tz-Interview

Real und Barca im Visier der EU-Komission

Sandro Rosell, Florentino Perez, Real Madrid, FC Barcelona
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Die Granden des spanischen Fußballs: Barcelona-Präsident Sandro Rosell (li.) und sein Real-Pendant Florentino Perez

München - Real und Barca droht Ärger mit der EU. Ihnen werden verschiedene Verstöße gegen das EU-Recht zur Last gelegt. Das tz-Interview mit Sportrechtsexperte Stefan Engelhardt:

Stefan Engelhardt

Dem FC Barcelona und Real Madrid droht Ärger! Die EU-Kommission will gegen sieben spanische Fußballklubs – darunter auch die beiden Spitzenvereine – Verfahren einleiten, weil ihnen verschiedene Verstöße gegen das EU-Recht zur Last gelegt werden. Real und Barça würden – ebenso wie Athletic Bilbao und CA Osasuna – bezichtigt, steuerliche Vorteile daraus zu ziehen, dass sie keine Aktiengesellschaften sind, sondern den Status von Sportvereinen haben. Die SZ berichtete, dass Real Madrid zudem Ungemach wegen Grundstücksgeschäften droht. Dabei gehe es um den Tausch von wertlosem Brachland, das dem Verein gehörte, gegen lukrative Grundstücke rund um das Bernabéu-Stadion. Welche Auswirkungen das haben kann? Das tz-Interview mit Sportrechtsexperte Stefan Engelhardt:

Herr Engelhardt, die spanische Politik verteidigt ihre Vereine. Welche Zugriffsmöglichkeiten hat die EU?

Engelhardt: Die EU kann beschließen, das bestimmte Regeln in nationales Recht umzusetzen sind. Dafür werden dem Land Fristen meist von zwei bis vier Jahren gesetzt. Wenn nichts passiert, kann geklagt werden. Was passiert, wenn man vor dem Europäischen Gerichtshof verliert, wissen wir spätestens seit dem Bosman-Urteil.

Wie konnte es so weit kommen?

Engelhardt: Die spanische Liga war wirtschaftlich noch nie die ganz große Bombe. In den 90er-Jahren war es fast noch schlimmer, deshalb wurde ein Gesetz erlassen, das die finanziell maroden Vereine gezwungen hat, sich in Aktiengesellschaften umzuwandeln. Einige Vereine wurden davon ausgenommen, weil sie als solvent galten. Seitdem profitieren sie davon, dass sie als gemeinnütziger Verein gelten, obwohl sie ein Wirtschaftsunternehmen sind.

Wäre das in Deutschland denkbar?

Engelhardt: Aus juristischer Sicht ist das unseriös. Man bräuchte Gleichberechtigung, entweder alle oder keiner.

Welche Organisationsformen haben deutsche Vereine?

Engelhardt: Es gibt AGs, GmbHs und e.V.s. Der FC Bayern etwa ist eine AG. Der HSV hingegen hat es immer noch nicht geschafft, der ist immer noch als e.V. tätig. Man könnte ihn zwingen, etwas zu ändern, aber ich denke, der Wille ist nicht da.

Die Profiabteilung ist in Hamburg aber ausgegliedert?

Engelhardt: Nein, erstaunlicherweise nicht, aber der HSV arbeitet daran. Noch ist er ein eingetragener Verein, wie viele unterklassige Amateurvereine, die keinen Gewinn erwirtschaften. Welche Form entsteht, muss man abwarten. Die Regularien von DFB und DFL gestatten nicht alles. Investoren können nicht nach Lust und Laune einsteigen. Ich halte das für richtig.

Sie meinen die 50+1-Regel.

Engelhardt:  Man will spanische Verhältnisse vermeiden. In Malaga beispielsweise ist ein Scheich eingestiegen, und plötzlich haben sie Champions League gespielt. Wenn er wieder aussteigt, ist der Verein quasi bankrott. Aber wenn man bedenkt, dass in Deutschland VW bei Wolfsburg und Audi bei den Bayern als Sponsor tätig ist, kann man sich seinen Teil denken, ob es nicht irgendwelche Verwicklungen geben könnte. Derzeit ist es aber noch zulässig.

Zurück zu Madrid und Barcelona. Wenn sie Steuern zurückzahlen müssten, könnte dann das Financial Fairplay greifen?

Engelhardt:  Das Problem ist, dass es international nicht richtig durchgezogen wird. Man hat wohl Angst hat, dass Madrid, das absurde Transfers vornimmt, obwohl sie es bei einem Blick auf ihre Bilanz eigentlich nicht dürften, schlicht über den Jordan gehen würde.

Und wie viel Probleme könnte Madrid durch den dubiosen Grund­stücks­tausch bekommen?

Engelhardt: Das ist eine Frage des Steuer. beziehungsweise Strafrechts und nicht der Sportrechts. Aber wenn man ein Grundstück eins zu eins tauscht, und das eine ist einen Euro Wert und das andere zehn Millionen, kann das kein echter Tausch sein.

Wenn sich ein ähnlicher Fall zwischen der Stadt München und dem FC Bayern ereignen würde…

Engelhardt: Dann würde man das Amtspflichtverletzung nennen. Die Subventionierung eines Vereins muss gerechtfertigt sein. Warum sollte die Stadt einen Verein sponsern, der nicht der einzige Verein ist?

Interview: Mathias Müller

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