Aufmarsch der E-Helden

Saisonstart der Formel E - Vettel: "Das ist Käse"

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Das Fahrerfeld vor dem Nationalstadion in Peking (v.l.): Ho-Pin Tung, Nelson Piquet Jr., Takuma Satō, Katherine Legge, Lucas di Grassi, Daniel Abt, Oriol Servia, Jaime Alguersuari, Sam Bird, Franck Montagny, Jérôme D’Ambrosio, Sebastien Buemi, Stephane Sarrazin, Jarno Trulli, Charles Pic, Michela Cerruti, Nick Heidfeld, Brunno Senna, Karun Chandhok, Nicolas Prost.

Peking - Los Angeles, Miami, Buenos Aires, London oder Berlin: Bei diesen Namen wird Formel-Pate Bernie Ecclestone (83) neidisch. Kein Wunder, dass der Brite rot sieht, wenn er an die grüne Formel E denkt.

Hockenheim, Spa, Silverstone oder bald Aserbaidschan versprühen weitaus weniger Glamour als die Vorstellung, mit einsitzigen Rennwagen durch London zu rasen. Ecclestone wird genau hinsehen, wenn die Formel e am Samstag in Peking (Sky Sport, ab 9.30 Uhr live) ihr erstes Rennen hat. Und hoffen, dass die Serie nicht die Zukunft des Automobilsports ist, wie es FIA-Präsident Jean Todt propagiert.

Gefahren wird nur samstags. Es gibt ein freies Training, dann ein Qualifying, bei dem die Startplätze für die erste „Halbzeit“ des Rennens ausgefahren werden. Nach 30 Minuten müssen die Fahrer in die Box, dann wechseln die Piloten die Autos. Länger können die Boliden auch gar nicht fahren, dann sind die Batterien leer, welche die 235 PS starken Elektromotoren speisen. Die Piloten müssen mindestens eine Minute in der Garage warten, das besagt das Reglement. Wer länger braucht, um sich in den Zweitwagen zu setzen und diesen zu starten, hat Pech gehabt. Am Ende werden Punkte wie in der Formel 1 verteilt. Der Sieger bekommt 25 Punkte, der Zehnte noch einen. Was Ecclestone stört: Einige Formel-1-Rennställe profitieren von der Konkurrenzserie. Die italienische Rennwagenschmiede Dallara entwarf das Chassis. McLaren baute den Elek­tromotor, das Getriebe und stellt die Einheits-Elektronik zur Verfügung. Williams entwarf den „Tank“, also die Hochleistungsbatterien. Renault ist für die Integration des ganzen Systems verantwortlich. Ex-Formel-1-Zulieferer Michelin schließlich liefert die Profilreifen. Zudem befinden sich unter den zehn Teambesitzern illustre Namen. Ex-Formel-1-Weltmeister Alain Prost ist genauso engagiert wie Hollywoodstar Leonardo Di Caprio. Mit ABT ist auch ein deutsches Team aus dem Allgäu dabei.

Die Boliden erreichen eine Maximal­geschwindigkeit von 225 km/h.

Nur bei den Piloten besteht noch Verbesserungsbedarf. Das E im Namen stehe für ehemalig. So lästern die Formel-1-Piloten hinter vorgehaltener Hand. In der Tat: Die Teilnehmerliste liest sich wie das Who is who von in der Formel 1 Gescheiterten. So ist der Italiener Jarno Trulli der einzige Grand-Prix-Sieger im Feld. Ex-BMW-Pilot Nick Heidfeld fährt für Di Caprios Venturi-Team. Der Mönchengladbacher will in der Formel E nachholen, was ihm in der Königsklasse nie gelang: einen Sieg. Bruno Senna versucht ebenso einen neuen Anlauf mit den Elektroautos. Der Neffe des legendären Ayrton Senna konnte in der Königsklasse nie erreichen, was der Nachnahme versprach.

Die Formel-1-Fahrer halten sich aus Angst vor Todt noch zurück mit Aussagen. Nur Weltmeister Sebastian Vettel sagt offen, was alle denken. „Diese Serie ist Käse!“ In diesem Punkt ist er sich mit Big Boss Ecclestone also einig.

Ralf Bach

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