Ronaldo glaubt an Verschwörung

+
Cristiano Ronaldo ist sauer

Barcelona - Cristiano Ronaldo von Real Madrid glaubt nach dem Ausscheiden seines Vereins in der Champions League gegen den Erzrivalen Barcelona wie sein Trainer Jose Mourinho an eine Verschwörung der UEFA.

Mesut Özil verließ das Camp Nou in Barcelona beleidigt und schweigend, doch wütende Kollegen machten ihrem Ärger Luft. Während der FC Barcelona nach dem 1:1 (0:0) im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid ausgelassen den Einzug ins Endspiel im Londoner Wembley-Stadion feierte, erwiesen sich die Königlichen als schlechte Verlierer.

Schlechter Verlierer: Die Skandale und Eskapaden des José Mourinho

Februar 2004: Mourinho wird vorgeworfen, im Punktspiel des FC Porto bei Sporting Lissabon auf dem Weg in die Kabine Sporting-Spieler Rui Jorge angegriffen und dessen Trikot zerrissen zu haben. © dpa
Februar 2005: Mourinho wirft dem schwedischen Referee Anders Frisk vor, in der Halbzeit des Champions-League-Spiel von Chelsea beim FC Barcelona Trainer-Kollege Frank Rijkard in die Kabine gelassen zu haben. Aus Trotz bleibt er der Pressekonferenz fern. Frisk bestreitet die Vorwürfe, erhält Morddrohungen, beendet seine Karriere. Mourinho wird für zwei Spiele gesperrt. Er habe den Fußball “in Verruf gebracht“, schreibt die UEFA-Disziplinarkommission. © Getty
Mai 2005: In der Champions League gegen den FC Liverpool sagt Mourinho nach dem umstrittenen Siegtor von Liverpools Luis Garcia: “Der Linienrichter schoss das Tor.“ Es hagelt Kritik an ihm. © Getty
März 2007: Nach einem Pokalspiel Chelseas gegen Tottenham soll Mourinho den Schiedsrichter als “Hurensohn“ bezeichnet haben. “Das war nicht beleidigend gemeint, auch wenn man sie als Beleidigung verstehen kann“, sagt er. © Getty
April 2007: Mourinho reklamiert im Champions-League-Spiel Chelseas gegen Liverpool heftig einen Handelfmeter, obwohl sich die fragliche Szene außerhalb des Strafraums abgespielt hatte. Schiedsrichter Markus Merk wird zum Prügelknaben des Portugiesen. © Getty
November 2008: Während eines Live-Fernsehinterviews sorgt Mourinho für einen Eklat. Weil der Moderator des öffentlich-rechtlichen TV-Senders RAI ihn nach dem 1:0-Sieg gegen Inter mit seinem Vorgänger Roberto Mancini vergleicht, bricht Mourinho das Interview ab. © Getty
Dezember 2009: Nach dem 1:1 bei Atalanta Bergamo greift Mourinho einen Reporter an und zerrt ihn am Arm aus einem Interviewraum. © Getty
Februar 2010: Beim 0:0 gegen Sampdoria Genua legt er sich mit dem Schiedsrichter an. Nach zwei Roten Karten für Inter zeigt der Portugiese mit überkreuzten Handgelenken an, dass der Referee in Handschellen aus dem Stadion geführt werden müsse. Das bringt ihm ein Sperre von drei Spielen und 40 000 Euro Strafe ein. © Getty
Februar 2010: Mourinho sagt nach dem Derby gegen den AC Mailand: “Heute wurde alles getan, damit wir nicht siegen“. Konsequenz: eine Geldstrafe von 18 000 Euro. © Getty
November 2010: José Mourinho wird in Spanien wegen einer rüden Schimpfattacke gegen einen Schiedsrichter für zwei Spiele gesperrt worde. “Geh zur Scheiße!“, hatte er dem Referee in einem Pokalspiel hinterhergerufen - obwohl Real 5:1 gewinnt. © Getty
Dezember 2010: Nach einem 1:0 der Madrilenen über den FC Sevilla legt Mourinho eine Liste mit “13 gravierenden Fehlentscheidungen“ vor. Clubpräsident Florentino Pérez meint: “Es ist in unserem Verein üblich, dass wir uns nicht über die Schiedsrichter äußern.“ © Getty
Februar 2011: Mourinho attackiert nach Reals Champions-League-Partie bei Olympique Lyon den deutschen Schiedsrichter Wolfgang Stark. Wieder geht es um einen vermeintlichen Elfmeter. “Ich habe das Handspiel aus 50 Metern Entfernung erkannt, aber der Schiedsrichter stand nur fünf Meter weg und hat nichts gesehen.“ © Getty
März 2011: Mourinho beschimpft einen Reporter als “Heuchler“, der den Portugiesen nach dessen jüngsten Klagen über die Schiedsrichter und die Terminpläne befragt hatte. “Was ich sage, sind keine Klagen, sondern Wahrheiten“, behauptete der Portugiese. © Getty
April 2011: Mourinho ledert nach dem CL-Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona (0:2) gegen Schiedsrichter Wolfgang Stark, die UEFA und den FC Barcelona sowie dessen Coach Pep Guardiola. Der Portugiese wittert mal wieder eine Verschwörung und glaubt, der FC Barcelona würde seit Jahren im Europapokal bevorzugt. © Getty
August 2011: Mourinhos Besessenheit für den FC Barcelona nimmt groteske Züge an. Kurz vor dem Ende des Supercup-Rückspiels bei Barca (2:3) rastet der Portugiese im Zuge einer Rudelbildung aus, tritt zunächst den am Boden liegenden Cesc Fabregas und greift anschließend Barca-Co-Trainer Tito Vilanova ins Auge. © dpa
Januar 2012: Hier greift sich Mourinho ausnahmsweise mal selbst ins Auge. Nach dem Pokal-Aus im Viertelfinale gegen den FC Barcelona fühlt sich Mourinho mal wieder benachteiligt. Er lauert dem Schiedsrichter in der Tiefgarage auf und sagt: "Du Künstler, du fickst die, die arbeiten. Du respektierst nicht die richtigen Profis. Jetzt gehst du eine Zigarre rauchen und dann gehst du nach Hause, du Lümmel.“ © dpa
Winter 2012: Nach heftiger Kritik in der Öffentlichkeit an seiner Außendarstellung präsentiert sich Mourinho vor dem Heimspiel gegen Atletico Madrid den Fans und steht einige Minuten mitten auf dem Feld, "damit die Leute ihre Meinung über mich abgeben können". Die Reaktionen im spärlich gefüllten Stadion sind gemischt. © dpa
Nach seinem Abschied zum FC Chelsea kartet Mourinho nach: Das Opfer dieses Mal: Cristiano Ronaldo. "Ich hatte ein einziges Problem mit ihm: Cristiano denkt, dass er alles besser weiß, und er akzeptiert keine Kritik an seiner Spielweise", sagte Mourinho, obwohl sein Landsmann auch in Mourinhos letzter Saison bei Real bester und torgefährlichster Spieler war. © dpa
August 2013: Auch bei Chelsea kann es Mourinho nicht lassen - und lästert dabei sogar Europa-übergreifend. Die Giftpfeile treffen seinen Intimfeind und Neu-Münchner Pep Guardiola. Vor dem Supercup-Spiel gegen den FC Bayern stichelt er: „Der FC Bayern des Jupp Heynckes war das beste Team Europas. Jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr sicher, ob sie immer noch so gut sind.“ © dpa
März 2014: Seine Ex-Vereine sind Mourinho heilig. Der Portugiese schimpft und lästert über vieles, aber gegen seine ehemaligen Arbeitgeber und Spieler eigentlich nicht. Über einige Spieler von Real Madrid sagte Mourinho aber: "Bei Real Madrid standen die Spieler vor den Spielen in der Kabine Schlange vor dem Spiegel, damit sie ihre Frisuren noch überprüfen konnten, bevor es raus auf den Platz ging", lästere Mourinho. © AFP
September 2014: Wieder mal eine Attacke von Mourinho gegen seinen Erzfeind Pep Guardiola, dieses mal sogar auf persönlicher Ebene: "Wenn einer das genießt, was er tut, dann verliert er nicht die Haare. Guardiola aber hat eine Glatze. Er genießt den Fußball nicht", lautete die unverschämte Aussage des ehemaligen Trainers von Real Madrid. Vorausgegangen war ein Disput der beiden bei der Trainertagung in Nyon, bei dem es um die vorgeschriebene Rasenlänge bei internationalen Spielen ging. © AFP

Das galt auch für Jose Mourinho. Der nach seinen Verbalattacken beim 0:2 im Hinspiel gesperrte Coach hatte das Aus seiner Mannschaft im Hotel Juan Carlos I. verfolgt und danach wie Özil geschwiegen. Doch beim Abschied aus Barcelona am Flughafen El Prat machte er mit einer abfälligen Handbewegung klar, wie er die Sache sah: Madrid wurde betrogen!

„Mou hatte Recht. Er sagte, dass es unmöglich für uns ist, weiterzukommen. Und genau so war es“, sagte Mourinhos Assistent Aitor Karanka, der den Chef auf der Bank vertreten hatte. Kapitän Iker Casillas ergänzte: „Wie immer! Die Schiedsrichter haben uns erschossen! Wir wurden hier sowie zu Hause beraubt - und so um das Finale gebracht.“

Dort steht am 28. Mai zum vierten Mal in der 19-jährigen Geschichte der Champions League der FC Barcelona. Und das machte Mourinho, wie er der Mannschaft laut Karanka per Telefon unmittelbar nach dem Spiel mitteilte, „sauer, wie alle bei Real Madrid. Ich muss nichts mehr sagen. Das haben doch 100 Millionen Menschen gesehen. Wie schon im ersten Spiel.“

Stein des Anstoßes war eine Szene unmittelbar nach der Pause. Barcelonas Pique schubste Ronaldo bei einem Angriff Reals zu Boden, der Portugiese fiel mit dem Rücken in die Hacken von Barca-Spieler Javier Mascherano. Dieser sank ebenfalls auf den Rasen, weshalb der Belgier De Bleeckere auf Freistoß für die Katalanen entschied - das in der Folge von Gonzalo Higuain erzielte Tor zählte deshalb nicht.

Kurz darauf brachte Pedro Barca in Führung (54.), Marcelos 1:1 (64.) reichte Madrid nicht mehr. „Der Schiedsrichter war entscheidend. Das Aus ist alleine den Schiedsrichtern anzulasten“, sagte Real-Sportdirektor Jorge Valdano. Im Hinspiel fühlte sich Real von Wolfgang Stark (Ergolding) verpfiffen.

Ronaldo zürnte. „Nächste Saison können sie Barca den Pokal ja gleich vorab schenken“, sagte er, und klagte über den früheren Liverpooler Mascherano: „In England hat er sich nie fallen lassen. Und hier scheint er bei jeder Berührung zu sterben.“

Gestorben ist im vierten Clasico binnen 18 Tagen - zumindest für die katalanische Presse - jedoch etwas ganz anderes. „Ein intelligentes Barca beerdigt den Mythos Mourinho“, schrieb die Zeitung Sport. El Mundo Deportivo spottete: „Das war wirklich eine Mission Impossible für Madrid - die haben nur zweimal aufs Tor geschossen und 31 Fouls begangen. Der Fußball hat gewonnen.“

Özil dagegen war einer der Verlierer des Abends. Erstmals in der K.o.-Phase stand er nicht in der ersten Elf von Real. Als er in der 60. Minute kam, blieb er unauffällig. Real-Hausblatt Marca wertete den Auftritt als „durchgefallen“. Sport schrieb, Özil sei „niemals auf seiner Position und unwichtig“ gewesen, und El Mundo Deportivo meinte: „Der Deutsche hat seinem Team nichts gegeben.“ Entsprechend gereizt verließ Özil das Stadion: „Ich will nichts sagen.“

Barcas überragender Spielmacher Xavi schwärmte indes von „fußballerischer Gerechtigkeit. Wir haben gewonnen und gezeigt, dass wir besser sind. Unsere Philosophie würde es uns nie erlauben, zu spielen wie Real“. Zwar gab es in Barcelona keine Jagdszenen wie noch in Madrid, doch die Königlichen spielten überhart. Ricardo Carvalho hätte ebenso Gelb-Rot sehen können wie Torschütze Marcelo, allein Lionel Messi wurde elfmal niedergestreckt - so oft wie kein Spieler zuvor in der Königsklasse.

„Die Werte von Barca haben triumphiert“, sagte Präsident Sandro Rosell mit breitem Lächeln: „Es war eine magische Nacht für den Barcelonismo.“ Und für Eric Abidal, der wenige Wochen nach seiner Leber-OP in der Nachspielzeit noch eingewechselt wurde. „Das war der wichtigste Tag in meinem Leben“, stammelte der Franzose vor Glück. Am 28. Mai wollen Abidal und Co. zum vierten Mal den Henkel-Pott gewinnen - in dem Stadion, in dem 1992 der erste Triumph glückte. „Wir hoffen, dass sich Geschichte wiederholt“, sagte Pedro.

sid

Auch interessant

Meistgelesen

Premier League: So sehen Sie FC Liverpool gegen Manchester City heute live im TV und im Live-Stream
Premier League: So sehen Sie FC Liverpool gegen Manchester City heute live im TV und im Live-Stream
Zimmer „voller Blut“: Cristiano Ronaldos Friseur offenbar in Schweizer Hotel ermordet
Zimmer „voller Blut“: Cristiano Ronaldos Friseur offenbar in Schweizer Hotel ermordet
Gladbach feiert Last-Minute-Sieg - kuriose Gelbe Karte sorgt für Ärger
Gladbach feiert Last-Minute-Sieg - kuriose Gelbe Karte sorgt für Ärger
Champions League: So endete Zenit St. Petersburg gegen RB Leipzig 
Champions League: So endete Zenit St. Petersburg gegen RB Leipzig 

Kommentare