Ende kommt überraschend

Sabine Töpperwien: Kult-Reporterin hört nach 35 Jahren auf - ihre Stimme erkannte jeder Fußball-Fan sofort

Sabine Töpperwien am Mikrofon im Stadion.
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Sabine Töpperwien lebt für Fußball - und ließ die Radio-Zuhörer daran teilhaben.

Eine echte Radio-Legende hört auf: Sabine Töpperwien war jahrelang die Stimme der Bundesliga, jetzt hängt sie das Mikrofon an den Nagel.

  • Sportreporterin Sabine Töpperwien hört auf.
  • Sie war die erste Frau, die ein Fußballspiel kommentierte.
  • Ihr Zuhause war das Radio.

Köln - Über 700 Spiele hat sie kommentiert, so gut wie jeder Fußball-Fan kennt ihre Stimme - jetzt ist Schluss. Sabine Töpperwien beendet nach der Saison ihre Karriere als Fußball-Kommentatorin. Das Radio war ihr Zuhause und ihre Leidenschaft, für den WDR begleitete sie über 35 Jahre lang die Bundesliga, Olympia und vieles mehr.

Töpperwiens Ende kommt relativ überraschend. Die 60-Jährige gab gesundheitliche Beschwerden als Grund für ihre Entscheidung an. „Kopf und Geist hätten gerne weitergemacht“, sagte sie im Interview mit der Bild. „Aber ich habe seit einem Dreivierteljahr dauerhafte Beschwerden in den Nerven und Sehnen beider Arme. Die Ärzte sagen, das ist eine Folge der vielen Arbeit am Computer.“

Sabine Töpperwien (WDR) verkündet Karriereende - „lebende Legende der deutschen Sportberichterstattung“

WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte sie als „eine Pionierin und lebende Legende der deutschen Sportberichterstattung“. Ihr Bruder Rolf Töpperwien, ebenfalls langjähriger Sport-Reporter, riet ihr zu der Entscheidung, wie sie verrät. „Er kennt meine Leidensgeschichte und hat zu mir gesagt: ‚Mach Schluss!‘“

Am Mikrofon fühlt sie sich am Wohlsten: Sabine Töpperwien.

Der Abschied fällt ihr nicht schwer. „Ich konnte mir alle beruflichen Träume erfüllen. Ich habe die Welt gesehen, war bei 12 Olympischen Spielen und habe großartige Fußballspiele gesehen. Meine Mission ist erfüllt.“

Fußball-Reporterin Sabine Töpperwien hört auf - als erste Fußball-Frau schrieb sie Geschichte

Töpperwien hielt stets die Fahne der Frauen in einem nach wie vor von Männern dominierten Berufsfeld hoch. Beim EM-Halbfinale der Frauen 1989 schrieb sie sogar Geschichte, als sie als erste Frau überhaupt eine Fußball-Übertragung kommentierte.

Damals musste sie viel Kritik einstecken, zum Beispiel von Christoph Daum („Schick mal lieber deinen Bruder“) oder Otto Rehhagel („Sie haben noch nie den Schweiß in einer Kabine gerochen“). Doch sie etablierte sich immer fester. Auch als aktive Sportlerin hatte sie in jungen Jahren Erfolg: Sie spielte mit dem ASC Göttingen in der 2. Tischtennis-Bundesliga. Höhepunkt ihrer journalistischen Laufbahn war das UEFA-Pokalfinale Schalke 04 gegen Inter Mailand, das sie 1997 gemeinsam mit Manni Breuckmann kommentierte.

Jüngst verließ auch ein Sky-Reporter seinen Sender - jedoch wohl nicht ganz freiwillig. Ein einmaliges Comeback schließt Töpperwien nicht aus. „Irgendwann nach Corona“ will sie noch einmal ein Spiel kommentieren. „Am besten Köln gegen den FC Bayern.“ (epp)

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