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Skandal in der 3. Liga: Duisburger Zuschauer rief „Du Affe ...“ - jetzt äußert sich Opoku

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Von: Alexander Kaindl

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Ein Rassismus-Skandal erschüttert die 3. Liga. Die Partie zwischen Duisburg und Osnabrück wurde abgebrochen. Neue Details kommen ans Licht - nun spricht Opoku.

Update vom 21. Dezember, 21.17 Uhr: Der Spielabbruch des Drittliga-Spiels des MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück am Sonntag (19. Dezember) schlägt weiter hohe Wellen. Ein Zuschauer hatte Osnabrücks Aaron Opoku offenbar rassistisch beleidigt, unmittelbar nach dem Vorfall beendete das Schiedsrichter-Gespann die Partie vorzeitig.

Nun hat sich Opoku zwei Tage nach dem Eklat zu Wort gemeldet. „Ich bedanke mich beim Schiedsrichtergespann, beim MSV Duisburg, den Zuschauern und vor allem meinem Verein, dem VfL Osnabrück, dafür, wie reagiert und gehandelt wurde“, schrieb Opoku am Dienstag (21. Dezember) auf Instagram. „Der Vorfall hat mich geschockt. Es war für jeden Menschen, der schon einmal diskriminiert wurde, ein wichtiges Zeichen, das Spiel nicht fortzusetzen.“

Den Osnabrücker Spieler erreichte nach dem Vorfall eine Welle der Solidarität. „Ich bedanke mich für jede einzelne Nachricht, die ich erhalten habe“, zeigte sich Opoku gerührt über so viel Anteilnahme. Die Duisburger Polizei hatte noch am Sonntag (19. Dezember) eine Anzeige gegen einen 55-jährigen Mann wegen Beleidigung erstattet. Zeugenaussagen nach habe dieser „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“ gerufen. Der Beschuldigte gestand diesen Satz laut Polizei ein, behauptete aber, nicht Opoku sondern einen anderen Spieler gemeint zu haben.

Skandal in der 3. Liga - Jetzt ist bekannt, was der Duisburger Zuschauer rief: „Du Affe ...“

Erstmeldung vom 21. Dezember, 15.37 Uhr: Duisburg - Es ist ein absoluter Tiefpunkt für den deutschen Fußball: Während des Drittliga-Spiels zwischen dem MSV Duisburg und dem VfL Osnabrück hat ein Zuschauer einen Spieler rassistisch beleidigt. Die Partie wurde daraufhin abgebrochen, der Vorfall ist seitdem Gesprächsthema Nummer eins in Fußball-Deutschland.

Der einzige Lichtblick: Das Verhalten der vielen anderen Zuschauer, die Einigkeit der Vereine und die Entscheidung des Schiedsrichters, hier ein Exempel zu statuieren und die Begegnung nicht mehr anzupfeifen. Dafür gab es aus Politik und Sport viel Lob und Anerkennung. Inzwischen haben sich sowohl der MSV als auch der VfL zu Wort gemeldet.

Rassismus-Skandal in der 3. Liga: MSV Duisburg und VfL Osnabrück beziehen Stellung

In einer gemeinsamen Erklärung haben sich die beiden Klubs für eine Wiederholung des Spiels ausgesprochen. „Gestern ist ein deutliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt worden“, sagte der Duisburgs Präsident Ingo Wald am Montag. „Gemeinsam mit dem VfL wünschen wir uns allerdings auch, dass der Fußball aus dieser Situation als Gewinner und nicht als Verlierer vom Platz geht. Deshalb halten wir ein Wiederholungsspiel im Sinne des Sports für die einzig richtige Entscheidung.“

Was war passiert? Der Osnabrücker Spieler Aaron Opoku war am Sonntag von einem Duisburger Zuschauer rassistisch beleidigt worden. Dabei soll es sich um einen 55-Jährigen gehalten haben, gegen den nun ermittelt wird. Andere Fans hatten zur Identifizierung des Mannes beigetragen. Als erstes Spiel in einer der drei deutschen Profiligen* wurde das Duell der beiden Traditionsklubs aus fremdenfeindlichen Gründen erst unter- und dann abgebrochen. „Sportrechtlich liegt nun die Verantwortung für das weitere Verfahren zunächst bei den entsprechenden Instanzen des Deutschen Fußball-Bundes“, heißt es in der Mitteilung beider Vereine.

MSV Duisburg - VfL Osnabrück: Zuschauer rief offenbar: „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“

Nach Angaben der Duisburger Polizei dauern die Ermittlungen an. „Der Beschuldigte hat sich geäußert. Darüber hinaus werden Videos gesichtet und weitere Zeugen befragt“, sagte eine Polizeisprecherin. Dabei soll geprüft werden, ob es - wie vom Schiedsrichter angegeben - auch Affenlaute gegeben hat. Die Polizei hatte umgehend Anzeige erstattet. Eine Beleidigung kann eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe bis zu einem Jahr nach sich ziehen.

Allerdings gibt es laut Polizei auch Zeugenaussagen, dass „ein anderer Spieler gemeint gewesen sein“ könnte. Demnach wäre nicht Aaron Opoku, sondern VfL-Teamkollege Florian Kleinhansl Ziel der Schmähungen gewesen. Der Abwehrspieler hatte sich wie Opoku in der Nähe der Eckfahne aufgehalten. Nach Angaben der Polizei Duisburg unter Berufung auf Zeugenaussagen soll der Beschuldigte gerufen haben: „Du Affe kannst eh keine Ecken schießen!“

Rassismus im europäischen Fußball immer noch weit verbreitet

Im Fußball gibt es nach wie vor etliche Rassismus-Vorfälle, auch in anderen Ländern. In Italien kam es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu Affenlauten, ungarische Zuschauer sorgten während der Europameisterschaft im Sommer 2021 sogar für mehrere Skandale. In England wurden die Schützen des Elfmeter-Dramas im EM-Finale beschimpft und sogar bedroht - ein neuer Tiefpunkt.

In einzelnen Fällen reagierten die Mannschaften auf dem Platz mit dem geschlossenen Gang in die Kabinen - so wie nun in Duisburg. (akl/dpa)

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