Reus rettet Gladbacher Borussen

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Borussia Moenchengladbachs Spieler Martin Stranzl (v.l.), Dante Bonfim Costa Santos und Marco Reus jubeln nach dem Spiel.

Bochum - Der Bundesliga-Dino bleibt drin: Im Nachsitzen hat Borussia Mönchengladbach das Horrorszenario 2. Liga abgewendet und den Klassenverbleib im deutschen Fußball-Oberhaus doch noch geschafft.

Der Elf vom Niederrhein reichte am Mittwochabend ein 1:1 (0:1)-Remis im Relegations-Rückspiel beim Zweitliga-Dritten VfL Bochum, nachdem Gladbach die erste Partie noch mit 1:0 gewonnen hatte. Jungstar Marco Reus vereitelte mit seinem goldenen Treffer den dritten Erstliga-Abstieg der von vielen schon vor Monaten abgeschriebenen “Fohlen“ nach 1999 und 2007.

Gladbachs Havard Nordtveit (24.) brachte Bochum per Eigentor in Führung, der designierte Nationalspieler Reus (72.) traf nach schwacher erster Hälfte zum 1:1. Erst nach gut einer Stunde schien die Elf des Schweizer Trainers Lucien Favre die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und erwachte aus der Lethargie. Der Klassenverbleib könnte nun auch für etwas Ruhe in der Chefetage sorgen: Eine Oppositionsgruppe um Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg will an diesem Sonntag bei der Jahreshauptversammlung mit Hilfe von Satzungsänderungen Macht im Verein gewinnen - offen, ob das gelingt.

Die bizarren Rituale der Fußballstars

Mario Gomez singt bei Länderspielen nie bei der Nationalhymne mit. Der Grund: Einst hatte er vor einer U-15-Partie nicht mitgesungen und prompt ein Tor erzielt. Seither verzichtet er auf Gesang.  © dpa
Der argentinische Torhüter Sergio Goycochea (Elfmeter-Killer bei der WM 1990) hatte eine besonders bizarre Marotte: Vor wichtigen Elfmeterschießen urinierte der Schlussmann auf den Platz. Seine Mitspieler bildeten dann einen Kreis um ihn als Sichtschutz. Er wollte damit den Gegner verunsichern. © getty
Gerd Müller trug immer Schuhgröße 41. Und das, obwohl der „Bomber der Nation“ eigentlich Größe 38 hatte. Er könne sich so besser drehen, gab er als Begründung an. © dpa
Der Däne Preben Elkjaer-Larsen war schon während seiner Profizeit Kettenraucher. Zu seinen Ritualen gehörte die Zigarette in der Halbzeitpause. © getty
Michael Ballack besteht bei seinen Clubs immer auf die Trikotnummer 13. Beim Dienstantritt in London sorgte dies für Ärger mit Teamkollege William Gallas, der die „13“ zuvor getragen hatte. Ballack setzte sich durch. © dpa
Die englische Fußball-Legende Gary Lineker schoss beim Aufwärmen niemals aufs Tor. Er wollte „die Treffer aufsparen“. Wenn er in der ersten Hälfte nicht einnetzte, wechselte er in der Pause sein Trikot. © getty
Der Ex-Nationalspieler Carsten Jancker küsste nach jeder Bude seinen Ring. Damit drückte er die Liebe zu seiner damaligen Freundin aus. © dpa
Giovanni Trapattoni (Was erlauben Struuuunz?/Gespielt wie eine Flasche leer...) vetraute bei der WM 2002 auf geweihtes Wasser. Damit besprühte er vor den Partien Teile des Platzes. Seine Schwester, die Ordensfrau ist, hatte ihm die Flüssigkeit besorgt. Gebracht hat es nichts. Italien schied früh aus.  © dpa
Der legendäre Dr. Socrates (Brasilien), der bei der WM 1986 einen Elfmeter aus dem Stand geschossen hatte (und vergab), betrat immer als letzter Akteur das Spielfeld. Der Grund: Aberglaube. © getty
Bei der WM 1986 gab es für die argentinische Nationalelf fünf Wochen lang kein Hühnerfleisch. Trainer Carlos Bilardo war der festen Überzeugung: Hühnerfleisch bringt Unglück. © Getty
Bei der WM 1998 küsste der französische Nationalspieler Laurent Blanc (2.v.r.) vor Beginn jeder Partie den kahlen Kopf seines Torhüters Fabien Barthez (2.v.l.). © dpa
Der Brasilianer Jorginho, der früher für den FC Bayern seine Kickstifel schnürte, ist streng gläubig. Vor den Partien überreichte er den gegnerischen Kapitänen stets eine Bibel. © dpa
Skandalkicker Eric Cantona nahm an jedem Spieltag morgens um Punkt acht Uhr ein fünfminütiges, heißes Wannenbad. © dpa
Frankreichs Ex-Nationalcoach Raymond Domenech soll bei der Aufstellung des Teams ganz genau auf die Strenzeichen der Spieler achten. Offenbar befragt er vor Kader-Nominierungen zudem das Horoskop. © dpa
Der Brasilianer Mario Zagallo, Weltmeister als Spieler sowie als Trainer, liebt die Zahl 13. Das rührt von der Verehrung des Heiligen Antonius her. Dessen Gedenktag wird am 13. Juni gefeiert. Zagallo lebt in einem 13. Stockwerk, heiratete am 13. Januar und verlangte als Spieler immer die Nummer 13. © dpa
Adrian Mutu trägt bei Spielen immer dieselbe Unterwäsche-Marke. © dpa
Auch der frühere kolumbianische Nationaltürhüter Rene Higuita schwörte auf Konstanz bei seiner Unterwäsche. Bei ihm mussten die Hosen blau sein. Eine Wahrsagerin hatte ihm dies empfohlen. © Getty
Miroslav Klose bekreuzigt sich vor jedem Einsatz. © dpa
Udo Lattek trug als Manager des 1. FC Köln in der Saison 1987/88 einen blauen Strickpulli. Und das 14 Spieltage lang. Immer denselben. Bis zur ersten Niederlage.  © dpa
Auch der frühere englische Nationalspieler Paul Ince hat stets darauf bestanden, das Spielfeld als letzter Akteur zu betreten. © dpa
Kölns Ex-Keeper Faryd Mondragon ist streng gläubig. Er ließ sich ein FC-Handtuch weihen. Vor den Spielen betet er, er soll sogar eine Marienfigur in der Kabine haben. © dpa
Der italienische Nationalkicker Gennaro Gattuso trug bei der WM in Deutschland die ganze Zeit über den gleichen Pullover. Außerdem packte er vor allen Partien ab dem Viertelfinale den Koffer für die Heimreise. Die Rituale waren von Erfolg geprägt, Italien wurde Weltmeister. © dpa
Der Engländer John Terry pflegt eine ganz besondere Beziehung zu seinen Schienbeinschützern. Jahrelang verwendete er immer dieselben. Als er sie nach einem Champions-League-Spiel in Barcelona verlor, war er am Erdboden zerstört. Außerdem setzt er sich im Mannschaftsbus immer auf den gleichen Platz. © dpa
Felix Magath hat während seiner ersten Zeit in Wolfsburg monatelang eine grüne Krawatte getragen. So lange, wie sein Club ungeschlagen war. © dpa
BVB-Verteidiger Neven Subotic trägt zwei Armbänder, die er von seiner bosnischen Oma Milena bekommen hat. Zu seinem Ärger muss er die Bänder vor den Spielen ablegen. Das gebieten DFL-Auflagen. © dpa
Der argentinische Superstar Juan Sebastian Veron wickelte immer eine Bandage um sein rechtes Knie. 1997 hatter er sich an dieser Stelle verletzt und den Verband von da an als Glücksbringer beibehalten. © dpa
1860-Verteidiger Moritz Volz geht vor Spielen regelmäßig in die Küche und backt Kuchen. Und nicht nur einen: „ Drei müssen es schon sein“, hat der Kicker in einem Interview gesagt. © dpa
Der englische Kult-Kicker und Trainer Jack Charlton („Die Giraffe“) wechselte als Spieler immer kurz vor dem Anpfiff die Stollen aus. Nach dem Aufwärmen marschierte er erst in die Kabine, wenn er einen Torschuss erfolgreich abgeschlossen hatte.   © getty
Louis Aragonés hasst die Farbe gelb. Der ehemalige Trainer der spanischen Nationalmannschaft soll während der WM 2006 in Dortmund einen gelben Blumenstrauß zur Begrüßung abgelehnt haben. Einst bat er sogar Mannschaftskapitän Raul, ein gelbes Jersey im Training auszuziehen. © dpa
Jörg Berger (†) wechselte vor seinem Dienstantritt bei der Frankfurter Eintracht im Jahr 1998 die Trainerbank aus. Das Möbelstück seiner Amtsvorgänger Horst Ehrmanntraut und Reinhold Fanz war ihm suspekt.  © dpa
Luca Toni schraubt nach Torerfolgen immer symbolisch an seinem Ohr. Das soll heißen:  „Avete capito“ (Habt Ihr das verstanden/Habt Ihr das gesehen?)! Böse Zungen behaupten hingegen, er würde den Regler seines Hörgerätes zurückdrehen, wenn es im Stadion zu laut wird. © dpa

Der VfL um Trainer Friedhelm Funkel verpasste hingegen den siebten Bundesliga-Aufstieg nach 1971, 1994, 1996, 2000, 2002 und 2006. Dabei hatte der aufstiegserfahrene Coach mit einer unkonventionellen Maßnahme vor dem Spiel noch einmal alles versucht: Er zeigte seinen Spielern ein Video des Gladbacher Hinspieltores, als Igor de Camargo 15 Sekunden nach Ende der regulären Nachspielzeit getroffen und die Ruhrpottgemüter erhitzt hatte. Ob der unglücklichen Pleite startete der einstige UEFA-Cup-Teilnehmer wütend und voller Tatendrang.

Und die abwartenden Gladbacher? Hatten anfangs kaum etwas dagegenzusetzen. Lauf- und Einsatzbereitschaft erzürnten auch Trainer Favre. Der konnte an seinem 100. Tag in Gladbacher Diensten zwar auf den angeschlagenen Reus zurückgreifen, sah seine Elf aber auch mit dem flinken Offensivmann zunächst immer wieder in Bedrängnis.

Schon nach drei Minuten verlängerte Marcel Maltritz im mit 28 650 Besuchern ausverkauften Rewirpower-Stadion eine Ecke an die Latte des “Fohlen“-Gehäuses - der starke Borussen-Torwart Marc-André ter Stegen wäre geschlagen gewesen. Etwas später war das der Fall: Der bissige Mirkan Aydin setzte sich an der Strafraumkante stark durch, passte auf den durchgestoßenen VfL-Kapitän Christoph Dabrowski, und dessen flache Hereingabe bugsierte Nordtveit unglücklich ins eigene Tor.

Die Borussia schien ihren Vorteil durch den Hinspielsieg leichtfertig zu verzocken, kam bis zur Pause zu keiner nennenswerten Gelegenheit. Erst danach machte die Elf vom Niederrhein, nach dem Trainerwechsel zu Lucien Favre immerhin noch vom Tabellenende auf Rang 16 geklettert, mobil. Nach einer schönen Kombination bedient Hinspieltorschütze de Camargo den davonstürmenden 22-jährigen Reus, der VfL-Torwart Andreas Luthe aus kurzer Distanz keine Chance ließ. Ein goldener Treffer, der Gladbach in der Liga hielt.

dpa

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