Rettig im tz-Interview: "Die Kritik ist berechtigt"

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Andreas Rettig gesteht Fehler ein

Augsburg - Im Interview mit der tz geht FCA-Geschäftsführer Andreas Rettig auf die Kritik des Präsidenten Walther Seinsch ein und spricht über seinen möglichen Abschied vom Aufsteiger.

Seit 2006 lenkt Andreas Rettig die Geschicke des FC Augsburg. Unter ihm ist der Verein erstklassig geworden. Doch es droht der sofortige Wiederabstieg. Präsident Walther Seinsch kritisiert dabei die Transferpolitik und spricht von "Versäumnissen des Hauses". Im Interview mit der tz geht Rettig darauf ein - und spricht über seinen möglichen Abschied.

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

Die "Sport Bild" hat die elf mächtigsten Männer des deutschen Fußballs gekürt. Klicken Sie sich hier durch die Liste. Platz 11: Reinhard Rauball (Ligapräsident) © Getty
Platz 10: Oliver Bierhoff (Nationalelf-Teammanager) © Getty
Platz 9: Matthias Sammer (DFB-Sportdirektor) © Getty
Platz 8: Wolfgang Niersbach (DFB-Generalsekretär) © Getty
Platz 7: Franz Beckenbauer (Bayern-Ehrenpräseident und Mitglied des FIFA-Exekutivkommittees) © Getty
Platz 6: Philipp Lahm (Kapitän FC Bayern und DFB-Team) © Getty
Platz 5: Joachim Löw (Bundestrainer) © Getty
Plat 4: Christian Seifert (Vorsitzender der Geschäftsführung der DFL) © dpa
Platz 3: Theo Zwanziger (DFB-Präsident) © Getty
Platz 2: Uli Hoeneß (Bayern-Präsident) © Getty
Platz 1: Karl-Heinz Rummenigge (Bayern-Vorstandsboss und Chef des europäischen Clubverbands ECA) © Getty

Wie haben Sie die Niederlage am Sonntag verdaut?

Andreas Rettig: Es war eine ganz bittere Niederlage, weil sie unverdient war. Man hat gesehen, was in der Mannschaft steckt. Das sind Dinge, die an einem nagen. Da leide ich mit der Mannschaft.

Wie sehr zehrt das an Ihren Nerven?

Rettig: Ich finde es schade und enttäuschend. Die Mannschaft macht das großartig – auch wenn es keiner mehr hören will. Wir wussten, dass es mit diesem Kader von Anfang an um die Wurst geht. Wenn dann trotz des Aufwands nichts dabei herausspringt, tut mir das leid für die Mannschaft.

Walther Seinsch hat Versäumnisse in der Transferpolitik eingestanden. Wie sehen Sie das?

Rettig: Der Präsident hat Recht, gar keine Frage. Diesen Schuh muss vornehmlich ich mir anziehen. Das ist auch gar keine Frage, weil ich mich hier seit sechs Jahren in einer Gesamtverantwortung fühle. Personal- und Transferentscheidungen habe in erster Linie ich zu vertreten. Deswegen kann ich das nachvollziehen. Die Aussage ist für mich auch nichts Neues. Mit dieser berechtigten Kritik muss ich leben.

Wie ist es zu diesen Versäumnissen gekommen?

Rettig: Ich würde das nicht als „Versäumnisse“ bezeichnen. Es war ja keine Frage des Geldes. Es kam am Anfang immer so herüber, als hätte der Verein kein Geld. Aber das ist Quatsch! Wir sind gut aufgestellt und haben wirtschaftlich überhaupt keine Probleme. Ich bin aber nicht dazu bereit, wirtschaftlich jeden Blödsinn mitzumachen. Wenn wir dann nicht jeden Preis zahlen und einen Spieler nicht bekommen, muss ich mir das anheften. Vielleicht hätten wir beim ein oder anderen Transfer mutiger und aggressiver sein können, vielleicht auch nicht. Wenn wir vier Punkte mehr hätten, würden uns jetzt alle feiern: 'Schaut her, die Schnäppchenjäger aus Augsburg!'

Welche geplatzten Transfers schmerzen Sie?

Rettig: Es gab eine Reihe von Spielern, mit denen wir in Verhandlungen waren. Einige Verpflichtungen waren illusorisch, einige Spieler haben sich aufgrund sportlicher Perspektiven gegen uns entschieden. Es gab welche, die uns wegen wirtschaftlicher Dinge abgesagt haben, und es gab Spieler, mit denen wir uns einig waren, mit deren Vereinen wir aber nicht klargekommen sind. Es ist ein bunter Strauß – und jeder Spieler, den wir nicht bekommen haben, tut weh.

Lässt sich das in der Winterpause noch geradebiegen?

Rettig: Wir wollen die ein oder andere Korrektur vornehmen. Aber auch da gilt die wirtschaftliche Vernunft! Wir lassen uns auch im Winter nicht treiben und machen auch da nicht jeden Blödsinn mit. Aber vielleicht gehen wir wirtschaftlich ein bisschen mehr Risiko ein.

Laut Jos Luhukay hat der Verein aber noch mit keinem Interessenten gesprochen. Droht das nächste Versäumnis?

Rettig: Jos Luhukay wollte mit dieser Aussage sagen, dass wir nicht kurz vor einem Abschluss stehen. Natürlich sind wir im Markt unterwegs.

FCA-Spieler früher und heute: Hätten Sie alle erkannt?

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Milan Petrzela (r.) 2005 ... © Getty
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Aristide Bancé 2008 ... © Getty
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Seinsch hat auch Ihre Zukunft angesprochen. Wie konkret ist Ihr Wunsch, nach Köln zurückzukehren?

Rettig: Ich habe hier ein Höchstmaß an Job-Zufriedenheit. Es sind großartige Arbeitsbedingungen. Als Geschäftsführer muss ich keine Sekunde überlegen, ob ich den Vertrag verlängere. Trotzdem nehme ich mir das Recht heraus, das im Winter in aller Ruhe zu überlegen.

Wovon machen Sie das abhängig?

Rettig: Es sind viele Dinge, die es abzuwägen gilt.

Können Sie überhaupt ohne den FCA?

Rettig: Das weiß ich nicht. Eine emotionale Bindung zu Augsburg ist da. Deswegen ist der nächste Schritt gut zu überlegen. Das wollen wir zu Beginn des neuen Jahres besprechen. Das ist auch kein Hexenwerk. Es geht nicht um Laufzeit oder Geld.

Welche Rolle spielt dabei Jos Luhukay?

Rettig: Eine ganz entscheidende. Aber die Frage stellt sich nicht, weil Luhukay definitiv bleibt. Das Thema Trainer ist berechenbar. Dass Walther Seinsch wieder mehr in die Verantwortung geht, ist ein weiteres positives Zeichen.

Interview: Tobias Kimmel

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