga) © Getty
SSV Ulm 1846: Bundesligist 1999/2000, heute Regionalliga (4. Liga) © Getty
Das zweitgrößte Fahrstuhlteam: Tasmania Berlin: Bundesligist 1965/66, heute Landesliga (7. Liga) © dpa

Selbstvertrauen konnten die Berlin in der Vorbereitung tanken. In drei Spielen gab es Siege gegen den SV Babelsberg (3:0), FC Zwolle (2:0) und Standard Lüttich (2:1). Die beste Nachricht dabei aus Hertha-Sicht: Das Knie von Stammtorwart Maikel Aerts hat gehalten. Der Klub kann wieder mit dem wichtigen Rückhalt planen und sieht von einer Neuverpflichtung ab - genug Geld wäre zwar jetzt da, aber eben zweckgebunden.

Außerdem verstärkt Patrick Ebert die Mannschaft zur Rückrunde. Der einstige Skandal-Profi hat seinen Kreuzbandriss auskuriert und soll mit seinen gefürchteten Flanken die Hertha-Stürmer füttern.

Am Freitag wird die Rückrunde mit den beiden Spielen Karlsruher SC gegen die SpVgg Greuther Fürth und Union Berlin gegen Alemannia Aachen (18.00 Uhr/Sky) eröffnet. Das zeitgleich vorgesehen Spiel von Aue gegen den SC Paderborn wurde derweil wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt und auf den 18. Januar verlegt.

sid

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