Erschreckende Szenen im Video

Bus-Attacke und weinende Spieler: Superclásico nach schweren Ausschreitungen auf unbestimmte Zeit verschoben

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Pablo Perez von den Boca Juniors wurde am Auge verletzt.

Eklat in Argentinien! Vor dem Superclásico zwischen River Plate und den Boca Juniors wurde der Bus der Gäste attackiert und mehrere Spieler verletzt. Nach einer kurzfristigen Verlegung auf Sonntag wurde die Partie jetzt auf unbestimmte Zeit verschoben.

Superclásico: River Plate - Boca Juniors auf unbestimmte Zeit verlegt

Update vom 25.11.2018 18:30 Uhr:

Nach den Ausschreitungen im Vorfeld des Final-Rückspiels der Copa Libertadores hat der südamerikanische Verband CONMEBOL die Begegnung zwischen den argentinischen Erzrivalen River Plate und Boca Juniors auf einen noch unbestimmten Zeitpunkt verschoben. Das teilte der Verband am Sonntagabend mit, das Spiel war für 21.00 Uhr MEZ angesetzt.

Ursprünglich hatte die Begegnung bereits am Samstagabend stattfinden sollen. Allerdings hatten Fans von River Plate den Teambus des Stadtrivalen aus Buenos Aires mit Steinen, Flaschen und weiteren Gegenständen beworfen. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch, Kapitän Pablo Perez sowie Nachwuchsspieler Gonzalo Lamardo erlitten durch Splitter Augenverletzungen. Das von der Polizei eingesetzte Tränengas, um die Randalierer zu vertreiben, sorgte zudem bei weiteren Spielern für gesundheitliche Beeinträchtigungen. Das Hinspiel war 2:2 ausgegangen.

Bus-Attacke, Tränengas, verletzte Spieler: Superclásico versinkt im Chaos

Das Video dauert nur wenige Sekunden, macht aber den ganzen Horror im Teambus von Boca Juniors erlebbar. Mitten im euphorischen Gesang der Spieler zersplittern die Scheiben, dann sinkt Kapitän Pablo Perez auf einem Sitz zusammen. "Einen Arzt, ruft einen Arzt", ist noch zu hören, ehe die Aufnahme abbricht. Es ist der Anfang vom Ende für die große Fiesta des südamerikanischen Fußballs.

Perez und Nachwuchsspieler Gonzalo Lamardo wurden sofort in ein Krankenhaus gefahren, kehrten neben leichten Schnittwunden mit einer wegen Splitterverletzungen an der Bindehaut über dem betroffenen Auge geklebten Bandage ins Estadio Monumental von Buenos Aires zurück. Der Busfahrer verlor von einem Stein getroffen gar für Sekunden das Bewusstsein und bekannte: "Es hätte in einer Tragödie enden können."

Schon da wurde klar, an diesem Samstag war ein Final-Rückspiel um die Copa Libertadores undenkbar.

Superclásico: River Plate - Boca Juniors auf Sonntag verlegt

Doch die südamerikanische Fußball-Konföderation CONMEBOL spielte auf Zeit, verschob den Anstoß zunächst um eine Stunde, dann um weitere 75 Minuten, ließ selbst danach das Schiedsrichtergespann sich noch warmlaufen, ehe geschlagene vier Stunden nach dem Vorfall CONMEBOL-Präsident Alejandro Dominguez endlich die Verlegung der Partie auf Sonntag, 17.00 Uhr lokaler Zeit, verkündete.

"Es gab eine Einigung zwischen beiden Klubs, ein Gentlemen's Agreement", sagte Dominguez. Dabei war die Hängepartie vom Verband inszeniert. Boca wollte nicht mehr spielen. River, seit gut 100 Jahren Intimfeind, zeigte sich mit dem Stadtrivalen solidarisch. Aber die CONMEBOL, gar selbst die FIFA fürchteten den Imageschaden mehr als die Gesundheit der Hauptdarsteller.

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"Um vier Uhr nachmittags und nicht erst um sieben am Abend habe ich meine Meinung kundgetan. Aber es sind nicht wir, die entscheiden", kritisierte River-Plate-Trainer Marcelo Gallardo, der "unter diesen Umständen" nicht antreten wollte. "Wir fühlen uns nicht in der Lage, das Spiel zu bestreiten. Aber wir werden gezwungen zu spielen", echauffierte sich Boca-Star Carlos Tevez, einst in der Premier League und im Nationaltrikot erfolgreich.

Was so auch zu einer angeblich von Gianni Infantino stammenden Äußerung passt. "Ich will die Verantwortlichen für diese Situation, aber die Partie muss gespielt werden", wird der umstrittene Präsident des Weltverbandes, der als Ehrengast im Stadion zu den Krisensitzungen der Beteiligten hinzueilte, vom argentinischen Medienkanal TyC Sports zitiert.

Superclásico: River-Fans attackieren Teambus von Boca Juniors

Da machten schon die Bilder vom Vandalismus weltweit die Runde. Als der Boca-Tross gegen 15.20 Uhr die letzte, enge Kurve vor der Arena nahm, flog alles mögliche aus der Menge der dort schon wartenden River-Fans auf den Spielerbus. Die wenigen Polizisten vor Ort setzten hilflos Tränengas ein, das durch die zerschlagenen Fenster auch ins Fahrzeug gelangte. Mehrere Akteure klagten anschließend über Unwohlsein.

In einem Kommunique konstatierten die CONMEBOL-Ärzte nach Untersuchungen in der Boca-Kabine nur "oberflächliche" Verletzungen und kamen zum Schluss: "Aus ärztlicher Sicht gibt es keinen Grund, die Partie abzusagen." Das Foto mit dem Geschwulst im Auge Perez' zieht die Diagnose jedoch in Zweifel.

Superclásico: "Das ist ein Fußballspiel, kein Krieg"

"Vergüenza", Schande, twitterte Carles Puyol, langjähriger Kapitän des FC Barcelona und Weltmeister 2010, und sprach vielen aus der Seele. "Wieder eine Gelegenheit vor den Augen der Welt vertan", jammerte Argentiniens Torjäger-Ikone Gabriel Batistuta. Und das knapp eine Woche vor dem G20-Gipfel am Rio de la Plata, für den schon jetzt wegen der schweren Wirtschaftskrise im Land heftige Proteste angesagt sind.

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Der Tag endete mit der vorübergehenden Sperrung des Monumental-Stadions, Straßenschlachten zwischen Polizei und Fans ohne Eintrittskarten sowie mindestens 56 Festnahmen. "Das ist ein Fußballspiel, kein Krieg", stellte CONMEBOL-Boss Dominguez klar. Bleibt abzuwarten, ob das zumindest für die Neuansetzung am Sonntag gilt.

Wenn überhaupt gespielt wird. Denn Boca will nach dem 2:2 im Hinspiel den Sieg nun am grünen Tisch.

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SID

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