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Kalou und das Skandal-Video - Die Bundesliga schaufelt ihr eigenes Grab

Salomon Kalou liefert mit seinem Video den größten Skandal der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Was hat er angerichtet? Es kann nur eine Konsequenz geben. Ein Kommentar.

  • Salomon Kalou schockt mit einem Skandal-Video die Fußball-Welt.
  • Was hat der Hertha-Profi damit nur angerichtet?
  • Für unseren Redakteur kann das nur eine Folge haben.

Berlin - Geisterspiele. Was haben wir vor ein paar Wochen gejammert. Unglaublich, diese Großkopferten. Jetzt darf man nicht einmal mehr ins Stadion. So macht das keinen Spaß. Das ist nicht mein Fußball.

Und jetzt? Anfang Mai lechzt die Fan-Seele nach genau diesen Partien, um sich in Zeiten der Corona-Krise* wenigstens wieder ein bisschen an seiner Freizeit erfreuen zu können. Am Mittwoch, 6. Mai, soll über das weitere Vorgehen der Bundesliga* entschieden werden. Und glaubt man den jüngsten Äußerungen, dann steht die Politik dem Vorschlag der DFL durchaus offen gegenüber.

Salomon Kalou: Skandal-Video von Hertha-Profi - Gefährliche Auswirkungen für Bundesliga?

Doch dann sagt Hertha-Profi Salomon Kalou: Hold my champagne (für Bier sind sie beim Big-City-Club in Berlin doch viel zu fein). Der Ivorer zerstört mit seinem entsetzlichen Live-Video auf Facebook in einer Viertelstunde alles, wofür Funktionäre und Vereine wochenlang gearbeitet haben. Um Verständnis hat man geworben, die Bundesliga* als Produkt verkauft, das in seinen Abläufen absolut steril und rein sein will. Sich loslösen möchte vom Prunk und Protz der Vergangenheit.

Ein Konzeptpapier hat man erarbeitet, für Millionen Euro Tests bestellt, um auch ja sicherzustellen, dass da nichts schief geht. Ganz nebenbei: Dieser Gedanke war ohnehin blauäugig, aber irgendeinen Ansatz musste man ja liefern, um möglicherweise wieder spielen zu können - und so wenigstens noch etwas von den üppigen TV-Geldern einzustreichen, die den Klubs das Überleben sichern. Demütig sein im Milliardengeschäft Profifußball. Eine Gratwanderung, die nicht zu bewerkstelligen war. Und dann kommt eben Abrissbirne Kalou.

Salomon Kalou: Alle Bundesliga-Hoffnungen mit Live-Video zerstört?

Es ist der größte Skandal der jüngeren Bundesliga-Geschichte. Kalou filmt seinen Teamkollegen Jordan Torunarigha beim Corona-Test, wird vom medizinischen Fachpersonal noch zurechtgestutzt („Sala, bitte lösch‘ das Video!“) und antwortet dann: „Haha. Only joking.“ Alles klar. Ihm kann es ja egal sein. 

Denn in der Kabine liegt sein Gehaltsscheck schon bereit. Kalou und Kollege Vedad Ibisevic diskutieren über ihre Gehaltskürzungen im niedrigen Prozentbereich, während mehr als zehn Millionen Deutsche in Kurzarbeit geschickt wurden. Sie hatten sich so sehr auf diese vermaledeiten, bescheuerten, wundervollen Geisterspiele gefreut, um sich ein wenig vom persönlichen Leid abzulenken. Und jetzt schaufelt die Bundesliga ihr eigenes Grab

Das Problem? Die Chance ist groß, dass die Bundesliga* von rücksichtslosen Salomon Kalous gespickt ist. Ein Einzelfall waren die Checks mit den Teamkollegen wohl eher nicht. Und da kann DFL-Boss Christian Seifert noch so sehr die Werbetrommel rühren - wenn sich Spieler, die qua ihrer Prominenz so viel Macht und Einfluss haben und eigentlich Vorbild sein sollten, auf diese Art und Weise benehmen: Dann ist das wirklich nicht mehr mein Fußball. 

Deshalb: Sperrt die Bundesliga* weiter zu. Natürlich würde es bei einem Neustart auch auf dem Platz zu engem Kontakt kommen, da sind Handschläge in der Kabine wohl nicht weiter schlimm - doch darum geht es nicht. Sondern viel eher um die Tatsache, dass sich Fußballprofis ihrer unglaublichen Sonderstellung nicht bewusst sind und es mit einem solchen Benehmen eigentlich gar nicht verdient haben, wieder auf dem Platz zu stehen. So sehr uns alle das schmerzen mag. 

*tz.de ist Teil des deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

akl

Rubriklistenbild: © Facebook Screenshot/Salomon Kalou

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