Kultclub empfängt Düsseldorf

Rot-Weiss Essen im Pokalfieber: «Hauen noch mal alles raus»

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Kultclub Rot-Weiss Essen will nach Arminia Bielefeld auch Fortuna Düsseldorf aus dem Pokal werfen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

RWE ist Kult, hat sich aber vom großen Fußball schon lange entfernt. Nun macht der Club wieder im DFB-Pokal auf sich aufmerksam und will endlich aus der Regionalliga raus.

Essen (dpa) - In normalen Zeiten wäre das Stadion wieder richtig voll. Selbst in der Regionalliga erfreut sich der Traditionsclub Rot-Weiss Essen hoher Zuschauerzahlen, so sie denn zugelassen sind.

Im DFB-Pokalspiel gegen Fortuna Düsseldorf am Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) wird das Stadion an der Hafenstraße wegen Corona natürlich leer bleiben, 20.000 Fußball-Fans hätten sonst Platz gefunden. Dennoch steht das Team um Kapitän Marco Kehl-Gomez unter Fan-Beobachtung. «Wir wissen, dass eine Menge Leute auf uns schauen. Eine kleine Chance haben wir sicherlich. Am Mittwoch hauen wir noch mal alles raus», sagte der 28-Jährige vor dem letzten Spiel des Jahres.

Die Pokalpartie gegen das benachbarte Düsseldorf ist eines der wenigen Highlights in der jüngeren Gesichte des Clubs, der seine größten Erfolge in den 50-er Jahren mit dem Gewinn der deutschen Meisterschaft (1955) und des DFB-Pokals (1953) feierte. Bundesliga gibt's seit 43 Jahren nicht mehr bei RWE, 2. Liga ist schon 13 Jahre her. Seit der Insolvenz im Jahre 2010 krebst der Verein in der Viertklassigkeit umher, ein Jahr sogar in der fünften Klasse. Mit einem Sieg gegen Fortuna könnte der in der Regionalliga West bislang in 20 Spielen unbesiegte Tabellenführer erstmals seit 2008 wieder in ein DFB-Pokal-Achtelfinale einziehen.

Das große Ziel ist jedoch die Rückkehr in die 3. Fußball-Liga. «Die Pokalpartie ist ein Bonusspiel», sagte Trainer Christian Neidhart, der die Erfolgsserie auch gegen den Zweitligisten aus Düsseldorf fortsetzen möchte. «Nach 13 Jahren ist die Sehnsucht auf die 3. Liga schon sehr groß. Mit dieser Aufgabe identifizieren sich hier alle im Verein», sagte der Vorstandsvorsitzende Marcus Uhlig vor Saisonbeginn.

Das würde sich auch finanziell auszahlen. Derzeit brechen dem Club, der überdurchschnittlich von seinen hohen Zuschauerzahlen profitiert, die Einnahmen aus diesem Bereich weg. Mit pfiffigen Ideen wie dem Verkauf von virtuellen Tickets und Bratwürsten sowie einer hohen Verzichtsquote bei der Ticketrückerstattung konnte RWE sich über die Zeit retten. Und der DFB-Pokal bringt nach dem Erstrundensieg gegen Arminia Bielefeld auch mehr Geld.

Einer der bekanntesten Essener Spieler neben 54-er Weltmeister Helmut Rahn, dessen Bronzestatue vor dem Stadion aufgestellt wurde, ist Frank Mill. Der in Essen geborene ehemalige Nationalspieler, der auch mal für Fortuna Düsseldorf spielte, sieht einen Aufschwung bei seinem Heimatclub. «RWE ist endlich mal auf einem guten Weg. Sie haben ja über Jahre und Jahrzehnte so viele falsche Entscheidungen getroffen. Jetzt haben sie einen vernünftigen Trainer, da kann sich was entwickeln», sagte der 62-Jährige dem «Kicker» (Montagausgabe).

© dpa-infocom, dpa:201222-99-784065/2

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